Bio kann jeder


Kindernest Küche GmbH

Steckbrief

  • Unternehmen: Kindernest Küche GmbH
  • Geschäftsführer: Hans Jürgen Hildebrandt, Silke Boss
  • Gästestruktur: Kinder von sechs Monaten bis zwölf Jahren
  • Mittagessen: Circa 2.200 Mittagessen
  • Mitarbeiter:  Zwei Vollzeitkräfte, sieben Teilzeitkräfte, zehn Minijobber
  • Biostatus: Angestrebt werden zehn Prozent
  • Biolieferanten: Zwei Direktvermarkter
  • Verkaufspreis:  2,15 Euro (Kinder) bis 4,30 Euro (Erwachsene) pro Essen

Am Anfang stand eine Idee...

Hans Jürgen Hildebrandt, Sozialarbeiter und Silke Boss, Diplom Sozialpädagogin wollten einen flexiblen Kinderbetreuungs- und Familienservice ins Leben rufen. Anbieten wollten sie unter anderem Unterstützung bei Krankheitsfällen, Kuraufenthalten, Besorgungen aber auch die ganz normale tägliche Kinderbetreuung für berufstätige Eltern. Im Februar 1999 wurde daraufhin die Kindernest GbR, ein offenes Betreuungsangebot gegründet. Das umfassende Angebot fand großen Anklang in Hanau. Mittags wurde in der Kita-Küche für alle Kinder frisch gekocht. Das Essen war gut und bald fragten benachbarte Einrichtungen an, ob denn nicht auch für ihre Kinder mitgekocht werden könne. Kein Problem für die Kindernestmacher, aber leider wurde es in der Kita-Küche bald zu eng.

Im Sommer 2002 wurde die Kindernest Küche als eigenständige GmbH mit eigenen Räumen in Ronneburg-Hüttengesäß gegründet. Seitdem werden dort täglich etwa 2.200 Mittagessen zubereitet. Die Kindernest Küche beliefert inzwischen rund 60 Kitas, Horte, Schulen und Krippen in Hanau und Umgebung. Möglichst vollwertig wurde in der Kindernest Küche schon immer gekocht. Im Speiseplan finden sich viele Gemüsegerichte, ein bis zwei mal pro Woche Fleisch, einmal Fisch und regelmäßig Salat, Rohkost und frisches Obst. Darüber hinaus gibt es immer vegetarische Gerichte und Alternativen für Allergiker.

Der eigentliche Anstoß zum Einsatz von Bioprodukten kam von einer Mutter, deren Kind das Kindernest besucht. Hans Jürgen Hildebrandt und Silke Boss, die für sich privat gerne mal im Bioladen einkaufen, standen der Idee offen gegenüber. Allerdings war von Anfang an klar, dass die Einführung von Bioprodukten kostenneutral realisiert werden musste. "Bio finden die Eltern ganz toll - solange sie dafür nicht mehr bezahlen müssen", sagt Herr Hildebrandt mit einem Schmunzeln.

Die Umsetzung...

Unterstützung bei der selbst gestellten Aufgabe erhielt die Kindernest Küche durch das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft geförderte Modellvorhaben: "Bio für Kindertagesstätten". Zusammen mit Projektleiterin Marion Buley besprachen die beiden Geschäftsführer umsetzbare Wege. Im Fokus immer das unveränderliche Preisniveau. Neben der reinen Beratung bieten die Mitarbeiter des Modellvorhaben: "Bio für Kindertagesstätten" auch Unterstützung bei der Berechnung neuer Rezepturen, der Anpassung der Speisepläne sowie bei der Suche nach Biolieferanten an.

"Auf den ersten Blick sind Bioprodukte natürlich teurer als konventionelle, aber wir sind zuversichtlich in Zukunft 10 Prozent Bio durch entsprechende Änderungen im Speiseplan ohne Mehrkosten anbieten zu können", meint Silke Boss. Wichtig sind vor allem genaue Mengenberechnungen. Fleisch wird zur Beilage, frisches Gemüse tritt in den Vordergrund. Das spart nicht nur Kosten, es entspricht auch den aktuellen wissenschaftlichen Ernährungsempfehlungen für eine vollwertige Kost.

Lieferantensuche

Die Suche nach passenden Lieferanten ist in der Kindernest Küche noch nicht abgeschlossen. Angedacht ist frisches Obst und Gemüse von regional ansässigen Biobauern zu beziehen. Dabei gilt es zuerst anstehende logistische Probleme zu lösen. Welcher Bauer kann zum Beispiel täglich 350 Kilo vorverarbeitete Biokartoffeln liefern? Bislang wird die Kindernest Küche von einem Betrieb des Behindertenwerks mit vorgefertigten Kartoffeln beliefert. Im Sommer sind das bereits jetzt überwiegend Biokartoffeln, im Winter wird von dem Behindertenwerk bei Bedarf konventionelle Ware zugekauft. Besteht die Möglichkeit bei garantierter Abnahme von diesem Lieferanten rund ums Jahr nachgewiesene Bioqualität zu erhalten? Wie sieht es mit anderen Gemüsesorten aus? Noch sind viele Fragen offen deren Klärung Zeit und persönlichen Einsatz fordert.

Für die Geschäftsführer der Kindernest Küche ist dieser Einsatz weniger eine Kosten-Nutzen-Frage als vielmehr durch persönliche Motivation begründet. "Bio als Verkaufsargument spielt bei uns keine Rolle. Wir leben vom persönlichen Kontakt zu unseren Kunden", erklären die beiden. "Wichtig ist, dass es allen schmeckt. Unser Schwerpunkt liegt auf einem vollwertigen Angebot. Wenn es dann auch noch Bio ist, umso besser!"

Letzte Aktualisierung: 14.06.2011