Außer-Haus-Verpflegung


EU-Schulprogramm bringt Bioprodukte in Schule und Kita

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Das EU-Schulprogramm fördert den Einsatz von Bioprodukten in Schulen und Kitas. Foto: Andreas Greiner

Das EU-Schulprogramm soll Kinder und Jugendliche dazu anregen, regelmäßig in Schule oder Kita eine Extraportion frisches Obst und Gemüse zu essen beziehungsweise Milch zu trinken. Die Europäische Union hat dazu mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 das bestehende Programm für Schulobst- und -gemüse mit dem Schulmilchprogramm zusammengeführt. Die finanziellen Mittel dafür wurden auf jährlich 250 Millionen Euro aufgestockt. In Deutschland stehen davon 24,9 Millionen Euro für eine zusätzliche, kostenlose Portion Obst und Gemüse und 10,6 Millionen Euro für Milch beziehungsweise Milchprodukte zur Verfügung. Für die Verteilung dieser Mittel und die Kofinanzierung sind die Bundesländer zuständig. Zehn der 15 teilnehmenden Bundesländer haben sich dafür entschieden, Bio als Kriterium für die Auswahl der eingesetzten Lebensmittel festzulegen. In der Regel wählen die Einrichtungen selbst den Lieferanten aus und entscheiden, ob sie konventionelle oder Bioware erhalten möchten. Um zu erfahren, ob und in welchem Maße sich die Einrichtungen für Lebensmittel in Bioqualität entscheiden, hat die Ökolandbau-Redaktion diese Daten bei den zuständigen Landesbehörden im März/April 2019 recherchiert.

Obst, Gemüse und Milch in Bioqualität

Auch wenn die Zahlen zum Einsatz von Bioprodukten im EU-Schulprogramm in den verschiedenen Bundesländern nicht einheitlich erhoben werden, so zeigt sich dennoch: Viele Kindergartenkinder sowie Schülerinnen und Schüler kommen durch das EU-Programm in den Genuss von Bioprodukten.

Bio-Anteile beim EU-Schulprogramm (bezogen auf die abgerechneten Mengen)
BundeslandObst/GemüseMilch/M-Produkte
Baden-Württemberg36,2 %Milch: 32,6 %
Joghurt: 43,0 %
Käse: 43,3 %
Niedersachsen75 %42 %
Nordrhein-Westfalen12 %k.A.
Rheinlandpfalz> 20 %19,5 %
Saarland20 %
Schleswig-Holstein72,7 %50,0 %
Thüringen14 %4,5 %

Quelle: Eigene Recherchen im März/April 2019

Für Bayern liegen keine Daten über die Bioanteile der gelieferten Mengen vor, aber über den Anteil der Schulen, Kindergärten und Tagesstätten, die sich im Rahmen des Programms für Bio-Lieferanten entschieden haben. Das sind bei Obst und Gemüse 59 Prozent und bei Milch und Milchprodukten bereits 76 Prozent. In Sachsen-Anhalt ist die Datengrundlage wieder anders: Dort wurden nach Angaben des dortigen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in den letzten beiden Schuljahren (2017/2018 und 2018/2019) alle Anträge für Bio-Schulobst und -gemüse berücksichtigt. Damit erhalten etwas mehr als 15 Prozent der Kinder im EU-Schulprogramm Obst und Gemüse in Bioqualität.

Flankierende pädagogische Maßnahmen

Über die Verteilung von frischem Obst und Gemüse beziehungsweise Milch und Milchprodukten hinaus soll das Programm Impulse für eine stärkere Gesundheits- und Umweltorientierung der Einrichtungen und Kinder geben. Dazu sind als zweite Säule begleitende pädagogischen Maßnahmen wie Unterrichtseinheiten oder Bauernhofbesuche vorgesehen, die den Kindern die landwirtschaftliche Produktion und die Vielfalt landwirtschaftlicher Erzeugnisse nahe bringen sollen. Auch weitergehende Themen wie eine ausgewogene Ernährung, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, lokale Wertschöpfungsketten oder der ökologische Landbau stehen im Fokus. Mehrere durchgeführte Evaluierungen haben gezeigt, dass das EU-Programm den Verzehr von Obst und Gemüse steigert und den Kindern Wissen über diese Lebensmittel vermittelt.

Effekte über die Schule hinaus

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Die bequeme Belieferung ist für viele Schulen und Kitas ein wichtiges Argument. Foto: Andreas Greiner

Insgesamt zeigen die Erfahrungen, dass immer mehr Kindergärten, Kitas und Schulen das Programm nutzen, um Kindern und Jugendlichen Bioprodukte schmackhaft zu machen. "Das EU-Schulprogramm ist sehr gut geeignet, mehr Bioprodukte in die Schulverpflegung zu bringen", bilanziert Bettina Stiffel vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). Denn über das Programm werden zum einen beträchtliche Mengen an Biowaren verteilt – allein in Niedersachsen im laufenden Schuljahr etwa 920 Tonnen Bioobst und -gemüse. Zum anderen lernen die Kinder darüber den "leckeren Geschmack von Bio kennen und lieben", so die Ökotrophologin im KÖN. So manches Kind hätte ihren Erfahrungen nach seine Eltern schon in den Hofladen des Biolieferanten bugsiert, "weil es dort die leckeren Bioäpfel aus der Schule gibt."


Für die Durchführung des EU-Schulprogramms sind die Bundesländer zuständig. Hier aufgeführt sind die Länder, in denen nach Kenntnis der Ökolandbau-Redaktion auch Bioprodukte eingesetzt werden.

Letzte Aktualisierung: 08.05.2019