Atempause an der Ostsee

Atempause an der Ostsee

Umweltbewusstsein und regionale Verantwortung

Auf leisen Sohlen streicht Felix umher und mustert die Gäste aus ruhigen Katzenaugen. Die sonnige Terrasse, die eben noch sein Schlafplatz war, füllt sich um die Mittagszeit mit Menschen. An Schlafen ist jetzt erst mal nicht mehr zu denken. Also streckt sich der alte Kater, kommt näher, um sich streicheln zu lassen, schmiegt sich vorsichtig an, spielt, lässt sich kraulen, drückt sich schnurrend an Beine und verschwindet dann doch im nächsten Moment wieder, um woanders seine Mittagsruhe fortzusetzen. Felix, so verschmust er ist, sucht es sich letztlich aus, wann er Gesellschaft will und wann er lieber seine Ruhe hat. Möglichkeiten zum Zurückziehen gibt es hier ja genug. Zudem sind er und zwei weitere Katzen, ein paar Enten im Teich und drei Pferde die einzigen Tiere die noch auf dem Gelände des Gutshauses Stellshagen leben.

Es gibt also genug Platz für alle. Denn das Gutshaus mit den anliegenden Flächen ist mittlerweile ein Hotel geworden, eines für Menschen. Menschen, die ebenso Ruhe suchen, meist vor der Hektik der Stadt und des kräftezehrenden Alltages. Menschen, die sich erholen wollen, die auf ihre Gesundheit achten und Menschen, die ihr ökologisches Bewusstsein für die Natur mit dem eigenen Leben in Gleichgewicht verbinden wollen. Auch Menschen, die auf Fleisch im Essen verzichten wollen.

Im Hotel Gutshaus Stellshagen darf die Zeit mal Pause machen, heißt es in einem der wunderschön bebilderten Prospekte. Die Gäste sollen die Seele baumeln lassen können, sinnbildlich schaukelnd in einer Hängematte mit einem guten Buch in den Händen. Das malerische Gutshaus mit seinen Sonnenterrassen, den Liegewiesen und dem Saunahaus, der Naturbadeteich, der kleine gewundene Weg um den Parkteich mit Bänken zum Verweilen, das Tagungshaus und das TAO Gesundheitszentrum sowie hübsche Ferienzimmer bieten dafür den Raum. Auch die Umgebung bietet vielfältige Möglichkeiten für Ausflüge mit einem entspannten Urlaubsgefühl.

Für Geselligkeit ist dennoch ebenso Platz, wie sich beispielhaft an diesem Abend zeigte. Im Tagungshaus, in dem sonst regelmäßig Seminare stattfinden, gibt es ein Konzert. Der Sohn eines befreundeten Stammgastes des Hauses tourt als Singer- und Songwriter durch den Norden Deutschlands und lässt neben Städten wie Hamburg, Lübeck und Bremen auch das kleine Dorf Stellshagen in Nordwestmecklenburg nicht aus. Der Saal ist voll, einige Gäste haben sich in Schale geworfen, andere erscheinen leger. Ein paar Kinder und deren Eltern haben es sich auf den Teppichen vor der kleinen improvisierten Bühne gemütlich gemacht. Vier Musiker aus Island, Dänemark und Deutschland spielen auf, bringen Melodien mit muttersprachlichen Texten zusammen. Mal melancholisch, mal kraftvoll und lustig entführen die Musiker die Gäste in ihre Heimatländer, laden zum Träumen ein und schaffen so ein ganz eigenes internationales Ambiente hier im Klützer Winkel, fernab großer Metropolen.

Die Nächte in Stellshagen sind dunkel. Anders als in der Stadt behindert hier kaum Licht die Sicht zu den Sternen. Die Luft ist kühl, von der etwa zehn Kilometer entfernten Mecklenburger Bucht weht ein frischer Wind herüber. Im edel in Eiche gehaltenen Kaminzimmer des Gutshauses endet dieser Abend bei einem letzten Getränk und einem Gespräch mit dem freundlichen Barpersonal.

Geschichte

Von 1922 bis 1925 baute Franz Bach, Bauingenieur aus Hamburg, das Herrenhaus auf einem Hügel zwischen Damshagen und Klütz für seinen Sohn Franz Bach Junior. Dieser war gelernter Landwirt und mit den 165 ha dazugekauften Landes ein gemachter Großgrundbesitzer. Aus dieser Zeit stammen Geschichten, die von frohen Festen, Taufen und einer konventionsfreien Lebensart berichten, bei der es hauptsächlich um die Landwirtschaft ging.

1944 brach der Zweite Weltkrieg in die Idylle des Klützer Winkels ein. Amerikanische Soldaten rückten ein und gaben den Befehl, das Haus zu räumen. Drei Wochen später zogen die Amerikaner wieder ab, abgelöst von der englischen Armee. Auch die Engländer verließen wenig später das Anwesen und die russische Armee übernahm das Gebiet. Durch die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone, wozu der Klützer Winkel nun gehörte, wurden die Ländereien in 38 Neubauernsiedlungen aufgeteilt und die Familie Bach/Cordes musste das Herrenhaus endgültig verlassen.

Zunächst wurde das Gutshaus vor allem von Flüchtlingen als Wohngebäude genutzt. Im Jahr 1946 erfolgte der Umbau zu einer Kreisparteischule der SED. 1954 wurde das Gutshaus zu einer Sonderschule für Lernbehinderte ("Clara Zetkin Schule") mit einem Internat ausgebaut. Neben dem Gutshaus erfolgte 1972 ein Schulneubau, während das Gutshaus weiter genutzt wurde. 1994 wurde die Schule in das zehn Kilometer entfernte Grevesmühlen verlegt. Das Gutshaus war nun unbewohnt und befand sich bis 1994 im Besitz des Landkreises, der es noch im selben Jahr zur Versteigerung ausschrieb.

Lore Cordes, die Enkelin Franz Bachs, die auf dem Anwesen aufgewachsen war, legte zusammen mit ihrer Tochter Gertrud Cordes das beste Nutzungskonzept vor, außerdem machten sie das höchste Angebot. So kehrte das Gutshaus Stellshagen Ende 1994 in den Besitz der Familie zurück.

1996 eröffneten sie das neue Bio- und Gesundheitshotel. Seit diesem Tag zieht das Haus Gäste aus nah und fern an.

Regionale Verantwortung

Das Hotel Gutshaus Stellshagen verbindet von Anbeginn an viele Aspekte des Natur- und Umweltschutzes mit der sozialen Verantwortung, die es schon immer in der Region trägt. Angefangen bei der Bauweise und Renovierung der Häuser, über die Abfallvermeidung und -verwertung, die Nutzung von Sonnenenergie und nachwachsenden Rohstoffen für warmes Wasser, die Verwendung von biologischen Reinigern in der Wäscherei bis hin zum Essen, dass 100 Prozent ökologisch ist - in allen Bereichen des Unternehmens auf nachhaltiges Wirtschaften geachtet.

Das Hotel beschäftigt saisonal bedingt bis zu 100 Mitarbeiter und ist zudem auch Ausbildungsbetrieb. Zwanzig Therapeuten sorgen für Entspannung und Erholung bei den Gästen.

Angeschlossen an den Hotelbetrieb sind eine Wäscherei, eine Bäckerei und ein landwirtschaftlicher Betrieb sowie das Biobistro "Altes Feuerwehrhaus" im benachbarten Damshagen. Ende 2009 wurde ein zweites Hotel im sechs Kilometer entfernten Parin eröffnet - das Hotel Gutshaus Parin. Alle Teile dieses Netzwerkes arbeiten nach demselben Leitbild: Gesundheit und Natur sind die höchsten Güter. Um der Natur zusätzlichen nachhaltigen Schutz zu bieten, engagiert sich Gertrud Cordes, die Geschäftsführerin, für eine gentechnikfreie Gastronomie im Klützer Winkel und für die gentechnikfreie Region.

Zudem gibt es einen Kooperationsvertrag mit der Schule in Damshagen, damit auch den Schülern über mehrere Projekttage hinweg der Umgang mit der Natur und gesunde Ernährung nahe gebracht werden kann. Die CO2-einsparende Hackschnitzelheizung oder die Solaranlagen auf den Dächern des Hotels sind dabei ebenso Thema wie die Weiterverarbeitung eines selbstgesammelten Apfels.

Landwirtschaft

Auf 6,5 Hektar umliegenden Flächen werden für das Hotel Gutshaus Stellshagen Möhren, Kartoffeln, Kohl, Rote Bete, Salate und viele weitere Gemüsesorten angebaut. Tomaten, Auberginen, Paprika und andere typische Gewächshauskulturen wachsen in den sechs Folientunneln. Die Streuobstwiesen liefern Obst und der Kräutergarten die frischen Kräuter für Tees und die Küche. Den guten Dünger für die Äcker liefern die Pferde, die es noch auf dem Gut gibt.

Was nicht aus der eigenen Landwirtschaft kommt, wird von Biobauern und Biogroßhändlern zugekauft. Auch dabei wird auf kurze Anfahrtswege geachtet, so kommen Obst und Gemüse und beispielsweise der Ziegenkäse auch aus der Region.

Was frisch geerntet wird aber nicht sofort verbraucht werden kann, wird konserviert als Fruchtaufstriche, Säfte und Gefrierobst, damit man über das Jahr verteilt immer einen Anteil Eigenproduziertes auf dem Tisch hat.

Als Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau gibt das Hotel Gutshaus Stellshagen auch gern die Erfahrungen rund um die ökologische Landwirtschaft mit einem Blick hinter die Kulissen an alle Interessierten weiter.

Diese Vielfalt an Ideen und Ausrichtung eines nachhaltigen, gesunden und ökologischen Hotelaufenthaltes verknüpft mit der Gemeinschaftlichkeit einer Region ist etwas sehr Besonderes. Ein Wochenende reicht für Massage, Yoga und Meditation sowie den zahlreichen Seminaren im Hotel Gutshaus Stellshagen kaum aus. So mannigfaltig ist das Angebot. Um wirklich zu verstehen, welchen Wert die Arbeit auf ganzheitlicher Basis hat, lohnt sich ein längerer Aufenthalt in jedem Fall.

Sich für alle Interessierten zu öffnen liegt in der sozialen Verantwortung des Hotels, so ist ein Besuch auch für Gäste mit kleinerem Geldbeutel erschwinglich. Zudem weisen die zahlreich auf dem Gelände verteilten Wassernäpfe auf das Willkommenheißen der geliebten Vierbeiner hin. Da freut sich ganz besonders der Kater Felix!

Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Gutshauses Stellshagen.

Autorin: Adrienne Bogdan


Portaltipp

Gutshaus Stellshagen

Letzte Aktualisierung 30.01.2012

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