Ökologische Schweinehaltung

Schweinehaltung im ökologischen Landbau

Schweine sind dumm, dreckig und stinken, oder? Warum sonst sollten sich "Schwein", "Sau" oder "Ferkel" als beliebte Schimpfwörter durchgesetzt haben? Schauen wir uns die Tiere einmal genauer an, lernen wir sie als neugierige, saubere und intelligente Tiere kennen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass sie ihr "arteigenes Verhalten" auch ausleben können. Dafür bietet die ökologische Tierhaltung bestmögliche Bedingungen.

Biobäuerinnen und –bauern, die Schweine halten, müssen sich an die in den sogenannten "Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau" festgelegten Regeln halten. Ob sie das auch wirklich tun, kontrolliert mindestens einmal jährlich eine zugelassene Kontrollstelle.

Wilde Hausschweine

"Sauwohl" fühlen sich Schweine vor allem dann, wenn sie sich möglichst so verhalten können, wie sie es von Natur aus auch tun würden. Da das Verhalten unserer Hausschweine dem seiner Vorfahren, den Wildschweinen, sehr ähnlich ist, lohnt sich hier ein kurzer Blick auf die Schweine in freier Wildbahn. 

Wildschweine sind sozial lebende Tiere. Sie leben in Familiengruppen. Diese bestehen aus mehreren weiblichen Schweinen, den Bachen, und ihren Jungen, den Frischlingen.

Wildschweine verbringen sehr viel Zeit mit der Nahrungssuche im Wald oder auch, zum Ärgernis mancher Landwirtinnen und Landwirte, auf dem Feld. Als Allesfresser steht bei ihnen sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung auf dem Speiseplan. Mit ihrem hervorragend funktionierenden Riechorgan, dem Rüssel, wühlen sie in der Erde nach Eicheln, Bucheckern, Pilzen, Wurzeln, Insektenlarven, Würmern, Mäusen und Maulwürfen. Aber auch Mais, Hafer, Weizen oder Kartoffeln mögen sie gerne.  

Wildschweine lieben es, sich im Schlamm zu suhlen. Das ist auch wichtig für ihre Körperpflege. Da Schweine keine Schweißdrüsen haben und daher nicht schwitzen können, um so ihre Körpertemperatur zu regulieren, kühlen sie sich an warmen Tagen mit einer Suhle im Schlamm ab. Aber auch lästige Parasiten wie Flöhe und Zecken lassen sich über den angetrockneten Schlamm am nächstbesten Baumstamm wunderbar abscheuern. Dabei bevorzugt das Wildschwein, der rauen Rinde wegen, Nadelbäume.

Artgerechte Schweinehaltung

Diesen angeborenen Verhaltensweisen, die auch heute noch unser Hausschwein prägen, versucht man in der ökologischen Schweinehaltung annähernd gerecht zu werden. So gehören viel Tageslicht, eine natürliche Belüftung und Auslauf zu den Grundvoraussetzungen in der ökologischen Schweinehaltung. 

Um dem sozialen Charakter der Schweine gerecht zu werden, müssen Schweine in Gruppen gehalten werden. Außerdem müssen Biobäuerinnen und -bauern ihren Schweinen genügend Auslauf ermöglichen, eventuell in Verbindung mit einer Weidefläche. Denn auch unser Hausschwein hat noch einen ausgeprägten Bewegungsdrang und suhlt sich sehr gern im Schlamm. Neben der Regulierung der Köpertemperatur und der Reinigung, schützt der Schlamm die Haut des im Vergleich zu seinem wilden Artgenossen nur noch dünn behaarten Hausschweins vor Sonnenbrand.

Die Größe der Ställe und Auslauffläche ist gesetzlich festgelegt und abhängig von der Nutzung und dem Gewicht der Schweine. Dass Schweine von Natur aus sehr saubere Tiere sind, zeigt sich insbesondere dann, wenn sie genügend Platz zur Verfügung haben. Dann gliedern sie ihren Lebensraum nämlich in einen Schlaf-, Fress- und Toilettenbereich.

Eine trockene, mit Stroh eingestreute Liegefläche ist im Bio-Stall Pflicht. Das Stroh macht die Liegefläche bequem. Außerdem können die Schweine ihrem natürlichen Bedürfnis nachgehen und mit ihrem Rüssel im Stroh wühlen.

Schweine sind Allesfresser

Als Allesfresser lieben Schweine die Abwechslung im Futtertrog. Das Grundfutter besteht meist aus Getreideschrot oder aus Kartoffeln. Die Schweine mögen aber auch frisches Gras und Reste aus dem Gemüsebeet. Im Biobetrieb sind oft auch Erbsen oder Ackerbohnen - sogenannte Saubohnen - mit dabei. 

Bioschweine fressen natürlich Biofutter, dass möglichst vom selben Betrieb stammt oder von anderen Betrieben aus der Region. Ein geringer Anteil von fünf Prozent des Futters darf, wenn es in Bioqualität nicht erhältlich ist, auch aus konventioneller Erzeugung stammen. Raufutter in frischer, getrockneter oder silierter Form muss auch auf den Ernährungsplan eines Bioschweins. Heu, Stroh, Silage oder Grünfutter sättigen durch ihre sperrige Struktur sehr gut. Und satte Schweine gehen wie satte Menschen entspannter mit ihren Artgenossen um. Über mindestens 40 Tage säugen Muttersauen auf einem Biobetrieb ihre Ferkel. Die Muttermilch enthält Antikörper und schützt die Ferkel so beispielsweise vor Durchfallerkrankungen. 

Als "Schwein" bezeichnet zu werden, kann man - nach allem was man über diese Tiere nun weiß - wohl kaum als Beleidigung auffassen. Sie sind weder dreckige noch dumme Tiere. Schweine werden ganz einfach unterschätzt.

Die Verhaltensweise der heutigen Hausschweine und seiner Vorfahren, den Wildschweinen sind sich sehr ähnlich. Schweine sind gesellige Tiere, suhlen sich gern im Schlamm und wühlen mit ihrem Rüssel nach Futter. Diesen natürlichen Bedürfnissen des Schweins versucht man in der ökologischen Tierhaltung gerecht zu werden.


Letzte Aktualisierung 26.04.2016

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