Adolphshof

Familiäres Leben und Arbeiten auf dem Adolphshof

Am Tag vor dem Apfelfest bangte das Team vom Adolphshof noch um das Gelingen seiner Veranstaltung. Graue Wolken standen am Himmel und dicke Regentropfen fielen herab. Am Morgen des Festtages machte sich dann Erleichterung breit - wie extra für diesen Tag bestellt, schien die Sonne vom Himmel und versprach einen goldenen Oktobertag. Und den nutzten dann über 2000 Besucher, eine Anzahl, die die Erwartungen der Organisatoren weit übertraf.

Das Apfelfest auf dem Adolphshof in der Nähe von Hannover, einem Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau, wird jedes Jahr als großes Familienfest gefeiert. Bei Kaffee, leckerem Biokuchen und Musik genossen die Besucher sichtlich den tollen Tag, während die Kinder mit Apfelstempeln Taschen bedruckten oder sich beim Filzen ausprobieren konnten. Trotz der vielen Besucher war die Atmosphäre familiär und gemütlich. Das liegt sicherlich an dem freundschaftlichen Miteinander der Bewohner des Adolphshofes aber auch an der Weitläufigkeit und der liebevollen Gestaltung der Hofanlage und der Informationsstände. Wie viele Besucher den Weg zum Adolphshof gewählt hatten, wurde erst bei einem Blick auf den gut gefüllten Auto- und Fahrradparkplatz deutlich.

Streuobstwiese im Mittelpunkt - Jede Blüte hilft

Zum Thema Apfel hatte das Team der Betriebsgemeinschaft Gut Adolphshof ein informatives und unterhaltsames Programm für Groß und Klein organisiert. Vom Apfelbaum bis zum Produkt aus Äpfeln gab es für die Besucher viel zu entdecken. So wurde das Angebot der Pomologin Sabine Fortak, die Sorte der mitgebrachten Äpfel aus dem Garten der Besucher zu bestimmen, rege in Anspruch genommen. Der Mobile Most-Express aus Hildesheim presste vor Ort frischen Apfelsaft zum Mitnehmen. Und wen die Vielseitigkeit der Äpfel endgültig überzeugt hatte, der konnte einen Apfelbaum für den eigenen Garten erwerben.

Dem Namen der Veranstaltung entsprechend waren die Streuobstwiesen mit ihren leckeren Apfelsorten ein Schwerpunkt beim Apfelfest. In den Streuobstwiesen wohnen viele Insekten, die für die Bestäubung der Obstbäume unerlässlich sind. Wie auch schon bei vorangegangenen Veranstaltungen griff das Team vom Adolphshof die diesjährige Gemeinschaftsaktion der Demonstrationsbetriebe "Jede Blüte hilft" auf. Für den ökologisch wirtschaftenden Betrieb ist die Schaffung von ausreichend Blühflächen für Wildbienen - die Blütenbestäuber - selbstverständlich. Wie sehr sich die verschlechterten Lebensbedingungen der Wildbienen durch fehlende Blühflächen auf das gesamte Ökosystem auswirken, machte auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) an seinem Wildbienenstand deutlich. Hier konnte man sich auch darüber informieren, wie leicht sich Nisthilfen für den eigenen Garten bauen lassen.

Viel Spaß hatten die kleinen Besucher beim Apfelquiz und der Apfelrallye, bei denen sie ganz nebenbei viel Wissenswertes rund um die Streuobstwiesen und den Apfel lernten. Die Apfelrallye lud nicht nur die Kinder dazu ein, bei einem Spaziergang das Betriebsgelände des Adolphhofs zu erkunden. Dabei gab es viele Tiere, wie Ziegen, Schafe, Kühe und Schweine zu entdecken. Zudem bot so ein Spaziergang einen interessanten Überblick über das wunderschön angelegte Hofgelände und die lange Geschichte des Adolphshofs.

Geschichtsträchtiger Hof

Malerisch liegt die eindrucksvolle Anlage des Adolphshof etwa 30 Kilometer östlich von Hannover, an der Grenze zwischen Heide und Hildesheimer Börde. Seit dem Jahr 1987 steht sie unter Denkmalschutz und blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Der Weinhändler Siemering aus Hannover erwarb im Jahr 1825 etwa 250 Hektar Brachland und Weide und gründete den Adolphshof. Namensgeber war Adolph von Cambridge, ein Mitglieder des Königshauses von Hannover, der dem Weinhändler einen Teil des Geldes zum Erwerb lieh. Auf dem Gelände zeigen sich die Hinterlassenschaften eiszeitlicher Bodengestaltung in stark wechselhaften Bodenverhältnissen: direkt neben lehmigen Sanden liegen extreme Tonböden.

Wegen der stauenden Tonschichten im Unterboden wurde schon bei der Gründung des Hofes ein damals neuartiges Drainage-System - eine Clayton'sche Tonröhren-Drainage - angelegt. Hierfür wurde hofeigener Ton abgebaut und in der eigenen Ziegelei verarbeitet. Ohne diese Maßnahme wäre auch heute noch eine ackerbauliche Nutzung der Fläche nicht möglich.

Bildungsarbeit ist von Anfang an ein wichtiger Bestandteil des Hofes. Schon im Jahr 1874 wurde eine Schule eingerichtet, die im Jahr 1904 noch einmal erweitert wurde. Etwa 70 Kinder vom Hof und dem Nachbargut wurden hier unterrichtet, bis die Schule im Jahr 1949 aufgelöst wurde.

Vom Gründer des Hofes übernahm im Jahr 1900 die Familie Hartmann aus Hannover den Adolphshof. Sie baute sieben Landarbeiterhäuser und engagierte sich beim Aufbau der Raiffeisen-Genossenschaften und Vermarktungsstrukturen in der Nachbarschaft Peine und Hildesheim.

Vorreiter im ökologischen Landbau

Bereits im Jahr 1952 erfolgte die Umstellung auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise durch Heinrich Hartmann und drei Jahre später die Anerkennung als Demeter-Betrieb. Damit ist der 160 Hektar große Betrieb Gut Adolphshof der älteste ökologisch bewirtschaftete Hof in der Region Hannover.

Landwirtschaft und Naturschutz, Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit - das sind die Stichworte für diesen Landbau. Zum Hof gehört eine umfangreiche Tierhaltung mit Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Auf 48 Hektar werden Luzerne- und Kleegras als eigene Futtergrundlage angebaut. Auch der Dünger stammt ausschließlich aus dem Betriebskreislauf. Auf weiteren rund 48 Hektar wird Getreide wie Weizen, Roggen und Gerste und dazu Wintererbsen angebaut. Zwei Hektar Streuobstwiesen gehören ebenfalls zu der sehenswerten Hoflandschaft.

Als überzeugte Biobauern ist den Betreibern auch die Pflege der Landschaft ein wichtiges Anliegen. Hecken, Teiche, Wald und Wasserläufe, Obstwiesen und -alleen ergeben eine abwechslungsreiche Landschaft, in die Äcker und Weiden eingebettet sind. Das Ergebnis der langjährigen biologisch-dynamischen Bewirtschaftung ist eine große Artenvielfalt.

Die Urproduktion - Getreide, Milch, Fleisch - wird ergänzt um hofeigene Verarbeitung und Vermarktung. Allein in einer eigenen Hofkäserei werden pro Jahr etwa 100.000 Liter Kuhmilch, 20.000 Liter Schafmilch und 30.000 Liter Ziegenmilch zu Köstlichkeiten wie Bauernkäse, Gutskäse, Pecorino, Ziegenfrischkäse, Camembert, Joghurt und Quark verarbeitet. Die hohe Qualität der liebevoll und biologisch hergestellten Leckereien lockt viele Stammkunden in den Hofladen und an die Marktstände auf zehn Wochenmärkten in Hannover und Burgdorf.

Gemeinnütziger Verein aktiv in der Bildungsarbeit

Schon 1995 übertrug die Familie Hartmann den Hof auf den gemeinnützigen Verein Landbau-Forschungsgesellschaft e.V., der sich aus dem Umkreis des Hofes bereits 1981 gegründet hatte. Er verpachtet den Hof an eine Betriebsgemeinschaft und baut die Bildungsarbeit sowie die Förderung sozialer Initiativen aus. Der Verein ist Einsatzstelle für das Freiwillige Ökologische Jahr sowie Bundesfreiwilligendienst und vom Niedersächsischen Kultusministerium als außerschulischer Lernort anerkannt und gefördert. Die Führungen, Projekte und Lehrerfortbildungen zu den Themen Ernährung und ökologische Landwirtschaft werden gerne angenommen. Gut Adolphshof will Besuchern aller Altersstufen einen Eindruck von der lebendigen Vielfalt der ökologischen Landwirtschaft vermitteln und damit die Umweltbildungsarbeit in Schulen und Kindergärten ergänzen. Dafür arbeitet das Team mit Pädagogen und Fachleuten zusammen. Als Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau öffnet der Betrieb gerne seine Türen, um den Besuchern die Besonderheiten der ökologischen Wirtschaftsweise zu veranschaulichen.

Sozialtherapie

Eine Besonderheit des Adolphshof ist die Sozialtherapeutische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die seit 1996 besteht. Auf großes Interesse stießen die Führungen durch die Sozialtherapie während des Apfelfestes. Sie bietet inzwischen 38 Männern und Frauen mit geistiger Behinderung ein Zuhause in familienähnlichen Gemeinschaften und Berufstätigkeit in verschiedenen Werkstätten. Aus dem Geist der Anthroposophie Rudolf Steiners entstand die Idee auf dem Adolphshof einen Lebensort zu schaffen, an dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten und leben und in einer überschaubaren Gemeinschaft mit ihren vertrauten Rhythmen und im Einklang mit dem Jahreslauf das Leben lernen. Das kulturelle Umfeld des Hofes mit künstlerischen Angeboten und gemeinsamen Feiern fördert die Persönlichkeit der Bewohner. Die Arbeit in den Werkstätten, im Garten und in der Käserei stiftet Identität für den Einzelnen, Freizeit fördert Empfinden für die Gemeinschaft: beim Singen und Tanzen, bei Ausflügen und Konzerten, beim Feiern der Jahresfeste, beim gemeinsamen Ausrichten der Hofveranstaltungen. Vier Wohngruppenhäuser sind so nach und nach entstanden, in denen die Bewohner - junge Erwachsene - in familienähnlicher Gemeinschaft zu Hause sind.

Ein historisch gewachsener Bauernhof im klassischen Sinne - das ist der Adolphshof. Als Lern- und Erlebnisort ermöglicht er jedes Jahr vielen Besuchern, sich selbst ein Bild zu machen von den vielfältigen Aufgaben der Landwirtschaft.

Autorin: Sandra Hübner
Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe


Betriebsporträt: Gut Adolphshof

Das Gut Adolphshof liegt in Hämelerwald, östlich von Hannover, an der Grenze zwischen Heide und Hildesheimer Börde. Seit über 50 Jahren wirtschaftet das Gut nach den biologisch-dynamischen Richtlinien von Demeter. 1995 wurde der Hof aus dem Privateigentum herausgelöst und auf die Gemeinnützige Landbauforschungsgesellschaft e. V. übertragen. 2017 geht Gut Adolphshof in die Trägerschaft der HB Stiftung Berneburg über.
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Letzte Aktualisierung 29.11.2011

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