Ökologischer Getreideanbau

Biogetreide: Von der Aussaat bis zur Ernte

Kleegras vorweg

Was du hier siehst, ist kein Getreide, sondern Kleegras. Kleegras - eine Mischung aus Klee und Gras - ist gut für den Boden: es lässt den Boden ruhen, durchwurzelt ihn und hinterlässt mit den Ernterückständen Stickstoff als natürlichen Dünger.

Winterweizen ist eine anspruchsvolle Pflanze, die viele Nährstoffe, einen möglichst krümeligen, lockeren Boden und eine gute Wasserversorgung benötigt. Da passt das Kleegras als sogenannte Vorfrucht prima in die Fruchtfolge.

Das Kleegras wird in der Regel mehrmals abgemäht und meist an die Tiere verfüttert.

Die Erde auf den Kopf gestellt

Nachdem im Spätsommer zum letzten Mal das Kleegras gemäht wurde, wird der Boden für den Anbau des Winterweizens vorbereitet:

Mit einem Pflug am Traktor wird der Boden gewendet und gelockert. Dabei werden die Kleegras-Pflanzenreste, die nach dem Mähen stehen geblieben sind, mit der Erde vermischt.

Für die Regenwürmer, Tausendfüßler, Käfer und viele andere Bodenlebewesen ist das neue Nahrung, die sie zu fruchtbarem Boden verwandeln.

Ein Bett fürs Kornfeld

In einem zweiten Schritt wird das "Saatbett" bereitet: der Boden wird für die Aussaat vorbereitet. Dazu wird die obere Bodenschicht mit einer Egge aufgelockert und anschließend wieder etwas angedrückt. Dabei entsteht ein feinkrümeliger Boden mit kleinen Zwischenräumen, über die der Boden und die Bodenlebewesen mit Luft und Wasser versorgt werden.

Der richtige Zeitpunkt

Winterweizen kann ziemlich spät im Jahr gesät werden - in der Regel bis Mitte Oktober, manchmal sogar noch etwas später.

Mit der Sämaschine werden in regelmäßigem Abstand feine, etwa ein bis drei Zentimeter tiefe Rillen in den Boden gezogen. In diese Spur fällt das Saatkorn. Am Ende der Sämaschine befinden sich noch kleine Metallstangen, die über den Boden streichen und dabei die Rillen wieder mit Erde zuschütten.

Nun ist die Saat im Boden, die Körner sind von allen Seiten mit Boden umgeben. So können sie nicht so leicht von den Saatkrähen oder Tauben gefressen werden. Auf einem Quadratmeter werden etwa 300 bis 400 Getreidekörner ausgesät.

Los geht's!

Die Samenkörner nutzen die feuchten Herbsttage zum Keimen. Zuerst bildet sich eine kleine Keimwurzel und winzige Seitenwurzeln, über die das Getreidekorn im Boden verankert wird. Die Wurzeln ermöglichen die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen aus dem Boden.

Dann entwickelt sich ein längliches "Keimblatt", später kommen weitere Blätter dazu. Die Pflanzen sehen jetzt aus wie kleine Grasbüschel. Kein Wunder, denn Winterweizen gehört ebenso wie andere Getreidearten zu der Pflanzenfamilie der Gräser.

Winterschlaf

Während des Winters wachsen die Pflanzen nicht weiter. Diese Phase nennt man Winterruhe. Die jungen Weizenpflanzen können Temperaturen bis minus 20 Grad ertragen. Und die Winterformen der Getreide können den Frost nicht nur aushalten, sondern brauchen ihn sogar: Ohne den Kältereiz würden sie im darauf folgenden Sommer keine Ähren und Körner ausbilden.

Hier siehst du die jungen Weizenpflanzen in Reihen stehen. Im weiteren Wachstum bilden die Pflanzen ein bis zwei Seitentriebe aus. Die Ausbildung der Seitentriebe nennt man Bestockung. Beim Winterweizen setzt die Bestockung in der Regel im Frühjahr ein.

Frische Kraft im Frühjahr

Sobald es im Frühjahr wärmer wird, beginnen nicht nur die Bodenlebewesen wieder zu arbeiten, sondern auch die Pflanzen beginnen, schnell zu wachsen.

Nach der Bestockung wachsen vor allem erst einmal die Halme ziemlich schnell in die Höhe. Die Pflanzen "schießen" nach oben, das wird auch "Schossen" genannt.

Damit der Weizen besser wächst, wird er manchmal im Frühjahr noch zusätzlich gedüngt. In der Biolandwirtschaft verwendet man dafür Naturdünger wie Mist oder Gülle.

Unkraut vergeht nicht?

Im Frühjahr beginnen nicht nur die Getreidepflanzen zu wachsen, sondern auch die Unkräuter. Wenn zwischen den Getreidepflanzen zu viel Unkraut wächst, muss es entfernt werden, da die Getreidepflanzen sonst in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.

Das Unkraut wird meist mit einem Striegel entfernt. Das ist ein Gerät mit feinen Zinken, die über den Boden gezogen werden und dabei den Boden anritzen. Dadurch werden die kleinen Unkrautpflänzchen aus dem Boden herausgerissen und vertrocknen oder sie werden mit Erde zugeschüttet, sodass ihnen das Licht zum Wachsen fehlt. Die Getreidepflanzen, die schon etwas weiter entwickelt und fester im Boden verankert sind, bleiben stehen.

Ährenschieben

Während des Längenwachstums der Halme haben sich im Inneren des Halms bereits weitere Blätter und die Ähre, d.h. der Blütenstand der Getreidepflanze, entwickelt. Schon bald kann man beobachten, wie die Ähre langsam aus dem Halm herausgeschoben wird. Diese Phase wird auch "Ährenschieben" genannt.

Die Körner füllen sich

An jeder Ähre entwickeln sich zahlreiche kleine Blütchen. Aus diesen Blütchen entwickeln sich die Getreidekörner. Solange die Pflanzen grün sind, sind die Körner noch milchig und weich. Die Pflanze lagert viele Nährstoffe wie Kohlenhydrate und Eiweiße in die Körner ein. Im weiteren Verlauf reifen die Pflanzen und die Getreidekörner immer weiter ab. Die Pflanzen werden gelblich und die Körner werden härter.

Ist das Korn reif?

Goldgelb steht jetzt der Weizen auf dem Feld. Das Getreide ist erntereif, wenn die Ährenteile brüchig werden und die Körner ganz hart sind. Jetzt lösen sie sich auch leicht von den Ähren. Um den besten Zeitpunkt für die Ernte zu erwischen, kann der Feuchtigkeitsgehalt des Korns mit einem Messgerät geprüft werden.

Der Mähdrescher kommt

Geerntet wird mit einem Mähdrescher.

Der Mähdrescher hat vorne ein Schneidwerk, mit dem die Getreidehalme abgeschnitten werden. Von dort werden sie ins Innere der Maschine zur Dreschtrommel befördert. Dort wird das Getreide gedroschen. Dabei fallen die Körner aus den Ähren. Das Stroh wird im Inneren des Mähdreschers weiter transportiert und am Ende des Mähdreschers wieder ausgespuckt. Die Getreidekörner werden mit Hilfe von Sieben und Luftgebläse von den anderen Pflanzenteilen getrennt und dann im Korntank gesammelt.

Entladen des Korntanks

Wenn der Korntank voll ist, wird das Getreide über ein langes Rohr auf einen Anhänger geladen. Das geerntete Korn wird nun zum Hof, zum Händler oder zur Mühle transportiert, wo es zur Lagerung in ein Silo geschüttet wird.

Wie man sich bettet...

Auf dem Stoppelfeld bleibt das Stroh liegen. Es muss meist noch etwas trocknen, bevor es zu Ballen gepresst wird (auf dem Bild sieht man noch Kleeuntersaat).

Das Stroh wird in der biologischen Landwirtschaft beispielsweise als Einstreu in den Tierställen benutzt, damit es sich die Tiere auf weich gepolsterten Liegeflächen bequem machen können. Wenn es nicht als Einstreu für die Tiere gebraucht wird, häckselt der Mähdrescher es so klein, dass es nach der Ernte gleich mit einem Grubber oder Pflug in den Boden eingearbeitet werden kann.

Volles Korn

Der geerntete Weizen kann als Futter für die Tiere verwendet werden. Oder eben zu Mehl gemahlen und zu Kuchen, Brötchen oder Brot gebacken werden - Mmmh lecker.

Und hier kannst du sehen, wie Getreide zu leckerem Brot verarbeitet wird.

Schulwettbewerb "ECHT KUH-L!"

Echt KUH-L Grafik

"Klima. Wandel. Landwirtschaft. – Du entscheidest!"

 

"Echt kuh-l"

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