Auf verschlungenen Pfaden über den Maisacker

Auf verschlungenen Pfaden über den Maisacker

Ein ökologisches Feldlabyrinth auf der Staatsdomäne Frankenhausen

Auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen lädt seit dem 30. Juli das Maislabyrinth dazu ein, seinen verschlungenen Pfaden zu folgen. Dabei erfährt man so einiges über Erntetechnik. "Wer Wie Was erntet?", fragt der Titel des diesjährigen Feldlabyrinths, das in der Form eines überdimensionalen Mähdreschers angelegt ist,. Ein spannender Themenparcours für Jung und Alt sorgt dafür, dass die Besucher die Antwort am Ende ihrer Wanderung durch den Mais kennen.

Jedes Jahr andere Wege

Das Maislabyrinth in Frankenhausen gibt es nun schon zum siebten Mal. Der Demonstrationsbetrieb Frankenhausen ist gleichzeitig Lehr- und Versuchsbetrieb der Universität Kassel. Bereits seit 2005 legen dort jedes Jahr wechselnde Teams von Studierenden ein Maislabyrinth an.

In diesem Jahr hatten die drei Studentinnen Marie Rosa Wolber, Ronja Heinrich und Franzisca Selsam die Idee alles unter das Zeichen der Erntetechnik zu stellen. Die drei haben für die Umsetzung ihrer Ideen in der Agrartechnik-Werkstatt des Fachgebietes Agrartechnik kräftig mit angepackt. Mit der Unterstützung von Prof. Dr. Oliver Hensel und Diplom-Agraringenieur Christian Schellert haben sie geplant, gemessen, gesät und Flyer gedruckt. Nun sind sie jeden Freitag, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr am Feldlabyrinth anzutreffen.

In den vergangenen Jahren hatten bis zu 5000 Besucher, auch viele Schulklassen, lernend Spaß im Labyrinth. Das Fachgebiet Agrartechnik ist für dieses innovative Lehrkonzept mit der Auszeichnung "Offizielles Projekt der Weltdekade 2010/11" der UNESCO für den Bereich "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet worden.

Sarah Brumlop von  der Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau  besuchte das ökologische Feldlabyrinth und verfasst folgenden Erlebnisbericht.

Sonntagsausflug ins Labyrinth

Wir begeben uns am Tag nach der Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein auf dem Erlebnispfad. Ein gut gefüllter Parkplatz deutet darauf hin, dass zahlreiche Familien aus Kassel und Umgebung das schöne Sommerwetter nutzen, um ebenfalls einen Sonntagsausflug ins Maislabyrinth zu machen. Von den vielen Menschen, die sich im Labyrinth aufhalten, können wir allerdings nur die wenigsten sehen. Die Maispflanzen sind übermannshoch gewachsen und ragen rechts und links der Pfade als undurchschaubare Wände auf. Zum Glück erhält jeder Besucher am Eingang einen Plan des Labyrinths, der notfalls hilft, um zum Ausgang zu finden. Doch zuvor wollen wir erst einmal mit allen Sinnen die verschiedenen Stationen in dem riesigen Mähdrescher erkunden.

Der Sortengarten

Im Sortengarten kann sicherlich jeder sein Wissen über landwirtschaftliche Nutzpflanzen erweitern. Denn neben den bekannten Arten wie Weizen, Roggen, Hafer, Raps und Triticale stehen hier auch Arten, die heute seltener auf den Äckern anzutreffen sind. Einkorn zum Beispiel, die älteste gezüchtete Getreideart, die ein schönes, gelbes Mehl ergibt und zu Nudeln, Brot oder sogar Bier verarbeitet werden kann. Das feine, elastische Stroh ist besonders gut als Flechtmaterial für Bienenkörbe geeignet.

Etwas weiter finden wir Buchweizen, der in die Familie der Knöterichgewächse gehört, also beileibe kein Weizen ist. Buchweizen wird zu Grütze, Pfannkuchen oder Nudeln verarbeiten und Weizenallergiker profitieren davon, dass Buchweizen glutenfrei ist. Auch sagt man ihm die positive Wirkung nach, einen erhöhten Blutzuckerspiegel zu senken.

Der Anblick des schönen, tief dunkelroten Amarants - auch Inka Weizen genannt - entführt uns nach Südamerika. Er ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit und war ein wichtiges Nahrungsmittel bei vielen südamerikanischen Indianern.

Dann finden wir noch heimische Linsen, die so reich an wertvollen Inhaltsstoffen sind und die es mit gelben, braunen, grünen, orangen und schwarzen Samen gibt. Wir bekommen direkt Appetit auf eine leckere Linsensuppe. Aber gegessen wird später, wir haben unsere Wanderung ja gerade erst begonnen.

Schneiden und Dreschen

Schon haben wir die erste Station auf dem Mähdrescher-Themenparcours erreicht. Hier können wir das erste der sieben "Zeichen" durchpausen, die im Labyrinth zu finden sind. Es gibt nämlich auch ein Gewinnspiel und wer alle Zeichen findet, der kann mit etwas Glück einen Kinder-Traktor gewinnen.

Für Technikinteressierte stehen an der Station Schautafeln, die alles über das Schneidwerk im Mähdrescher verraten. Als wir weitergehen, schwirren uns Begriffe wie Messerbalken, Ährenheber, Federzinken-Pickup Haspel und Schrägförderer durch den Kopf.

Hordenschüttler und Korntank

Was ist das nun schon wieder? Eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen. Im Hordenschüttler wird im Mähdrescher das Korn aus dem Stroh geschüttelt. Das Stroh wird dann zum Auswurf transportiert und aufs Feld geworfen, die Körner fallen in die Reinigung darunter und landen schließlich im Korntank.

Wie es sich anfühlt, als Stroh oder Korn auf dem Hordenschüttler auf und ab zu hüpfen, kann man gleich mal am eigenen Körper erfahren – auf einem großen Trampolin. Und den Korntank darf man auch mit Haut und Haaren erleben. Eine ganze Badewanne voller Weizen lädt zum Vollbad im Getreide ein. Da mag manch einer gar nicht wieder aussteigen.

Überblick

Mitten im Feld gibt es eine Aussichtsplattform. Hier kann man von oben auf die hohen Maispflanzen gucken und sich vorstellen, was sich einem Landwirt für ein Anblick bietet, wenn er auf seinem richtigen Mähdrescher zur Ernte in solch ein Maisfeld fährt.

Im Labyrinth sind viele der Pfade mit Sonnenblumen gesäumt. Noch blühen sie nicht, aber das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dann werden die Konturen des Mais-Mähdreschers noch viel besser zu erkennen sein.

In die vielen Pfade des Labyrinths kann man aber auch von oben nicht überall hineinsehen. Der Mais ist einfach zu hoch. So hoch, dass man sich richtig verlaufen kann. Wir begegnen einem Vater, der besorgt nach seinem jüngsten Sprössling ruft. Kurz darauf treffen wir auch den Jungen selber, der das Abenteuer Labyrinth gar nicht mehr so lustig findet. Zum Glück können wir uns erinnern, in welcher Richtung sein suchender Vater weitergegangen ist und am Ende ist die Familie wieder komplett. Nur gut, dass unser Hund von vorn herein an der Leine bleiben musste, denn das Labyrinth ist groß, die Pfade verschlungen und die Vermisstensuche kann  schwierig werden.

Barfußpfad, Rennstrecke, Kinderparadies und Lebensweisheiten

Die Labyrinthplanerinnen haben sich viel einfallen lassen. Einen Barfußpfad haben sie angelegt (Schuhe streng verboten!) und eine Rennstrecke, auf der man mal so richtig Gas geben kann. Und wenn man dann doch irgendwann den Ausgang findet, hat der Spaß immer noch kein Ende. Hier ist das Kinderparadies, wo man auf einem (fast) echten Mähdrescher herumklettern kann.

Wer von den vielen Abenteuern hungrig geworden ist, für den gibt es leckere Verpflegung, die den Ausflug ins Labyrinth gelungen abrundet.

Übrigens: wir hätten beinahe den Pfad der Weisheiten übersehen, auf dem die Besucher eines Besseren belehrt werden. Wir verraten hier gerne, wie man hinkommt: nach dem Eingang den ersten Pfad rechts, dann lange geradeaus und wieder rechts. Eigentlich ganz einfach.

Noch bis zum 2. Oktober können Besucher jedes Wochenende das Labyrinth erkunden, Gruppenführungen gibt es nach Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten. Der Eintrittspreis beträgt 3,50 Euro für Erwachsene, Kinder, Schüler und Studenten zahlen 2,50 Euro. Für Kinder "unter Stockmaß" ist der Eintritt frei.

Autorin: Sarah Brumlop
Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau


Maislabyrinth der Universität Kassel

Anmeldung für Gruppen und Schulklassen
Tel.: 0 56 74 - 3 15
hofladendomaene@uni-kassel.de
maislabyrinth_11@hotmail.de

Letzte Aktualisierung 23.08.2011

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