Initiative "Arche Noah"

Eine Arche Noah f├╝r alte Sorten

Die Vielfalt der Nahrungs- und Futterpflanzen ist seit dem Aufkommen der industriellen Pflanzenz├╝chtung dramatisch geschrumpft. Die jahrtausendealte Praxis, eigenes Saatgut zu vermehren und mit anderen auszutauschen, kam in wenigen Jahrzehnten zum Erliegen. Dabei schlummert in der Vielfalt der Nutzpflanzen ein ÔÇô aus heutiger Sicht ÔÇô noch unsch├Ątzbarer Wert f├╝r die Zukunft: Regionale Sorten bieten interessante Potenziale f├╝r die l├Ąndliche Entwicklung und regionale Wertsch├Âpfung, sind Teil des kulturhistorischen Erbes, entsprechen Verbraucherw├╝nschen und liefern wichtige genetische Ressourcen f├╝r die Anpassung an den Klimawandel.

Sammlung von Saatgut und Wissen

Um dem dramatischen Schwund entgegen zu wirken, gr├╝ndeten engagierte G├Ąrtnerinnen und G├Ąrtner 1990 in ├ľsterreich den gemeinn├╝tzigen Verein Arche Noah. Sein Ziel ist es, alte und gef├Ąhrdete Nutzpflanzen sortenrein und biologisch zertifiziert zu erhalten, systematisch weiter zu entwickeln und das Wissen dar├╝ber interessierten Personen zug├Ąnglich zu machen. Der zun├Ąchst kleine Keim dieser Bewegung wuchs zu einem gro├čen und vielverzweigten Netzwerk: 16.000 Mitglieder ÔÇô auch aus Deutschland und der Schweiz ÔÇô z├Ąhlt inzwischen das Vereinsregister. Jedes Jahr kommen etwa zehn Prozent neue Mitglieder hinzu. Insgesamt umfassen das Samenarchiv und die Obst- und Kartoffelsammlungen ├╝ber 6.000 Kulturpflanzen.

Zum Schatz der Arche Noah geh├Âren:

  • 4.500 Gem├╝sesorten und -herk├╝nfte
  • 1.100 landwirtschaftliche Kulturen
  • 400 Sorten an Kr├Ąuter-, Zier- und Heilpflanzen
  • 170 Kartoffelsorten und -herk├╝nfte
  • 365 Obstsorten

Nutzung erh├Ąlt genetische Vielfalt

Dabei gen├╝gt es nicht, ein Sortiment an Samen einfach nur zu konservieren. Denn je nach Kultur und Lagerbedingungen verlieren die Samen im Laufe der Zeit ihre Keimf├Ąhigkeit. Sie m├╝ssen deshalb immer wieder ausgebracht, vermehrt und neu archiviert werden. Deshalb setzt Arche Noah darauf, die Vielfalt "on farm" oder "in garden" zu erhalten. Dabei verfolgt der Verein unterschiedliche Strategien: Rund 400 Personen vermehren in ihren privaten G├Ąrten eine oder mehrere Sorten und stellen anderen ÔÇô auch dem Samenarchiv ÔÇô wieder Saatgut zur Verf├╝gung. Zudem kooperiert Arche Noah mit weiteren Projekten wie etwa dem Projekt "Bauernparadeiser". Rund 15 Gartenbau- und Landwirtschaftsbetriebe produzieren dar├╝ber hinaus sortenreines Biosaatgut in gr├Â├čerem Umfang. Die├╝ber 170 Kartoffelsorten m├╝ssen jedes Jahr neu angebaut werden, da sie sich nicht ├╝ber Samen vermehren lassen.

Die Menschen mit ins Boot holen

"Wir m├Âchten den Leuten den Mut geben", so Mara M├╝ller von Arche Noah, "selbst Sorten und Herk├╝nfte zu erhalten und sich untereinander zu vernetzen". Durch diesen gemeinschaftlichen Ansatz stellt sich die inzwischen gar nicht mehr so kleine Initiative gegen das Monopol der gro├čen Saatgutkonzerne. "├ťber Jahrtausende haben Menschen Saatgut gewonnen, entwickelt und mit anderen ausgetauscht", so der stellvertretende Gesch├Ąftsf├╝hrer Bernd Kajtna. "Wir wollen die Kultur der gemeinschaftlichen Erhaltung genetischer Ressourcen neu aufbl├╝hen lassen und auf eine breitere Basis stellen."

Wissen auss├Ąen

Um Wissen und alte Sorten unter die Menschen zu bringen, betreibt der Verein im nieder├Âsterreichischen Schiltern einen umfangreichen Schaugarten. "Man braucht einen Ort", so Mara M├╝ller, "an dem die Menschen die Vielfalt erleben, selbst riechen und verkosten k├Ânnen." Jedes Jahr findet dort am 1. Mai ein gro├čer Pflanzentauschmarkt mit 5.000 bis 6.000 Besucherinnen und Besuchern statt. Zudem organisiert der Verein gut besuchte Kurse f├╝r Mitglieder und andere interessierte Personen rund um das Thema "Alte Sorten". ├ťber einen Onlineshop kann biologisches Saatgut von seltenen und samenfesten Gem├╝sesorten und Kr├Ąutern bezogen werden. Ein neuer Baustein im Konzept von Arche Noah sind die regionalen Erhaltungstreffen. Interessierte Menschen k├Ânnen sich dort austauschen, Wissen und Erfahrungen teilen und sich an Bord der Arche Noah zu neuen Ufern aufmachen.


Letzte Aktualisierung 11.12.2019

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