Öko-Landbau in der Berufsausbildung

Öko-Landbau in der Berufsausbildung

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe stellen auf ökologische Wirtschaftsweise um oder planen diesen Schritt. Wird die berufliche Bildung dieser Entwicklung gerecht? Hat der Öko-Landbau genug Platz im Lehrplan? Diesen und weiteren Fragen wurde in einem Forschungsprojekt nachgegangen.

Laut Statistik wirtschaften über 35.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland ökologisch, das sind 13,5 Prozent. In der alljährlichen Umfrage des Deutschen Bauernverbandes gaben rund 20 Prozent der befragten Betriebe an, eine Betriebsumstellung zu planen (3 Prozent sicher, 17 Prozent vielleicht). Damit ist in der Summe für etwa jeden dritten Betrieb Öko-Landbau eine Alternative. Für die berufliche Bildung bedeutet das: Inhalte des Öko-Landbaus sollten in jedem Fall fester Bestandteil von Aus-, Fort- und Weiterbildung sein. Die Frage stellt sich also, ob dem so ist und was dafür getan werden kann und sollte.

Bundesweites Projekt gibt Aufschluss

Im Rahmen eines bundesweiten Projektes im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) wurden in den letzten fünf Jahren genau diese Fragen bearbeitet. Verantwortlich ist das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), Kooperationspartner sind der Deutsche Bauernverband (DBV) und der Verband der Landwirtschaftskammern (VLK). Ziel des Projektes war es einerseits, herauszuarbeiten, wie das Thema Ökologischer Landbau in den verschiedenen Bundesländern bislang in der Aus- und Fortbildung in den Berufen Landwirt/-in, Gärtner/-in und Winzer/-in integriert ist. Andererseits sollte Hilfestellung geleistet werden bei der Erarbeitung von Handlungsoptionen für eine stärkere Integration des Öko-Landbaus in Aus- und Fortbildung.

Dazu wurden in den beteiligten Bundesländern für die Berufe Landwirt/in, Gärtner/in Gemüse und Obst und Winzer/in mittels Interviews mit Akteurinnen und Akteuren in der Aus- und Weiterbildung (unter anderem Ausbildende, Ausbildungsberatende, Lehrkräfte, zuständige Stellen und weitere) der Status Quo erfasst. Im Rahmen von ein beziehungsweise zwei Dialogforen mit den Beteiligten wurden anschließend von den Akteurinnen und Akteuren Handlungsoptionen zur Verbesserung erarbeitet. Die folgenden Ausführungen basieren also auf Basis der Erfahrungen der in der beruflichen Bildung tätigen Personen in den Bundesländern.

Der Rahmenlehrplan ist veraltet

Grundlage ist immer noch der bundesweit geltende KMK-Rahmenlehrplan (KMK=Kultusministerkonferenz) für den Ausbildungsberuf Landwirt/-in aus dem Jahr 1994. Das Lerngebiet "Alternative Landwirtschaft" ist hierin mit 80 Unterrichtsstunden vorgesehen. Die Hälfte der Bundesländer hat den Rahmenlehrplan direkt übernommen. Die andere Hälfte setzt ihn in einem Landeslehrplan um, denn die Länder können laut KMK-Rahmenlehrplan Lehrplaninhalte an regionale Bedingungen anpassen und die zeitliche Zuordnung der einschlägigen Schwerpunkte flexibel wählen.

"Ganz unabhängig davon, dass der Begriff „Alternative Landwirtschaft“ überholt und eine Überarbeitung längst überfällig ist, könnten die dort beschriebenen Inhalte durchaus eine gute Grundlage für mehr Öko-Landbau im Unterricht sein", betont Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer NRW. Aber wie sieht es tatsächlich aus? Die Status Quo Analyse zeigt, dass formal in keinem der untersuchten Bundesländer die vorgegeben 80 Unterrichtsstunden in allen Schulen erreicht wurden. Zwar erreichen einige ambitionierte Schulen diese Zielmarke, aber damit sind sie eher die Ausnahme. Die Gründe für diese Situation sind vielfältig, zwei Aspekte dürften eine größere Rolle spielen:

  • Zum einen fehlt vielen Lehrkräften das Know-how zum Öko-Landbau und es fehlt häufig an Angeboten und Möglichkeiten (Unterrichtsausfall, weil Kolleginnen und Kollegen fehlen, die die Vertretung übernehmen können) sich entsprechend fortzubilden.
  • Zum anderen halten die Schülerinnen und Schüler Öko-Landbau für nicht wirklich wichtig und oft gibt es kaum Schülerinnen oder Schüler von Öko-Betrieben in den Schulklassen.

Beides erschwert den Lehrerinnen und Lehrern die Vermittlung der ökologischen Wirtschaftsweise. Im Rahmen der Dialogforen mit den Verantwortlichen wurden allerdings auch zahlreiche Lösungsansätze erarbeitet. Einige davon werden im Folgenden aufgezeigt:

Handlungsoptionen für mehr Bio in der Bildung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in den letzten fünf Jahren unter anderem durch das BÖLN-Projekt vieles auf den Weg gebracht wurde und Öko-Landbau immer mehr Berücksichtigung findet in der beruflichen Bildung. Nichtsdestotrotz werden häufig selbst die Mindestanforderungen nicht erfüllt. Gute Ansätze zur Verbesserung liegen vor, sie müssen aufgegriffen und umgesetzt werden. Dazu bedarf es der Unterstützung aller im Bildungsbereich aktiv Verantwortlichen.

Bis die bundesweiten Vernetzungsstrukturen aufgebaut sind, stehen die Projektverantwortlichen beim KÖN und Dr. Kempkens für Rückfragen zur Verfügung. Im September 2021 gibt es die Möglichkeit, sich unmittelbar über das Thema und das Projekt zu informieren, dann findet eine Fachtagung (auch online) statt.

Bildungsangebote zum Öko-Landbau in Deutschland

Für landwirtschaftliche Berufs- und Fachschülerinnen und -schüler, die heute schon wissen, dass sie später einen ökologischen Betrieb leiten werden oder in solchen Betrieben arbeiten wollen, vermitteln die konventionellen Schulen oft nur unzureichend Kenntnisse zum Öko-Landbau. Deutschlandweit gibt es allerdings ein gutes, spezialisiertes Angebot.
Zur Übersicht der Öko-Schulen

bio-offensive bietet Fortbildungen zum Öko-Landbau

Die bio-offensive, ein Projekt vom Verband der Landwirtschaftskammern und der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL), gefördert durch die Landwirtschaftliche Rentenbank, bietet bundesweit kostenlose Fortbildungen für Berufs- und Fachschullehrerinnen und -lehrer sowie in der beruflichen Bildung in Landwirtschaft und Gartenbau Tätige an. Von der eintägigen Fortbildung am Schulstandort über Veranstaltungen auf Bio-Betrieben bis hin zu dreitägigen überregionalen Veranstaltungen mit Exkursionen zu Bio-Höfen ist alles denkbar. Die konkreten Planungen erfolgen immer mit den Verantwortlichen in der Region, die eine Fortbildung durchführen wollen, also den Schulen oder zuständigen Stellen. Damit gelingt es, die Fortbildungen möglichst zielgruppengerecht zu gestalten. Über die bio-offensive ist es möglich, die Fortbildungen finanziell zu unterstützen und zum Beispiel Referentinnen und Referenten zu finanzieren. Ziel der bio-offensive ist es, aus den Wünschen und Anforderungen der Akteurinnen und Akteure heraus ein entsprechendes Angebot zu entwickeln.

Kontakt

Dr. Karl Kempkens
E-Mail: karl.kempkens@lwk.nrw.de
Telefon: 0251/2376-625
Webseite: www.bio-offensive.de


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Letzte Aktualisierung 29.07.2021

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