Arche-Hof Schlickenrieder

Arche-Hof Schlickenrieder: Gefährdete Nutztierrassen erhalten

Dass die Tiere auf dem Betrieb der Schlickenrieders die Hauptrolle spielen, sieht und spürt man auf dem Aussiedlerhof am Ortsrand von Otterfing bei München auf Schritt und Tritt: In den Ställen und auf den Weiden tummeln sich Rinder, Schafe und Hühner gefährdeter Nutztierrassen.

Mit den Braunen Bergschafen fing es an

Auf die Idee, sich dem Arche-Projekt der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) anzuschließen, kamen Georg und Anja Schlickenrieder über ihre Schafe. Das in der Region beheimatete Deutsche Braune Bergschaf steht auf der Liste der gefährdeten Nutztierrassen. "Als wir mit der Zucht anfingen, gab es nur noch einzelne Kleinstbestände und keine zum Verkauf", erinnert sich Georg Schlickenrieder. "Also haben wir versucht, über Verdrängungskreuzung mit Weißen und Schwarzen Bergschafen unsere Herde aufzubauen. Nach zwei, drei Jahren war ich schon der größte Braunschafzüchter Deutschlands, hab’ viele Preise gewonnen. Und inzwischen verkaufen wir sogar Zuchttiere in andere Braunschafregionen", berichtet der Landwirt nicht ohne Stolz.

50 Mutterschafe zählt seine Herde von Braunen und den später hinzugekommenen Schwarzen Bergschafen heute. Sie werden, solange es das Wetter erlaubt, auf der Weide gehalten. Früher waren die widerstandsfähigen Tiere auch Lieferanten des begehrten braunen Lodens. Heute lässt sich damit aber nur noch schwerlich Geld verdienen. "Wir haben vor Jahren mal Loden produziert", erzählt Schlickenrieder. Richtig gelohnt hat sich das nicht: "Du konkurrierst mit so einem Naturprodukt gegen weiße Wolle aus Neuseeland oder Australien, die feiner und weicher ist. Es gibt nur wenige, die das ursprüngliche, regionale Produkt zu schätzen wissen", stellt Schlickenrieder nüchtern fest. Aber immerhin hat er selbst zehn Anzüge aus der Wolle seiner Schafe im Schrank. Einkünfte bringt die Schafhaltung vor allem über den Verkauf von Lammfleisch, das die Schlickenrieders ab Hof und in erster Linie an Privatkunden vermarkten.

Murnau-Werdenfelser: Eine Rinderrasse mit besonderen Qualitäten

Mit der Zucht der Braunen Bergschafe erfüllte der Betrieb der Schlickenrieders die Kriterien für die Anerkennung als Arche-Hof. "Wir haben dann auch verstärkt in Richtung Murnau-Werdenfelser gezüchtet", so Schlickenrieder. Die robuste alte Rinderrasse aus Oberbayern steht ebenfalls auf der Roten Liste der GEH. Die semmelblonden, rotbraunen bis schwarzen Tiere mit einem dunklen Rand um die Augen sehen ein bisschen aus wie geschminkt. Früher wurden die genügsamen Murnau-Werdenfelser vor allem als Zugtiere genutzt. Die Modernisierung der Landwirtschaft machte der Rasse fast den Garaus. Dank der Initiative einiger engagierter Züchter hat sich der Bestand inzwischen aber erholt.

Unser Futter gibt dem Fleisch einen besonders intensiven Geschmack.

Ein Großteil der Murnau-Werdenfelser auf dem Arche-Hof Schlickenrieder sind Milchkühe, aber es gibt auch Tiere vom Angler Rind alter Zuchtrichtung, Fleckvieh und Fjällrind. "Meine Frau wollte gerne eine bunte Herde", erklärt Schlickenrieder mit einem Augenzwinkern. Ihre Milchkühe halten die Schlickenrieders von Mai bis Dezember auf der Weide. Die weiblichen Jungtiere der Murnau-Werdenfelser verstärken die Milchviehherde, die männlichen werden gemästet. Das Fleisch ist von ganz besonderer Qualität, was sich auch auf die Fütterung zurückführen lässt: "Unsere Masttiere bekommen keine Silage und zum Ende der Mastzeit nur noch Heu. Das verringert den Wassergehalt im Fleisch und gibt ihm einen besonders intensiven Geschmack." Und das kommt gut an: Die Schlickenrieders informieren ihre Kunden per Newsletter über anstehende Schlachtungen, die dann "im Windhundverfahren" Fleisch vorbestellen. Ein Teil des Fleisches wird auch an den "Pschorr", ein Wirtshaus am Münchner Viktualienmarkt, geliefert. Darüber hinaus servieren die Schlickenrieders ihre Fleischspezialitäten den Gästen auf dem Hof bei Familienfeiern und Firmenveranstaltungen, für die eine Scheune und ein "Partystadl" zur Verfügung stehen.

Spezialitäten vom Schwein

Natürlich gehören auch die Schweine auf dem Arche-Hof Schlickenrieder gefährdeten Rassen an. Die Bunten Bentheimer und Schwäbisch-Hällischen Schweine sorgen für den Speck in der Wurst. Für die Herstellung der Fleisch- und Wurstspezialitäten hat Georg Schlickenrieder „für jedes Produkt einen Experten“: Der eine Metzger liefert die perfekte Brühwurst, der andere die beste Salami. Die Hühnerherde, die gerne mit den Schweinen den Grünauslauf am Hof teilt, weist ebenfalls eine große Rassenvielfalt auf; Appenzeller Spitzhauben, Ostfriesische Möwen und Deutsche Reichshühner sind nur einige Beispiele.

Wenn ich eine Idee habe, ziehe ich sie einfach durch.

Rettet das Obst!

Das Futter für alle Tiere stammt fast zu hundert Prozent von den betriebseigenen Flächen. Der 70 Hektar große Gemischtbetrieb ist seit 1998 Mitglied des Naturland Verbandes. Auch 13 Hektar Forst gehören zum Betrieb und liefern das Holz für die stetig neu hinzukommenden Hofgebäude. Der Arche-Hof ist zudem Mitglied in der Initiative "Lernort Bauernhof" und bietet Hofführungen vor allem für Schulklassen und Kindergärten an. Das neueste Projekt des umtriebigen Betriebsleiters ist die hofeigene Brennerei. "Schnapsbrennen ist Dienst am Obst", lautet das Motto – schließlich wird das Obst durch die Verwandlung in edle Brände "gerettet" vor Frost, Fäulnis, Vögeln und einer langen Reihe anderer potentieller Bedrohungen, die man auf der Wand der Brennerei sowie auf dem "Obstrettungswagen" und sogar auf T-Shirts nachlesen kann. "Wenn ich eine Idee habe, ziehe ich sie einfach durch", bringt Georg Schlickenrieder sein Betriebskonzept auf den Punkt. Und dass die nächste Idee schon durch seinen Kopf geistert, steht außer Frage.

Autorin: Cordula Binder



Betriebsporträt: ArcheHof Schlickenrieder

Am östlichen Ortsrand von Otterfing, 25 Kilometer südlich von München, liegt der Hof der Familie Schlickenrieder. Sie bewirtschaftet 70 Hektar Fläche im Vollerwerb nach den Richtlinien von Naturland. Ihre bunte Milchviehherde mit Nachzucht halten die Schlickenrieders in einem Offenfrontstall, wobei die Tiere von Mai bis Dezember auf die Weide dürfen.
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