Fachinfos zum Einstieg

Fachinfos zum Einstieg

Ökolandbau - was heißt das?

Auf der Grundlage des biologischen Verständnisses der Zusammenhänge in der Landwirtschaft hat sich der ökologische Landbau zu einem ganzheitlichen Konzept der Landbewirtschaftung entwickelt. Dieses strebt einen möglichst geschlossenen Stoffkreislauf im Einklang mit der Natur im landwirtschaftlichen Betrieb an. Im Vordergrund der Maßnahmen des Landwirtes steht die Optimierung der Leistungsfähigkeit des landwirtschaftlichen Gesamtsystems, das vielfältige sich gegenseitig fördernde Wechselwirkungen erzeugt.

Welche rechtlichen Vorschriften gibt es?

Erzeuger und Verarbeiter von ökologischen Lebensmitteln müssen nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau sowie deren Durchführungsverordnungen arbeiten.

Darüber hinaus kann es für sie unter anderem aus Marketinggründen sinnvoll sein, sich einem der Bioverbände anzuschließen. Hierfür müssen schärfere Vorschriften erfüllt werden.

Was ist ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf?

Ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf ist das Leitbild im Ökobetrieb. Das heißt: Ackerbau und Viehhaltung sind aneinander gekoppelt. Auf der Ackerfläche werden neben Verkaufsfrüchten Futterpflanzen für die Tierhaltung erzeugt. Die pflanzlichen Abfälle und der tierische Dung werden entweder frisch oder kompostiert auf die Ackerflächen zurückgeführt.

Damit es nicht zu einem Nährstoffüberschuss kommt, der zur Belastung von Umwelt und Grundwasser führen kann, darf die Tieranzahl pro landwirtschaftliche Nutzfläche nur so hoch sein, dass der Grenzwert von 170 kg Stickstoff aus Wirtschaftsdünger (Gülle, Jauche, Mist) pro Jahr und Hektar nicht überschritten wird. Dementsprechend ist es im ökologischen Landbau zwar erlaubt, viehlosen Ackerbau zu betreiben, jedoch keinesfalls eine flächenlose Tierhaltung. Im viehlosen Betrieb muss die fehlende Tierhaltung durch eine entsprechende Fruchtfolge mit einem gewissen Anteil an Leguminosen "ersetzt" werden.

Worauf ist beim ökologischen Pflanzenbau zu achten?

Der Boden ist im ökologischen Pflanzenbau der entscheidende Faktor. Fruchtbarer Boden mit aktivem Bodenleben ist die Voraussetzung für gutes Pflanzenwachstum. Bodenorganismen bauen die Abfallprodukte pflanzlicher und tierischer Erzeugung ab und machen so die darin enthaltenen Nährstoffe für die Pflanze verfügbar. Durch eine weite Fruchtfolge werden die Nährstoffressourcen des Bodens aufgebaut und stehen folgenden Feldfrüchten zur Verfügung.
Zur Stärkung der pflanzeneigenen Abwehrkräfte und der Unterstützung der natürlichen Regulationsprozesse wird vorbeugender Pflanzenschutz betrieben. Dies schließt zum Beispiel die aktive Förderung von Nützlingen, die Wahl von für den Standort geeigneten Arten und Sorten, eine zeitgerechte Bodenbearbeitung und eine ausgewogene Düngung ein.

Grundsätzlich gilt es, durch sorgfältig geplante Fruchtfolgen und entsprechende  Bodenbearbeitung Unkräuter weitgehend zu vermeiden. Treten sie trotzdem in zu starkem Maß auf, wird der Unkrautbesatz so weit vermindert, dass keine übermäßige Beeinträchtigung der Kulturpflanzen zu erwarten ist. Dies erfolgt in der Regel mechanisch mit Striegel, Hacke, Bürsten und in einigen Fällen auch durch Abflammgeräte.

Was heißt Fruchtfolge und wozu dienen in diesem Zusammenhang Leguminosen?

Unter Fruchtfolge versteht man den regelmäßigen Wechsel von verschiedenen Kulturpflanzen, die unterschiedliche Ansprüche an den Acker haben, auf dem sie wachsen. Deshalb versucht der Biolandwirt, die Wirkungen der Vorfrucht mit den Ansprüchen der nachfolgenden Frucht auf möglichst optimale Weise abzustimmen. Die Planung einer Fruchtfolge muss Standortverhältnisse, Futterbedarf, Arbeitskapazitäten sowie betriebs- und marktwirtschaftliche Aspekte berücksichtigen. Nach Möglichkeit sollen Winterfrüchte und Sommerfrüchte sich abwechseln. Kulturen mit langsamer Jugendentwicklung folgen Vorfrüchten mit stark Unkraut unterdrückender Wirkung.

Der für die Bodenfruchtbarkeit und das Pflanzenwachstum notwendige Stickstoff wird über den Anbau von Leguminosen in den Boden gebracht. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören Bohnen, Erbsen, Lupinen oder Klee. Diese Pflanzen können mit Hilfe von Bodenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. Gleichzeitig lockern sie den Boden und dienen als Gründüngung oder als Futter für die Tiere. Ungefähr 30 Prozent Leguminosen in der Fruchtfolge sind für diese Zwecke nötig.

Darf der Biobauer seine Felder und Wiesen düngen?

Im Ökolandbau wird möglichst mit betriebseigenen, organischen Düngern gearbeitet. Chemisch-synthetische Stickstoffdünger sind nicht erlaubt. Stattdessen werden pflanzliche Abfälle und tierische Wirtschaftsdünger (Mist, Gülle) entweder frisch oder kompostiert auf die Nutzflächen ausgebracht.

Der für das Pflanzenwachstum notwendige Stickstoff wird über den Anbau von Leguminosen, die mit Hilfe von Bakterien Luftstickstoff binden, in den Boden gebracht.

Mit der Zufuhr ausreichender organischer Dünger wird das Bodenleben gefördert. Es gewährleistet durch seine Ab-, Um- und Aufbauprozesse eine harmonische Nährstofffreisetzung für das Pflanzenwachstum.

Dürfen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden?

Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen Landbau nicht erlaubt. Um Schädlinge und Verkrautung auf einem erträglichen Niveau zu halten, muss das gesamte System mit seinen vielfältigen Wechselwirkungen von Standort, Klima und pflanzenbaulichen Maßnahmen betrachtet werden. Wenn alle vorbeugenden Pflanzenschutzmaßnahmen wie Standort-, Sortenwahl, Bodenbearbeitung, Fruchtwechsel und Düngung optimal gewählt werden, fördert das die Pflanzengesundheit und macht die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Schädlinge.

Trotz sorgfältiger Beachtung dieser Grundsätze kann es in manchen Jahren zu großen Schäden durch Krankheiten und Schädlinge kommen. In solchen Situationen darf der ökologisch wirtschaftende Betrieb auf biologische Pflanzenbehandlungsmittel zurückgreifen. Dies können (selbst hergestellte) Mittel wie Brühen oder Jauchen, zum Beispiel aus dem indischen Neem-Baum oder der Chrysantheme, sein. Sie sind jedoch in ihrer Wirkung nicht mit chemischen Pflanzenschutzmitteln zu vergleichen. Bei tierischen Schädlingen werden neben Naturpräparaten auch Nützlinge gezielt eingesetzt. Beispielsweise können sehr wirksam Schlupfwespen eingesetzt werden, die Eigelege von bestimmten Falterarten, wie dem Maiszünsler, parasitieren.

Was heißt artgerechte Tierhaltung im Sinne der ökologischen Landwirtschaft?

Die Grundlagen der ökologischen Tierhaltung sind geprägt durch die Achtung und den Respekt des Menschen vor der lebenden Kreatur.  Dies schließt beispielsweise folgende Punkte mit ein:

  • mindestens die Hälfte der Stallfläche muss von fester Beschaffenheit sein (keine Spaltenböden oder Gitterroste),
  • Käfig- und Anbindehaltung sind verboten,
  • das Stallklima muss artgerecht sein, Frischluft und Tageslicht sind Pflicht,
  • die Ruhebereiche müssen trocken und zum Beispiel mit Stroh eingestreut sein,
  • die Tiere sollten Zugang zu einem Freigelände haben,
  • die Besatzdichte im Stall und im Auslauf muss den Bedürfnissen der Tiere entsprechen,
  • das Futter muss artgemäß sein und darf keine Leistungsförderer und keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthalten,
  • die Tiere müssen mit ökologischem Futter gefüttert werden, dass zu mindestens 50 Prozent vom eigenen Betrieb stammt, maximal 5 Prozent der Futtermittel landwirtschaftlichen Ursprungs dürfen konventionell produziert worden sein,
  • bei der Behandlung von Krankheiten müssen soweit möglich phytotherapeutische oder homöopathische Präparate eingesetzt werden,
  • der Einsatz von andern Arzneimitteln oder Antibiotika ist an strenge Vorschriften gebunden: Art, Dauer und Häufigkeit der Behandlung, Hygiene, Wartezeit bevor das Tier zur Lebensmittelgewinnung wieder eingesetzt wird, ...
  • Tiertransporten müssen möglichst kurz gehalten werden.

Detaillierte Vorschriften, wie die Haltung der Tiere auszusehen hat, geben die EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Die Ökoverbände setzen hier zum Teil deutlich strengere Vorschriften durch.

Gibt es Kontrollen bei der Herstellung von Ökoprodukten?

Die Kontrolle für Ökoprodukte ist ähnlich organisiert wie der TÜV. Wer Ökoprodukte herstellt und entsprechend kennzeichnet, muss sich bei einer zugelassenen Kontrollstelle anmelden. Eine Liste der im jeweiligen Bundesland zugelassenen Kontrollstellen kann über die Kontrollbehörde oder das Landwirtschaftsamt bezogen werden. Die Kontrollstellen sind private Unternehmen, die wiederum von Behörden überwacht werden.

Kontrolliert werden die Betriebe mindestens einmal im Jahr nach Voranmeldung, so dass die Betriebsleiter die notwendigen Unterlagen vorbereiten können. Ergänzend gibt es unangemeldete Stichprobenkontrollen. Besteht der Verdacht, dass ein Betrieb zum Beispiel verbotene Spritzmittel eingesetzt hat, werden Blatt- oder Warenproben analysiert, um Verstöße gegebenenfalls beweisen zu können.

Im Rahmen der so genannten Verfahrens- oder Prozesskontrollen wird der gesamte Betriebsablauf kontrolliert. Dazu gehört ein Betriebsrundgang mit Besichtigung der Felder, Weiden, Ställe und Lagerstätten sowie eventuell der Produktions- und Verkaufsstätten. Ergänzend werden die Pflege- und Düngemaßnahmen und Erntedaten erfasst und mit den Futterrationen, Lager- und Verkaufsmengen abgeglichen. Im Wesentlichen wird bei der Kontrolle überprüft, ob sich nur zulässige Betriebsmittel auf dem Betrieb befinden und ob die Angaben des Betriebsleiters korrekt und plausibel sind. Die Kosten für die Kontrollen muss der Betrieb tragen.

Betriebe, die gegen die Richtlinien verstoßen, haben mit Sanktionen zu rechnen, die von Auflagen und kostenpflichtigen Nachkontrollen bei geringfügigen Verstößen bis zur Aberkennung des Ökobetriebes in schwerwiegenden Fällen reichen können.

Importierte Produkte dürfen nur dann als Bioware vermarktet werden, wenn eine von der EU zugelassene Kontrollstelle bestätigt hat, dass der europäische Standard erfüllt wurde.

Was ist der Vorteil von Biolebensmitteln?

Jedes Lebensmittel hat neben dem Genusswert, Gesundheitswert und Eignungswert weiter gehende Eigenschaften, die bei einer ganzheitlichen Qualitätserfassung berücksichtigt werden müssen. Dabei spielen auch soziokulturelle, politische und ökologische Werte wie Umwelt- und Naturschutz sowie Tierschutz eine Rolle. Die besondere Qualität ökologisch erzeugter Lebensmittel ergibt sich aus der Art, wie das Produkt erzeugt und verarbeitet wurde.

Streng wissenschaftlich gesehen, lässt es sich nicht beweisen, dass Menschen, die nur Bioprodukte essen, gesünder sind. Es gibt aber zahlreiche Hinweise darauf, dass Biolebensmittel bei bestimmten Qualitätsmerkmalen vorne liegen:

  • Der ökologische Landbau schont die Ressourcen, schützt Umwelt, Natur und Wasser und fördert die Artenvielfalt.
  • Bioprodukte enthalten deutlich weniger Nitrat und in viel geringerem Umfang Rückstände chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel.
  • Der standortangepasste Anbau mit den ökologischen Bewirtschaftungsmaßnahmen und die artgerechte Fütterung und Haltung der Tiere im ökologischen Landbau sind günstige Voraussetzungen für einen besonderen Genuss.
  • In der Lebensmittelverarbeitung wird auf unnötige Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker, Farbstoffe sowie naturidentische oder künstliche Aromastoffe verzichtet und auf schonende und werterhaltende Verarbeitungsverfahren großer Wert gelegt.
  • Auf Gentechnik wird vollständig verzichtet.
  • Durch die Pflege der handwerklichen Herstellungsverfahren, beispielsweise beim Brotbacken oder bei der Käseherstellung bekommt Genuss einen besonderen Stellenwert.
  • Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau enthalten mehr gesundheitsrelevante Inhaltsstoffe, zum Beispiel antioxidativ wirkende Polyphenole. Biomilch enthält mehr Omega-3-Fettsäuren, die sich positiv auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs auswirken.

Wie werden Biolebensmittel gekennzeichnet?

Die Kennzeichnung von vorverpackten Bioprodukten mit dem EU-Bio-Logo ist verpflichtend. Das deutsche Biosiegel kann ergänzend dazu weitergenutzt werden. Wenn die Vorschriften eines Anbauverbandes erfüllt werden, kann auch deren Logo zur Kennzeichnung verwendet werden.

Biolebensmittel müssen zudem mit der Codenummer der für den Landwirt zuständigen Kontrollstelle gekennzeichnet werden. Über die Nummer kann die Kontrollstelle identifiziert werden. Auskunft darüber geben zum Beispiel die Kontrollbehörden.

Viele Erzeuger und Verarbeiter schließen sich zudem einem der Öko-Verbände an. Sie dürfen, unter Berücksichtigung der strengeren Vorschriften, das Verbandslogo zur Kennzeichnung ihrer Waren einsetzen.

Wo kann ich Biolebensmittel kaufen?

Biolebensmittel sind neben speziellen Naturkost- und Bioläden mittlerweile auch in fast allen Supermärkten zu kaufen. 

Viele Biobetriebe haben zudem Hofläden, die nicht nur eigene Erzeugnisse verkaufen, sondern auch zugekaufte Ware von anderen Betrieben des ökologischen Landbaus anbieten. Manche bieten zudem einen Lieferservice. Eine besonders erfolgversprechende Variante ist die Abonnementvermarktung ("Gemüsetüte"), bei der die Endverbraucher im festgelegten Rhythmus mit einem Paket versorgt werden, dessen Mengen und Zusammensetzung sie vorher bestimmt haben.

Bioeinkaufsführer listen für einzelne Bundesländer, Regionen oder Städte die Verkaufsstellen auf.

Warum sind Biolebensmittel teurer als konventionell hergestellte?

Die höheren Preise bei Biolebensmitteln gegenüber den konventionellen Produkten sind vor allem der Vielseitigkeit der Betriebe geschuldet. Um geschlossenen Betriebskreislauf und weiten Fruchtfolgen zu gewährleisten, müssen sie in der Regel sowohl Tierhaltung betreiben, als auch Futter- und Verkaufspflanzen anbauen. Die Produktion ist kostenintensiver (größere Stallflächen, viele Ackerflächen für breiten Fruchtwechsel, ...) und arbeitsintensiver (mechanische Unkrautbekämpfung, vorbeugender Pflanzenschutz, ...) und die erwirtschafteten Erträge fallen zumeist geringer aus.

Besonders deutlich sind Preisunterschiede bei frischem Obst und Gemüse, vor allem, wenn es aus dem Ausland kommt. Günstig wird es für die Verbaucherinnen und Verbraucher aber meist dann, wenn dieser Bioprodukte möglichst direkt beim Erzeuger, gering verarbeitet und jahreszeitlich angepasst einkauft.

Was heißt Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit meint die Verwendung eines "regenerierbaren Systems (Produktions-, Wirtschafts-, Gesellschaftssystem)" in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann. Das heißt, dass aus dem System nur entnommen wird, was auch nachwachsen kann.

Diese Definition der Nachhaltigkeit erstreckt sich auch nicht nur auf den ökologischen Bereich. Auch Ökonomie und Soziales sollten nachhaltig sein.
Nachhaltige Landwirtschaft meint daher, dass Ressourcen geschont und geschützt werden müssen: Biodiversität, Boden, Wasser und Klima zählen hier ebenso zu, wie, Arbeitskräfte und Finanzen des Betriebs.

Schulwettbewerb "ECHT KUH-L!"

Echt KUH-L Grafik

"Klima. Wandel. Landwirtschaft. – Du entscheidest!"

 

"Echt kuh-l"

Nach oben