Ein Bio-Unternehmen in der Schule

Ein Bio-Unternehmen in der Schule

Die Pausenverpflegung an vielen Schulen ist nicht optimal. Statt ausgewogenen Lebensmitteln werden meist süße und fette Snacks, Limonaden und ähnliches angeboten. Doch um einen langen Tag in der Schule konzentriert durchstehen zu können, benötigen die Schülerinnen und Schüler eine gesunde, nährstoffreiche Ernährung. Ein Grund, der den Bedarf an einer gesunden Schulverpflegung deutlich macht. Doch muss es direkt eine ganze Schülerfirma sein?

Das Projekt "Schülerfirma" ist sehr umfangreich und nimmt wenigstens ein Schuljahr in Anspruch, wenn zum Beispiel ein neues, attraktives Schulcafé oder ein neuer Schulkiosk vollständig eingerichtet und betrieben werden soll. Ein solch aufwendiges Projekt kann aber zum Beispiel auch im Rahmen der Schulprogramm- und Schulprofilentwicklung ins Leben gerufen werden. Dann sind häufig auch feste Zuordnungen im Stundenplan möglich, beispielsweise als reguläres Praktikum, das auch im Zeugnis dokumentiert wird.

Neben der Profilentwicklung der Schule ist der Hauptgrund, der für die Etablierung einer Schülerfirma spricht, die praktische, ökonomische Erfahrung, die die Schülerinnen und Schüler während der Arbeit in der Firma sammeln können.

Das Schulcafé oder ein Schulkiosk mit Sitzplätzen erfüllt zudem den Zweck, dass für die Jugendlichen so Räumlichkeiten geschaffen werden, in denen sie sich treffen, ihre Pausen und einen Teil der Freizeit gemeinsam verbringen können. Es bietet gesunde Produkte an und gleichzeitig wird das soziale Leben an der Schule erheblich gefördert.

Hier finden Sie mehr Informationen zu Bio in der Schulverpflegung.

Unterrichtsskizze

Bei der Gründung einer Schülerfirma, die kleine Speisen für die Schülerinnen und Schüler zubereitet, ist eine Vielzahl von Dingen zu berücksichtigen. Bbei einer Schülerfirma handelt es sich in der Regel nicht um ein Unternehmen im rechtlichen Sinn, sondern um eine schulische Veranstaltung.

Um ein nachhaltiges Firmenkonzept zu entwickeln und umzusetzen, empfiehlt es sich bei der Auswahl der zu verarbeitenden Lebensmittel nach Möglichkeit Bioprodukte einzusetzen. Eine Biozertifizierung ist für Schülerfirmen in der Regel nicht notwendig. Schulen, in denen ein Essensangebot, auch im Schulkiosk, vor Ort frisch zubereitet wird, sind als "nicht gewerbsmäßig betriebene Einrichtung" zu betrachten und unterliegen demnach nicht der Kontrollpflicht. Voraussetzung ist, dass sich das Kiosk-Angebot nur an die Schülerinnen und Schüler der Schule richtet und keine Gäste "von außen" zugelassen sind. In ausgewiesenen Einzelfällen kann eine Zertifizierung nötig sein, dies ist mit den zuständigen Länderbehörde abzustimmen. Hier finden Sie eine Übersicht über die zuständigen Stellen der Bundesländer.

Vorbereitung

Die Vorbereitung des Projekts sollte nach Möglichkeit im Rahmen einer Projektwoche erfolgen, da die Schülerinnen und Schüler in dieser Zeit konzentriert daran arbeiten können.

In dieser Phase wird zunächst die Projektidee vorgestellt: Es soll eine Schülerfirma gegründet werden, die eine gesunde Verpflegung für die Schülerinnen und Schüler der Schule anbietet.

Die Projektbeteiligten konkretisieren diese Idee mit ihren Vorschlägen: Soll es ein Café oder Bistro gegeben, reicht die Einrichtung eines Kiosks? Die Schülerinnen und Schüler sollten an dieser Stelle ihrer Phantasie noch freien Lauf lassen. Erst im nächsten Schritt wird die Durchführbarkeit der einzelnen Ideen überprüft.

In der Diskussion der Ideen filtern die Schülerinnen und Schüler meist schnell die realisierbaren heraus und können auf Basis dieser gemeinsam ihr Projektziel formulieren.

Für den Erfolg der Schülerfirma ist eine gute Planung entscheidend. Um alle Aspekte zu berücksichtigen, bietet es sich an, Arbeitsgruppen (AG) zu bilden:

  • AG Geschäftsführung
  • AG Finanzen
  • AG Personal
  • AG Hygiene
  • AG Marketing
  • AG Einkauf
  • AG Verkauf

In der Vorbereitungsphase sollten die Schülerinnen und Schüler sich Gedanken mache, in welcher Abteilung der Firma sie ihre Fähigkeiten am besten einbringen können und wollen. Hierfür können die Folien F 1 bis F 7 ausgehangen werden. Die Schülerinnen und Schüler haben so die Gelegenheit, sich über die Grundzüge der Arbeit der jeweiligen Abteilung zu informieren. Auch sollten sie Vorschläge oder Bewerbungen für die Position der Geschäftsführerin oder des Geschäftsführers einreichen

Realisierung

Die Wahl der Geschäftsführung findet dann in einer Gründungsversammlung statt. Hierfür können die Bewerberinnen und Bewerber auch kurze Wahlreden vorbereiten. Die Festlegung der Gruppen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgt ebenfalls in der Gründungsversammlung.

Jede Gruppe sollte ein Mitglied bestimmen, dass die Abteilungsleitung übernimmt. Innerhalb dieser Gruppen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler Teilkonzepte, die anschließend in einem Businessplan zusammengeführt werden. Bei dieser Arbeit helfen die Checklisten A 1 bis A 7. Tipps zur Erstellung eines Businessplans bietet das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie auf seinen Websites www.unternehmergeist-macht-schule.de und www.existenzgruender.de.

Wenn Lebensmittel in verarbeiteter Form angeboten werden sollen, zum Beispiel belegte Brötchen, Gemüsesticks mit Dips, ... ist es sinnvoll auch eine AG Produktion ins Leben zu rufen. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn genügend Schülerinnen und Schüler beteiligt sind, kann eine eigenständige AG mit einem Produktionschef gegründet  werden, andernfalls sollten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu angehalten werden in der Produktion mitzuarbeiten. Bei der Verarbeitung von Bioprodukten gelten die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, wenn mit der Verwendung der Bioprodukte geworben werden soll.

Ideen und Tipps, die bei der Umsetzung des Biokonzepts helfen, bieten auch die Arbeitsaufträge A 7 bis A 13. Es ist sinnvoll diese Aufträge von allen Beteiligten bei Mitarbeiterversammlungen bearbeiten zu lassen; sie können aber auch direkt an einzelne Abteilungen ausgegeben werden um diese innerhalb ihres Aufgabengebiets zu unterstützen.

Der Fachunterricht und die Schülerfirma können an vielen Stellen voneinander profitieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen zum Beispiel ihre Erfahrungen aus den wirtschaftlichen Bereichen ihrer Firma mit in den Unterricht ein; der Fachunterricht kann dieses Wissen ausweiten und den Schülerinnen und Schülern benötigte Fachkenntnisse vermitteln. Als Hilfestellung können hierbei die Themenkarten aus Arbeitsauftrag A 14 genutzt werden. Diese Themenkarten können an die Fachlehrkräfte mit der Bitte weitergegeben werden, nach Möglichkeit bestimmte Aspekte in ihren Unterricht zu integrier

Sicherung und Abschluss

Während der Gründungsphase und auch während des laufenden Betriebs dokumentieren die Schülerinnen und Schüler aktuelle Entwicklungen mit Plänen, Texten, Bildern etc. auf einer Firmenpinnwand im Büro der Schülerfirma. Wenn sich das Unternehmen etabliert hat, sollen die Schülerinnen und Schüler eine Evaluation durchführen. Die AG Geschäftsführung organisiert diese. Berücksichtigt werden sollten hier neben einem Feedback durch Kundschaft, Lieferanten und gegebenenfalls Aufsichtsrat auch die Beurteilung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst: Wie funktionieren die Abläufe? Gibt es Probleme in der internen Kommunikation? ... Auch Selbsteinschätzungsbögen zum Beispiel zur Team- und Organisationsfähigkeit, sind im Rahmen der Evaluation sinnvoll.

Eine solche Evaluation kann mit unterschiedlichem Aufwand durchgeführt werden: von einem einfachen Feedback-Einholen über die Firmen-Briefkästen bis hin zu umfangreichen Fragebögen ist vieles denkbar. Wenn die Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht bereits Erfahrung mit der Auswertung von Statistiken gesammelt haben, können sie diese in die Evaluation einfließen lassen. Hier einige Methoden, mit denen die Schülerinnen und Schüler eine Evaluation durchführen können:

  • Feedback-Karten: Die Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter, Kundinnen und Kunden notieren auf Karten, was ihnen gefallen hat, was gut gelaufen ist und was nicht. Die Schülerfirma nutzt diese Karten als Anregung für ihre weitere Arbeit.
  • Fragebögen: Für die Kundschaft und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden unterschiedliche Fragebögen entwickelt. Die Kundschaft wird insbesondere zum Angebot und das Auftreten der Firma befragt, der interne Fragebogen beschäftigt sich mit der Entwicklung der Firma, der Selbsteinschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Verbesserungspotentiale der Abläufe etc.
  • Evaluationsstern: Sowohl alleine als auch in Verbindung mit einem Fragebogen ist der Evaluationsstern ein sehr anschauliches Mittel zur Beurteilung. Auf einem mehrstrahligen Stern können verschiedene Aspekte der Schülerfirma beurteilt werden. Diese Methode eignet sich sowohl für die Beurteilung durch die Kundschaft als auch für die interne Evaluation und die Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler. Ein Beispiel:

Als Auswertung können die Mittelwerte auf einem zusammenfassenden Stern dargestellt werden.

Auch der Geschäftsbericht (siehe Arbeitsaufträge A 1 und A 2) dient der Ergebnissicherung.

Die Unterrichtseinheit "Die Bio-Unternehmer in der Schule" sowie weitere Informationen können Sie hier als Word-Datei und als PDF-Datei kostenlos herunterladen.

Zeitaufwand für die Unterrichtsdurchführung

Das Projekt "Die Biounternehmer" sollte mindestens über ein Geschäfts-/Schuljahr durchgeführt werden. Die arbeitsintensive Gründungsphase kann im Rahmen einer Projektwoche angestoßen werden.

Eine Schülerfirma, die sich etabliert hat, sollte stetig Nachwuchs-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter einstellen und anlernen, so dass die Firma über viele Jahre aktiv bleibt und ins Profil der Schule aufgenommen werden kann.

Empfohlene Fächer

Projektunterricht mit fächerübergreifender Anbindung

Ideen und Anregungen

  • Nicht nur Schulkiosk oder -bistro eignen sich für eine ökologisch wirtschaftende Firma, auch die Bewirtschaftung eines Nutzgartens kann als Schülerfirma-Projekt durchgeführt werden. Eine weitere Alternative bietet auch der Vertrieb von umweltfreundlichen Schreibwaren.
  • Viele Initiativen, wie die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung organisieren landes- oder bundesweit Treffen von Schülerfirmen. Die Schülerinnen und Schüler haben dort die Möglichkeit Erfahrungen auszutauschen, Probleme zu besprechen und neue Ideen zu sammeln.
  • Für die Arbeit der Firma kann eine Kooperation mit einem lokalen Unternehmen hilfreich sein. In Form von Patenschaften können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Unternehmen die verschiedenen AGs unterstützen. Findet sich kein Partnerunternehmen, können Eltern um fachliche Unterstützung gebeten werden.

Lehrplanbezug

Ein Schülerfirmenprojekt ist in den Bildungsplänen der Länder nicht zwingend vorgeschrieben. Organisationsstrukturen und Aufgaben einer solchen Firma sind aber jahrgangsstufen- und fächerübergreifend Inhalt der Lehrpläne, zum Beispiel

  • wirtschaftliche Zusammenhänge in den Fächern Wirtschaft oder Sozialwissenschaften,
  • die Wirkung von Werbung in den Fächern Deutsch und Kunst,
  • Hygiene in den Fächern Hauswirtschaft und Biologie,
  • ...

Die Schülerinnen und Schüler bekommen über das Projekt die Gelegenheit das theoretische Wissen aus dem Unterricht mit praktischen Erfahrungen anzureichern.

Kompetenzziele

Die Schülerinnen und Schüler ...

  • arbeiten eigenständig und unterstützen sich gegenseitig.
  • kennen Elemente des Projektmanagements mit Arbeits- und Zeitplänen und können diese anwenden.
  • wenden betriebswirtschaftliche Kenntnisse in der Praxis an, zum Beispiel bei der Kosten- und Preiskalkulation.
  • stärken ihre Teamfähigkeit durch gemeinschaftliche Arbeiten.
  • lernen, Kundengespräche und Verhandlungen zu führen und Verträge abzuschließen.
  • kennen die wirtschaftlichen, arbeitstechnischen und kommunikativen Grundlagen eines Dienstleistungsbetriebes und können diese umsetzen: Einkauf, Produktion, Verkauf,  Rechnungswesen, interne und externe Kommunikation, Personalführung etc.
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