Bio kann jeder


Kita Herz Jesu

Steckbrief

  • Küchenleiterin: Frau Lausch
  • Gästestruktur: Kinder von unter einem Jahr bis Schuleintritt
  • Mittagessen: Circa 80 Mittagessen
  • Mitarbeiter: Eine Vollzeitkraft, erstmals ein Praktikant für sechs Wochen
  • Bio-Status: Circa 80 Prozen, bisher noch kein Fisch und Speiseeis in Bioqualität 
  • Biolieferanten: Zwei Biogroßhändler aus der Region
  • Verkaufspreis: 0,90 Euro pro Essen

Der Beginn

Den Anstoß für den Einsatz von Bioprodukten gab bei in der Kindertagesstätte (Kita) Herz Jesu der Einbau einer nagelneuen Küche. Küche neu - Kochen neu, dachte sich Frau Lausch, die seit 2002 als Köchin in der Kita tätig ist. Auf Biofleisch hatte die Kita schon 2002 im Zuge diverser Lebensmittelskandale umgestellt.

Bioqualität hat überzeugt

Bevor die Köchin den Einsatz von Bioprodukten in der eigenen Küche realisierte, hospitierte sie in verschiedenen Einrichtungen, die bereits Biolebensmittel einsetzten und sammelte so praktische Erfahrungen. "Ich wollte möglichst viele Informationen über Lieferanten, Preise, Verarbeitung und Qualität der Produkte im Vorfeld sammeln", erklärt sie dieses Vorgehen. Im Erzieherteam wurden Fortbildungen zum Thema Ernährung durchgeführt, wie etwa "Fünf in einer Hand". Danach stellte die Kita auf Vollwerternährung und Bioprodukte um. Als erstes führte Frau Lausch Biotees ein. Das intensive Aroma, die satte Farbe und der runde Geschmack haben sie und vor allem die Kinder von Anfang an überzeugt. Nach und nach wurden auch die anderen Getränke sowie die Milchprodukte auf Bioqualität umgestellt.

Kommunikation

In der intensiven Kommunikation mit allen Beteiligten sieht Frau Lausch den zentralen Punkt für ein gutes Gelingen. Eltern, Erzieherinnen und Kinder können mit ihren Fragen zu ihr kommen. "Die Arbeit mit Bioprodukten macht mir Spaß", sagt Frau Lausch. Mit dieser positiven Einstellung schafft es die engagierte Frau ohne Weiteres den einen oder anderen Kritiker zu überzeugen.

Neben der überzeugenden Qualität der Produkte ist für sie der Einsatz von Biolebensmitteln ein klarer Standortvorteil. Immer mehr Eltern fragen kritisch nach, was mittags auf den Tisch kommt. Trotz des gesteigerten Interesses an der Art der Verpflegung sind die wenigsten Eltern bereit, für die Biokost höhere Preise zu zahlen. In den letzten Jahren wurde der Etat für die Küche sogar deutlich gekürzt. "Es ist nicht einfach mit den vorhandenen Mitteln auszukommen. Ich vergleiche viele Preise und richte meinen Speiseplan eng an dem saisonalen Angebot aus", erklärt Frau Lausch. Die benötigten Mengen berechnet sie sehr genau. So wurden zum Beispiel die Fleischportionen von früher 60 Gramm auf heute 40 bis 45 Gramm reduziert. Die täglichen Abfallmengen konnten so deutlich reduziert werden.

Den Kindern den Umgang mit frischen Produkten näher bringen

Im Sommer 2007 wurde das Außengelände umgestaltet und eine große Kräuterspirale angelegt. Das Kräuterbeet kommt bei allen sehr gut an. Die Eltern spenden die Pflanzen und die Kinder ernten die Kräuter, die anschließend zum Würzen oder zur Zubereitung von Tee verwendet werden. Die Biokräuter aus eigenem Anbau bereichern die Küche zum Nulltarif und bringen gleichzeitig den Kindern den Umgang mit frischen Produkten ein Stück näher. So vermittelt die Kita praxisnahe Ernährungsbildung von Anfang an.

Ferner haben die Eltern in der Kita Herz Jesu die Verantwortung für das Frühstück von etwa 15 Kinder übernommen. Im wöchentlichen Wechsel ist jeweils eine andere Familie für den Einkauf zuständig. "Früher kam so sehr viel Süßes, Nutella, Marmelade und Weißmehlprodukte auf den Tisch", berichtet Frau Lausch. Langsam und ohne jeden Zwang hat hier seit der verstärkten Verwendung von Bioprodukten ein Wandel eingesetzt. Immer mehr Eltern bringen jetzt Vollkornbrötchen und frisches Obst oder Gemüse mit. Den Kindern schmeckt es und die Kita sieht sich in ihrem Konzept bestärkt. Der bewusste Umgang mit dem Thema Ernährung ist offensichtlich keine Einbahnstraße. Dass die Küche Biolebensmittel einsetzt, erfahren die Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder. Außerdem gibt es jährlich einen Tag der offenen Tür. Auf eine gute Kommunikation zwischen Eltern, Erzieherinnen und der Küche legt die Kita Herz Jesu großen Wert. Der regelmäßige Besuch von Fortbildungsveranstaltungen speziell auch zu dem Thema Biolebensmittel ist für die Küchenleitung selbstverständlich.

Frau Lausch bezieht ihre Bioprodukte über zwei Biogroßhändler aus der Region. Fleisch wird circa alle sechs Wochen in einer Menge von zwölf Kilogramm geliefert und bis zur Verwendung eingefroren. Die Mindestabnahmemengen der Großhändler sieht Frau Lausch eher kritisch: "Zehn Kilogramm sind für eine Einrichtung mit durchschnittlich 80 Mittagessen einfach zu viel." Leicht verderbliche Gemüsesorten lassen sich dadurch schlecht in den Speiseplan integrieren. Sie wünscht sich daher Lieferanten, die sich besser an die Bedürfnisse kleinerer Einrichtungen anpassen.

Bio als Selbstläufer...

Abschließend berichtet Frau Lausch:

Ich habe mir das alles viel schwieriger vorgestellt, aber ich muss sagen, bei uns ist der Einsatz von Bioprodukten zum Selbstläufer geworden. Mir macht meine Arbeit seitdem noch mehr Freude.

Letzte Aktualisierung: 23.05.2011