Biowein ernten und erleben

Biowein ernten und erleben

Nat├╝rlich l├Ąsst sich der ├Âkologische Rebensaft bequem auf dem Sofa genie├čen. Doch wer wirklich wissen will, wie Biowein entsteht, kann im Herbst bei der Lese mithelfen. Einen Tag lang Biowinzerin oder Biowinzer zu sein, ist ein echtes Erlebnis. Das schaffen auch Laien.

Zugegeben stundenlang am steilen Hang stehen und Trauben pfl├╝cken, danach den schweren Korb zur Sammelstelle schleppen - so eine Weinlese per Hand ist kein Honigschlecken. Trotzdem war die Verbraucherin Sonja Lukenda begeistert. Eine ganze Woche hat die Stuttgarterin auf dem Bioland Weingut Stritzinger in Klingenberg am Main mitgeholfen. Die Idee dazu, geisterte ihr schon l├Ąnger im Kopf herum, eine beim ├Âkologischen Anbauverband gewonnene Weinlesewoche machte es m├Âglich: "Ich wollte immer gerne wissen, wie die Traube in die Flasche kommt, welche Schritte ein Wein durchl├Ąuft, bis wir ihn kaufen k├Ânnen." Als aktive Food-Bloggerin besch├Ąftigt sich die 29-J├Ąhrige schon seit Jahren intensiv mit Lebensmitteln. "Besonders interessieren mich die Herstellungsweisen und Verarbeitung von Lebensmitteln, die nicht industriell hergestellt und hochgradig industriell verarbeitet sind. Dazu passt die Weinlese bei einem Biobetrieb sehr gut."

Erlebnisse im Weinberg und Keller

Vor allem Winzerinnen und Winzer mit Direktvermarktung erm├Âglichen ihrer Kundschaft im Weinberg mitzuhelfen. So bietet beispielsweise das rheinhessische Spitzenweingut Br├╝der Dr. Becker im September ein Weinerlebniswochenende an. Auf dem Programm des Demeter Betriebes stehen frische Trauben pfl├╝cken und kosten, den R├╝cken beugen und danach in Keller und Kelter die Weinverarbeitung kennenlernen. Beim fr├Ąnkischen Weingut Familie Stritzinger k├Ânnen Verbraucherinnen und Verbraucher im Rahmen der bayrischen ├ľkoerlebnistage ebenfalls einen Tag lang Weinleserinnen und Weinleser sein. 

Die meisten Biowinzerinnen und Biowinzer machen daraus jedoch kein eigenes Event. Wer ein Weingut in seiner N├Ąhe kennt, kann dort einfach nachfragen. Die Ernte beginnt in der Regel Mitte September. Sonja Lukenda m├Âchte ihre Arbeit im Weinberg jedenfalls nicht missen "Ich wusste guten Wein schon vorher zu sch├Ątzen, aber nach der Weinlese war das definitiv nochmal sehr viel bewusster. Diese Erfahrung sollte jeder Weinliebhaber einmal gemacht haben. Ich werde in jedem Fall auch wieder zur Weinlese gehen, das steht fest."

L├Ąnger und weltweit erntenÔÇŽ

W├Ąhrend sich ein Tag Weinlese relativ spontan erleben l├Ąsst, m├╝ssen richtige Erntejobs meist l├Ąngerfristig geplant sein. In aller Welt Wein und mehr ernten, k├Ânnen Menschen beim WWOOFen. Das Netzwerk World-Wide Opportunities On Organic Farms (WWOOF) vermittelt Freiwilligen Kontakte zu ├Âkologisch arbeitenden Betrieben. Zum Beispiel zum Ecovin Weingut Br├╝hler Hof in Volxheim/Rheinhessen. Hier sind von Januar bis Ende Oktober zupackende Menschen willkommen. "├ťblicherweise bleiben WWOOFer mindestens eine Woche bei uns. Sieben Tage haben sie Kost und Logis frei, vier Tage davon helfen sie im Weinberg", erkl├Ąrt Winzer Hans-Peter M├╝ller. Auch im Weinland Frankreich lassen sich ├╝ber WWOOF France interessierte Betriebe finden. In unserem Nachbarland ist die Weinlese ein beliebter Studentenjob. Alternativ k├Ânnen Interessierte auch auf dem Portal von Work and Travel nach Jobs umschauen. Wer zur europ├Ąischen Weinernte im Herbst keine Zeit hat, kann auf neuseel├Ąndischen Weing├╝tern mithelfen. Dort ist der Mai der Haupterntemonat.   

ÔÇŽoder doch lieber aktiv genie├čen

Aber auch nach und vor der Ernte stehen viele Bioweing├╝ter G├Ąsten offen. Im Herbst und Winter gibt es ├╝berall Verkostungen. Die neuen Jahrg├Ąnge gibt es in Reinkultur zu kosten, aber h├Ąufig auch in Verbindung mit einem guten Essen. Spezielle Sensorikseminare schulen unseren Gaumen. Wer wollte nicht schon einmal wissen, was Weinexpertinnen und Weinexperten aus einem einfach Gl├Ąschen Wein so alles herauslesen k├Ânnen. Im Fr├╝hjahr lassen sich die Winzerinnen und Winzer beim Pflegen der Reben ├╝ber die Schulter schauen. Und im Sommer empfehlen sich Wanderungen durch lebendige Bioweinberge. Bl├╝hende Pflanzen wie Esparsetten, Inkarnatklee und Lupinen sammeln Stickstoff f├╝r die Reben (Gr├╝nd├╝ngung), bieten zahlreichen Insekten eine Heimat und sind eine Augenweide. Verschiedene Reiseanbieter bieten auch mehrt├Ągige Weinwanderdungen oder Radtouren an. Neuerdings gibt es in Zusammenarbeit mit dem auf ├Âkologischen Weinbau spezialisierten Verband Ecovin sogar erste Bioweinreisen. Zum Beispiel in der Pfalz.


Weblinks

Letzte Aktualisierung 06.09.2019

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