Bildung und Beratung


Hintergrundinformationen

Der Wirtschaftsaufschwung und die technischen Fortschritte nach Ende des zweiten Weltkriegs führten zu einer Intensivierung und Spezialisierung der tierischen Erzeugung in Deutschland. Die Verbrauchergewohnheiten und Kundenwünsche in Bezug auf Fleisch und Fleischwaren änderten sich bedeutsam, sodass immer häufiger Erzeugnisse mit hohem Magerfleischanteil und geringer Verfettung nachgefragt wurden.

Dies hatte die Zucht "neuer" Rassen und Linien mit höheren Zuwachs-, Milch- und Legeleistungen zur Folge. Diese Entwicklung ist der Grund für den geringeren ökonomischen Nutzen, die verminderte Bedeutung und schließlich auch für den Gefährdungsstatus alter Nutztierrassen. Viele alte und regional bedeutsame Rassen wurden daher trotz ihrer Angepasstheit an Klima, Landschaft und Futtergrundlage von den leistungsfähigeren Rassen zurückgedrängt. Sie sind selten geworden und werden teilweise bereits als "vom Aussterben bedrohte Rassen" bezeichnet.

Ein viel versprechender Weg, alte und selten gewordene Nutztierrassen zu schützen ist, sie ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend zur Erzeugung von Lebensmitteln wie Eiern, Milch und Fleisch zu nutzen. Auf diese Weise können wertvolle genetische Ressourcen erhalten und dem unwiederbringlichen Verlust kulturellen und genetischen Gutes vorgebeugt werden.

Sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene gibt es daher zahlreiche Einrichtungen und Programme, die die Lebenderhaltung einer breiten Vielfalt heimischer tiergenetischer Ressourcen aktiv durch die Kontrolle und Beobachtung (Monitoring) der Bestandsentwicklung unterstützen. In Deutschland übernimmt diese Aufgabe vor allem die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH). Auch helfen viele Bauernhöfe, aber auch Zoos und Nutztierparks bei der Erhaltung alter und gefährdeter Rassen. Sie sind als Arche-Höfe bekannt und im gesamten Bundesgebiet verteilt.

In den vergangenen Jahren haben sich die Neigungen der Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zum Kauf von Nahrungsmitteln jenseits der etablierten Massenware verstärkt. Dies bietet den Fleischereibetrieben die Chance, neue Marktnischen zu erschließen und gleichzeitig einen Beitrag zur Erhaltung seltener Nutztierrassen zu leisten. Die nachfolgende Unterrichtseinheit will dazu beitragen, diese Chancen häufiger als bisher zu nutzen.

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