Bio kann jeder


Kita Künheimer Weg

Steckbrief

  • Träger: FIPP e.V.
  • Kitaleiterinnen: Frau Kubitza und Frau Schön
  • Küchenleiter: Herr Neumann und Herr Rietz
  • Alter der Kinder: zwischen sechs Monaten und sechs Jahren
  • Anzahl an Mittagessen: 130
  • Mitarbeiter in der Küche: drei Teilzeit-Kräfte
  • Bio-Einsatz: 100 Prozent (Frühstück und Mittagsverpflegung)
  • Verkaufspreis pro Essen: 1 Euro

Anstoß zum Wechsel

Mit dem Wechsel im Jahr 2005 zum freien Träger FiPP e.V. setzten sich die Kita-Leiterinnen Frau Kubitza und Frau Schön beim Träger und beim pädagogischen Personal für eine Verpflegung mit Bioprodukten ein. Auf Wunsch der Kita-Leitung wurden die Köche Ingo Neumann und Tilo Rietz mit dem Auftrag eingestellt, die Küche auf Vollwertkost in Bio-Qualität umzustellen. Beide Köche brachten bereits erste Erfahrungen aus dem Bio-Bereich mit und hatten großes Interesse, sich der Herausforderung zu stellen.

Die Umsetzung

Kinder an einem Tisch
Das Mittagessen besteht zu 100 Prozent aus Biolebensmitteln.Foto: Kita Künheimer Weg

"Wenn dann mit Hand und Fuß" sagten sich Kita-Leitung und Köche und stellten das Mittagessen auf Zutaten aus 100 Prozent biologischem Anbau um. Dafür holten sie sich Angebote von Lieferanten mit Bioprodukten ein und verglichen Sortiment, Preise und Lieferzeiten. Die Entscheidung fiel auf die Belieferung durch einen regionalen Naturkostgroßhändler mit Obst, Gemüse, Milch- und Trockenprodukten sowie für den direkten Bezug von frischen Backwaren eines Biobäckers aus der Region. Inzwischen wird auch der Fisch aus Bioaquakultur bezogen. Im Zuge der Veränderungen wurden nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Wasch- und Putzmittel auf "Öko" umgestellt.

Nach einem Jahr und fundierten Erfahrungen wurde auch das Frühstück auf 100 Prozent Bio umgestellt. Bis dahin hatten die Erzieher das Frühstück selber eingekauft, nun konnten die Frühstücksprodukte ebenfalls über den inzwischen angestammten Naturkost-Großhändler bezogen werden.

Gekocht wird vollwertig mit möglichst frischen, saisonalen und regionalen Zutaten. Einmal die Woche gibt es ein Gericht mit Fleisch-/ oder Fischanteil. Auf Fertigprodukte wird weitestgehend verzichtet, Ausnahmen sind Gemüsebrühe und beispielsweise Tomatenketchup oder Fischstäbchen aus Bioaquakultur. Auch Tiefkühlware wird nur in geringem Umfang bezogen, beispielsweise Erbsen, Mais, Spinat sowie Rinderhackfleisch und im Sommer natürlich Eis.

Das Mittagessen besteht aus zwei Bestandteilen. Einen Rohkostteller mit Obst und Gemüse gibt es täglich zum gekochten Essen dazu. Dieser Rohkostteller ersetzt den meist üblichen Nachtisch, der etwas Besonderes ist und nur gelegentlich gereicht wird (beispielsweise als Kuchen oder Quarkspeise). Alle zwei Wochen gibt es ein süßes Hauptgericht (Milchreis oder Hirsebrei). Die Hauptbestandteile des Essens sind frisches Gemüse, verschiedene Getreide- und Getreideprodukte wie Nudeln, Bulgur, Gries, Hülsenfrüchte, hochwertige Speiseöle und Gewürze, Milch, Quark und Sahne sowie passierte Tomaten als Konserve. Das Vollkornmehl für verschiedene Essen wird in einer Getreidemühle frisch gemahlen.

Kinder an einer Mühle
Kinder mahlen ihr Vollkornmehl selbst. Foto: Kita Künheimer Weg

Der Essensbeitrag liegt seit 2005 unverändert bei 23 Euro pro Kind und Monat. Trotz aller Teuerungen reicht der Betrag noch immer für das Mittagessen, die Milch und den Tee und darüber hinaus auch für alle ökologischen Reinigungs- und Waschmittel aus. Ausschlaggebend dafür, sagt der Koch Herr Neumann, sind der hohe Anteil unverarbeiteter Lebensmittel, der saisonale und regionale Anteil und eine Reduzierung des Fleischanteils innerhalb einer ausgewogenen Speiseplanung. Frühstück und Vesper werden separat finanziert.

Damit zeigt die Kita, dass eine gesunde Ernährung mit Bioprodukten nicht teurer sein muss und bei entsprechender Speiseplangestaltung und Lieferantenwahl sogar ohne Beitragserhöhung möglich ist. Ihre Erfahrungen diesbezüglich geben Leitung und Köche gerne weiter und stehen für Erfahrungsberichte, z.B. in Workshops im Rahmen der Kampagne "Bio kann jeder", gerne zur Verfügung und lassen sich auch in die Kochtöpfe gucken. So bieten die Köche Hospitationen für Kita-Köche an, in welchen Bestellwesen, Warenkunde, Speiseplanung und Kochpraxis am besten vermittelt werden können.

Gesunde Ernährung erleben und kommunizieren

Für die Leiterinnen und Köche ist es ein großes Anliegen, in ihrer Kita eine gesunde und nachhaltige Ernährung von Klein auf zu vermitteln. Bio gehört für sie als umweltverträglichste Landbewirtschaftung selbstverständlich dazu. Rückblickend stellen sie fest, dass mit der Umstellung der Küche die Ernährung und deren Auswirkung auf Gesundheit und Umwelt auch zunehmend zum Thema in der Kita wurden. Dies wirkte sich auch positiv auf das umweltverträgliche Handeln in der Kita insgesamt aus. So wurde beispielsweise auch eine differenziertere Mülltrennung eingeführt und mit den Kindern eingeübt.

Die Herausforderung sehen Kita-Leitung und Köche insbesondere darin, Kinder, Eltern und das pädagogische Personal gleichermaßen mit ins Boot zu holen und für eine gesunde Ernährung mit Bio-Produkten zu begeistern.

Gedeckter Tisch. Klick führt zu Großensicht im neuen Fenster.
Blickfang für Eltern und Kinder im Eingangsbereich. Foto: Kita Künheimer Weg

Die Kinder haben das frisch zubereitete Essen sofort angenommen. Gerichte wie Pellkartoffeln mit Kräuter-Quark, Vollkornpizza, Nudeln  mit Tomatensoße und Parmesankäse, aber auch Kartoffeln mit Spinat und Rührei, Milchreis oder Avocadocreme mit Maischips wurden beliebte Gerichte und sind es bis heute. Die Akzeptanz von verschiedenem Gemüse im Essen war zu Anfang nur teilweise vorhanden und musste erst gelernt werden. Viele Kinder kannten Gemüsegerichte einfach nicht.

Um zu sehen, ob und wie die Kinder das Essen akzeptieren, essen die Köche mit einigen Kindern und gehen regelmäßig in die Gruppen, um zu erfahren, ob das Essen geschmeckt hat. Dabei können die Kinder auch Essenswünsche äußern, und diese werden nach Möglichkeit umgesetzt.

In der Umstellungszeit war es wichtig, das neue Verpflegungskonzept auf Elternabenden und Mitarbeiterbesprechungen zu kommunizieren sowie Rede und Antwort zu stehen, um eventuelle Irritationen und Vorbehalte zu entkräften. Dabei haben sich Kita-Leitung und die Köche immer optimal unterstützt und an einem Strang gezogen. Die Leiterin Frau Kubitza sagt rückblickend, dass dies nicht zuletzt ein langer Entwicklungsprozess ist, in dem wichtig ist, dass die Kinder eine gesunde, nachhaltige Ernährung erfahren, auch wenn nicht jede Mitarbeiterin persönlich mit voller Überzeugung hinter einer Vollwerternährung mit Bioprodukten steht. Das erfordert Toleranz und Kommunikation aller Beteiligten.

Heute werden die Eltern bereits beim Aufnahmegespräch ausführlich über das Verpflegungskonzept der Kita informiert, und inzwischen entscheiden sich viele Eltern insbesondere wegen der gesunden Verpflegung mit Bio für die Kita Künheimer Weg.

Im Kita-Alltag wird gesunde Ernährung auch in Kochkursen mit den Kindern vermittelt, außerdem werden im Eingangsbereich der Kita täglich die (Roh-)Zutaten des Essens für die Kinder und Eltern zum Anschauen, Anfassen und Probieren ausgestellt. Dadurch wird ganz anschaulich vermittelt wie z.B. Getreide zu Brot und Hirse zu Hirsebrei wird. Der Aushang der Speisepläne ergänzt die Informationen für Eltern und Kindern. Und auf Wunsch werden die Rezepte einiger Gerichte auch an interessierte Eltern verteilt.

Tipps für die Einführung von Bioprodukten in der Kita

  • Lieferantenangebote einholen und vergleichen
  • Anpassung des Speiseplans zugunsten regionaler, saisonaler Ware mit reduzierten Fleischmengen
  • Hospitationsmöglichkeiten und Erfahrungen von anderen Kitas nutzen
  • Das Team mit ins Boot holen, also sowohl die Mitarbeiter der Küche als auch das pädagogische Personal: Erarbeitung und Formulierung eines klaren Verpflegungskonzeptes
  • Information der Eltern über Elternabende auf dem das Verpflegungskonzept der Kita vorgestellt wird

Letzte Aktualisierung: 07.11.2011