Fachinfos zum Einstieg

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Welche rechtlichen Vorschriften gibt es?

Weinbaubetriebe, die ökologisch produzieren möchten, müssen nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau arbeiten.

Seit 1991 gibt es auf europäischer Ebene einheitliche Vorschriften für ökologisch erzeugte Trauben (EG-Öko-Verordnung 2092/91), welche unter anderem die Verwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln regeln und die Kontrollen festlegen. Seit Einführung der EU-Öko-Verordnung 2092/91 ist die zuvor verbandsintern durchgeführte Kontrolle nun vom Gesetzgeber reguliert. Staatlich akkreditierte Kontrollstellen führen unabhängig Kontrollen durch und können die Betriebe zertifizieren. Aber auch Verbände zertifizieren ihre Mitglieder. So stellen die Verbände eine doppelte Kontrolle sicher und garantieren somit sehr hohe Qualitätsstandards.

Seit 2012 sind auf europäischer Ebene nun auch die  Richtlinien zur Ökoweinbereitung / Kellerwirtschaft festgelegt bzw. geregelt. Den aktuellen Verbandsrichtlinien sind heute (Stand 2013) die EU-Basisverordnung über die ökologische Produktion und Kennzeichnung von ökologischen Erzeugnissen (EG) Nr.834/2007 und deren Durchführungsbestimmungen (EG) Nr. 889/2008 sowie die Durchführungsbestimmungen (EU) Nr. 203/2012 zugrunde gelegt.

Welche Verbände gibt es für den Bioweinbau?

Die meisten Ökowinzer in Deutschland sind in Verbänden des ökologischen Landbaus organisiert. Diese Verbände vergeben ihr Logo auf Grundlage der jeweiligen Verbandsrichtlinien. Deren Einhaltung wird von unabhängigen Kontrollstellen regelmäßig überprüft. Sind die Richtlinien erfüllt, werden die Mitgliedsbetriebe und deren Produkte zertifiziert – das bedeutet, dass das Warenzeichen des jeweiligen Verbandes verwendet werden kann. Während einige Verbände bundesweit (zum Beispiel Biokreis und Bioland) oder sogar weltweit (zum Beispiel Demeter und Naturland) vertreten sind, haben andere eher regionale Bedeutung (zum Beispiel Gäa und der Verbund Ökohöfe e. V).

Dabei fordern die  ökologischen Anbauverbände eine Gesamtumstellung des Betriebes. Eine Parallelproduktion (konventionell/ökologisch) ist nicht erlaubt. Hiermit möchten sie eine einwandfreie ökologische Qualität garantieren.

Neben der Möglichkeit das Verbandslogo bei der Vermarktung zu nutzen, bieten die Verbände eine Reihe von Dienstleistungen an, die einem Winzer helfen, erfolgreich im Markt für ökologische Produkte zu agieren. Diese Angebote umfassen je nach Verband beispielsweise Einführungskurse und Fachseminare, individuelle Umstellungsberatung, das Bereitstellen von Werbemitteln für die Direktvermarktung, Hilfe und Beratung bei der Beschaffung von Betriebsmitteln sowie Unterstützung beim Vertrieb des ökologischen Weines.

Welche Prinzipien liegen dem ökologischen Weinbau zugrunde?

Der Bundesverband ökologischer Weinbau hat 1985 die wesentlichen Ziele des ökologischen Weinbaus formuliert, die heute allgemein für den Ökoweinbau gelten:

  • Erhaltung und Steigerung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch geeignete Kulturmaßnahmen und die Unterlassung aller Maßnahmen, wie die Anwendung chemisch-synthetisierter Dünger, die diesem Ziel widersprechen.
  • Erziehung gesunder, widerstandsfähiger Pflanzen ohne Einsatz von Herbiziden, chemisch-synthetischen Insektiziden und organischen Fungiziden.
  • Förderung und Mehrung der Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt im Ökosystem Weinberg.
  • Verwendung schadstoffarmer Rohstoffe und Abfälle.
  • Reduzierung der Gewässer- und Bodenbelastung (zum Beispiel durch Nitrate, Phosphate und Pflanzenschutzmittel).
  • Ablehnung genmanipulierter Pflanzen (Reben, Begrünungspflanzen).
  • Schaffung einer sicheren Existenz auf der Basis befriedigender Lebensbedingungen.

Wie kann ein intaktes Ökosystem im Weinberg aufgebaut und erhalten werden?

In den hochspezialisierten Weinbaubetrieben ist die viehlose Landbewirtschaftung die Regel. Bei der Bewirtschaftung des Weinbergs werden daher Leguminosen eingesetzt, die mit Hilfe von symbiontischen Bakterien Luftstickstoff binden. Dieser steht dann nach bedarfsgerechter Bodenbearbeitung den Reben zur Verfügung. Erlaubt sind zudem organische Wirtschaftsdünger aus anderen landwirtschaftlichen Betrieben und organische Handelsdünger, die neben Stickstoff auch organische Masse in den Weinberg bringen.

Damit der gewonnene oder mit organischer Masse zugeführte Stickstoff im Ökosystem Weinberg gehalten wird, werden verschiedene Maßnahmen durchgeführt.

  • Der Weinberg wird über Winter ganzflächig begrünt, um eine Auswaschung außerhalb der Vegetationsperiode der Rebe zu verhindern. Die Begrünungspflanzen binden im Boden verfügbaren Stickstoff in ihrer organischen Masse und stellen ihn nach einem Umbruch im Frühjahr der Rebe zum Wachstum bedarfsgerecht zur Verfügung.
  • Die Einsaat von Leguminosen ist ein wichtiger Bestandteil des ökologischen Weinbaus. Diese werden gezielt mit Begrünungsmischungen in die Weinberge eingesät und gepflegt.
  • Eine offene Bodenbearbeitung, die humuszehrend ist und damit den Verlust von organisch gebundenem Stickstoff fördert, wird weitgehend vermieden.
  • Durch das Verbleiben des Rebschnittholzes im Weinberg, Rückführung des Tresters nach der Pressung und die Ausbringung des Trubes und der Hefe nach der Weinbereitung bleibt der Entzug von Stickstoff durch die Ernte sehr gering.

Welche Pflanzenschutzmittel dürfen im Ökoweinbau verwendet werden?

Der Pflanzenschutz im Ökoweinbau unterscheidet sich in einigen Punkten von den Maßnahmen im konventionellen Weinbau: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel sind grundsätzlich verboten. Um ohne diese Pflanzenschutzmittel Schaderreger unterhalb der wirtschaftlichen Schadschwellen zu halten, muss das gesamte System mit seinen vielfältigen Wechselwirkungen von Standort, Klima und pflanzenbaulichen Maßnahmen betrachtet werden. Wenn alle Kulturmaßnahmen wie Standort-, Sortenwahl, Bodenbearbeitung und Düngung optimal gewählt werden, wird die Pflanzengesundheit gefördert, was ein Baustein in der Gesunderhaltung der Weinberge ist.

Da im Weinbau in der Regel mit anfälligen Rebsorten gearbeitet wird, kann auf Pflanzenschutz nicht verzichtet werden, Im ökologisch wirtschaftenden Betrieb werden neben Pflanzenstärkungsmitteln auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt.. Welche Wirkstoffe hier zugelassen sind, regelt Anhang II der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Dieser Anhang stellt eine Positivliste dar, das heißt, nur was in dieser Liste geführt ist, ist erlaubt, alles andere verboten.

Was kann gegen tierische Schaderreger unternommen werden?

Die Nützlingsschonung spielt bei der Bekämpfung tierischer Schaderreger im Weinbau eine große Rolle. So werden die meisten Schadmilben durch die natürlich vorkommende Raubmilbe ausreichend unter der Schadschwelle gehalten. Andere Schaderreger wie der Traubenwickler müssen in der Regel direkt bekämpft werden. Hier kommen entweder natürliche Insektizide (wie Bacillus thuringiensis) zum Einsatz oder das bio-technische Verfahren der Pheromonverwirrung.

Auch die Förderung und Schonung natürlicher Biotope spielt hier eine wichtige Rolle. Hecken, Blühstreifen etc. dienen vielen Nützlingen als Nist- und Futterstellen und helfen so diese in der Anlage anzusiedeln.

Welche Methoden zur Beikrautregulierung dürfen durchgeführt werden?

Ebenso wie beim Pflanzenschutz hat Vorbeugung bei der Beikrautregulierung oberste Priorität. Starke Verkrautung durch einzelne Beikrautarten haben häufig ihre Ursache in der falschen Bewirtschaftung. Deshalb gilt es, insbesondere durch eine durchdachte Begrünungsstrategie in Verbindung mit einer sorgfältig gewählten Bodenbearbeitung dem massenhaften Auftreten von Beikräutern entgegenzuwirken. Das Beikraut soll auf ein akzeptables Maß gebracht werden, von dem keine übermäßige Beeinträchtigung der Kulturpflanzen, der Ernte- und Pflegemaßnahmen ausgeht. Man spricht deshalb auch von Beikrautregulierung anstatt von Unkrautvernichtung.

Die Beikrautregulierung im Zwischenstockbereich erfolgt in der Regel mechanisch mit der Pflugscheibe, dem Flachschar, Bürsten und in einigen Fällen auch thermisch durch Abflammgeräte.

Wie kann die Bodenfruchtbarkeit erhalten und gesteigert werden?

Der Boden dient der Pflanze nicht nur als Standort, sondern nimmt durch die in ihm ablaufenden biologischen Ab-, Um- und Aufbauprozesse die zentrale Stellung für ihre Ernährung und Gesundheit ein. Das Bodenleben baut die Abfallprodukte pflanzlicher und tierischer Erzeugung ab und macht so die darin enthaltenen Nährstoffe für die Pflanze verfügbar. Dreh- und Angelpunkt dieser Prozesse ist der Humus beziehungsweise die gesamte organische Substanz des Bodens. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch von Humuswirtschaft.

Um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu steigern, muss eine vielseitige Fruchtfolge, die ausreichende Versorgung mit organischem Material und eine sorgfältige, schonende Bodenbearbeitung zum optimalen Zeitpunkt gewährleistet sein. Da wechselnde Fruchtfolgen bei der Dauerkultur der Reben nicht möglich sind, wird über eine artenreiche Begrünung des Weinbergs das Ziel der Bodenfruchtbarkeit erreicht.  Der Biowinzer/die Biowinzerin wählt die Begrünungspflanzen entsprechend den Ansprüchen des Weines. Stickstoffanreicherung, Bodenlockerung, Humuszufuhr, Nährstoffmobilisierung, Beikrautkontrolle und die Förderung eines Abwehrpotentials gegen Schädlinge und Krankheiten werden dabei berücksichtigt.

Die Kontrolle der Bodenfruchtbarkeit kann mit einer einfachen Spatenprobe vorgenommen werden. Die wichtigsten Kennzeichen der Bodenfruchtbarkeit sind sein Strukturzustand, mögliche Verdichtungen sowie die Feuchte- und Wurzelverteilung.

Wozu dienen Leguminosen bei der Begrünung?

Leguminosen nehmen bei der Begrünung eine besonders wichtige Stellung ein, da sie den für die Bodenfruchtbarkeit und das Pflanzenwachstum notwendigen Stickstoff in den Boden bringen. Zu dieser Pflanzenfamilie gehören beispielsweise Bohnen, Erbsen, Lupinen oder Klee. Leguminosen können mit Hilfe von Bakterien in Knöllchen an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. Gleichzeitig lockern sie den Boden und dienen als Gründüngung.

Gibt es spezielle Sorten, die im ökologischen Weinbau verwendet werden?

Die Sortenwahl für den ökologischen Weinbau orientiert sich wie auch im konventionellen Bereich vorwiegend an Vermarktungs- und Qualitätsaspekten, aber auch die Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten und Insektenbefall, das am Standort vorzufindende Kleinklima sowie der Boden sind mitentscheidend.

Spezielle pilzwiderstandsfähige Sorten ("Piwi") spielen im ökologischen Weinbau eine Rolle, da sie aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit gegen echten und falschen Mehltau selten gespritzt werden müssen.

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