Nachhaltiger Tourismus und Landwirtschaft

Material: Nachhaltiger Tourismus und Landwirtschaft

Einordnung

Empfohlene Fächer

Erdkunde

Lehrplanbezug

Die Unterrichtseinheit weist konkrete Bezüge zum Oberstufen-Lehrplan auf.

Raumstrukturen und aktuelle Entwicklungen in Deutschland spielen in den Lehrplänen zur Jahrgangsstufe 12 in vielen Bundesländern eine besondere Rolle. In Inhaltsfeldern wie "Formen und regionale Bedeutung des Tourismus", "Dienstleistungen in ihrer Bedeutung für Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen" ist dabei die "nachhaltige Raumnutzung durch sanften Tourismus" oft explizit genannt und lässt vielseitige, multiperspektivische Annäherungswege und Auseinandersetzungen mit dieser Thematik zu.

Für die Umsetzung bietet sich auch eine Anknüpfung an die Inhalte zum Thema "Ferntourismus" an, wo die Auswirkungen, die Chancen und Risiken touristischer Erschließung in Entwicklungsländern eingängig zur Sprache kommen.

Die Arbeitsmaterialien lassen sich individuell an Lernstand und Arbeitsweise der jeweiligen Schulform und Jahrgangsstufe anpassen.

Hintergrundinformationen

Gewiss, die zum Einstieg in die Unterrichtssequenz verwendete Grafik, die die Abflug-Informationstafel an einem großen Flughafen symbolisiert, verzerrt die Bedingungen schon etwas in Richtung "Endzeit-Szenario". Die lokale Betroffenheit oder Vulnerabilität der genannten Orte bzw. Regionen in Bezug auf die entsprechenden Gefahren ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, wie vergangene Ereignisse (zum Beispiel zahlreiche schwere tropische Wirbelstürme) oder gegenwärtige Prozesse (wie etwa der Anstieg des globalen Meeresspiegels) belegen. Weltweit sind etliche beliebte Destinationen im internationalen Ferntourismus von Veränderungen betroffen, die zum Großteil anthropogen induziert – d. h. durch menschliches Handeln verursacht – sind. Jene Veränderungen in der Umwelt gefährden dabei die Lebensgrundlage der lokal ansässigen Bevölkerung oder sorgen gar dafür, dass sie den Menschen im schlimmsten Fall komplett entzogen wird. Es ist daher offensichtlich und nur allzu sehr nachvollziehbar, dass der Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile auch in der Tourismusbranche, einem der weltweit am stärksten wachsenden Wirtschaftszweige, Einzug gehalten hat – wobei der ökologische Aspekt dabei eine sehr bedeutende Rolle spielt. Erkennbar wird diese enge Beziehung beispielsweise dadurch, dass regionale Lebensmittel von Urlaubern sehr aufmerksam wahrgenommen werden. Deren besondere Verbundenheit zu Umwelt und Natur wird vor allem im Ökolandbau beachtet und kommt in regionalen Lebensmitteln aus ökologischem Landbau besonders gut zur Geltung.

Laut einer Definition deutscher Umwelt- und Entwicklungsverbände zum Nachhaltigen Tourismus muss diese Tourismusform ökologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Verträglichkeitsmerkmale erfüllen. Ökologische Tragfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Angepasstheit und wirtschaftliche Ergiebigkeit sollen sich dabei gegenseitig ergänzen und untereinander vereinbar sein. Auch hier bestehen enge Verbindungen zum ökologischen Landbau, beispielsweise im sozialen Bereich, wo ökologisch wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe mehr Menschen in der jeweiligen Region beschäftigen als vergleichbare konventionelle Einrichtungen.

Generell basiert jede nachhaltige Entwicklung auf diesem Gleichgewicht von ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Ansprüchen gegenwärtiger und künftiger Generationen. Um den Aspekt oder den Grad der Nachhaltigkeit im Bereich des Tourismus zum Ausdruck zu bringen, können nachfolgende Indikatoren herangezogen werden, die es auch erlauben, Marketingstrategien und konkrete Reiseangebote zu gestalten oder – auf der Basis der Nachhaltigkeit – zu bewerten.

Nachhaltiger Tourismus findet dort besonders gute Bedingungen, wo dieser Gedanke auch in den Beherbergungsbetrieben, bei den Freizeitanbietern und den regionalen Freizeiteinrichtungen, bei der Verkehrsinfrastruktur und denjenigen, die für die Gestaltung der Landschaft verantwortlich sind, angekommen ist. Die Landwirtschaft ist hierbei mit ihren Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Betrieben ein wichtiger Akteur. Aber auch bei der Art der Landbewirtschaftung (naturnahe Betriebsformen, ökologischer Landbau mit vielgestaltigen Fruchtfolgen auf den Feldern und einer guten Beteiligung an Agrarumweltmaßnahmen) und bei der Planung und Durchführung von Naturschutzmaßnahmen hat sie maßgeblichen Einfluss darauf, ob und in welcher Form sich regionaler Tourismus entwickeln kann. Das Bild der Landschaft, das Bild von Bauernhöfen in überschaubaren Größen und mit Tieren in Freilandhaltung spielt hierbei eine große Rolle.

Besonders wichtig für Gäste aus anderen Teilen Deutschlands oder des benachbarten Auslandes sind regionale Produkte, die sie im Lebensmitteleinzelhandel oder direkt beim Erzeuger einkaufen können. Dabei geht es nicht nur um die in den Urlaubsbauernhöfen angebotenen Waren und Dienstleistungen (zum Beispiel Liköre oder Konfitüren, Brotbackkurse oder geführte Wanderungen). Auch der örtliche Einzelhandel kann mit dem Angebot von Regionalmarken die Attraktivität einer Urlaubsregion stärken. Regionale Produkte erwarten an nachhaltigem Tourismus orientierte und interessierte Gäste schließlich auch in den Gastronomiebetrieben, um deren Belieferung sich im Sinne kurzer Wege auch landwirtschaftliche Direktvermarkter vor Ort kümmern. Ökologisch wirtschaftende Betriebe spielen hierbei ebenfalls eine besondere Rolle, denn sie oft in der Direktvermarktung tätig. Auf diesem Weg können sie die besonderen Eigenschaften ihrer Lebensmittel nicht nur dem Kunden vor Ort, sondern auch den Urlaubsgäste erklären.

Weitere Informationen zum nachhaltigen Tourismus bietet das Ökolandbau-Portal unter www.oekolandbau.de/verbraucher/erleben/oekologisch-reisen.

Letzte Aktualisierung 02.04.2014

Schulwettbewerb "ECHT KUH-L!"

Echt KUH-L Grafik

"Klima. Wandel. Landwirtschaft. – Du entscheidest!"

 

"Echt kuh-l"

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