Bio Hof Bölingen

Bio Hof Bölingen: Jede Blüte zählt!

In der Landwirtschaft haben es Biene, Hummel & Co. nicht leicht. Pestizide, Insektizide, Monokulturen und viele andere Gründe machen ihnen das Leben schwer. So sehr, dass beispielsweise rund die Hälfte der 560 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten bedroht sind. Wie Landwirtinnen und Landwirte mit Wildbienen und anderen Bestäuberinsekten arbeiten, zeigen Elke Inden-Krämer und ihr Mann Bert Krämer. Auf ihrem Demonstrations- und Biolandbetrieb Bio Hof Bölingen gilt das Motto: Jede Blüte zählt! Denn die Blüten ihrer Obstbäume lassen die Krämers im Gegensatz zu vielen anderen Obstbetrieben nicht nur von Honig-, sondern vor allem von Wildbienen bestäuben.

Wildbienen-Paradies

Um die wilden Bienen bei ihrer Arbeit zu unterstützen, hat der Biobauer ein ausgeklügeltes System entwickelt. Zwischen den Obstbäumen hat er zahlreiche Insektenhotels angebracht. In den hohlen Pflanzenstengeln legen die solitär lebenden Bienen ihre Eier ab und können so für Nachwuchs sorgen. Der Obstbauer kümmert sich aber auch um ein vielfältiges Nahrungsangebot. "Anfangs säten wir am Rand unserer Flächen eine einjährige Blühmischung. Das sah unheimlich toll aus, mit Pflanzen, die schöne große Blüten besaßen. Wir mussten aber lernen, dass das wenig nutzt", erklärt Bert Krämer. "Denn die meisten Wildbienen besitzen einen eher kleinen Rüssel und benötigen daher Pflanzen mit kleinen Blüten."

Mittlerweile hat Bert Krämer mehr als 30 Jahre Erfahrung gesammelt. Heute sät er zwischen den Reihen seiner Obstbäume ein- und mehrjährige Blühmischungen – insgesamt 15 Kilometer Blühstreifen. Bei der Zusammensetzung der Pflanzen orientiert er sich an natürlichen Pflanzengesellschaften, wie sie auf Wiesen vorkommen. Ist die erste Generation verblüht, kürzt Krämer die Blühstreifen mit einer Spezialmaschine ein, um so Platz für später blühende Pflanzen zu schaffen. Aber auch diesen Eingriff nimmt Krämer nur in jeder zweiten oder dritten Baumreihe vor, um für die Insekten so viel Lebensraum wie möglich zu erhalten. Auf diese Weise bietet er Bienen, Hummeln und anderen Bestäuberinsekten durchgehend von März bis Oktober ein vielfältiges Nahrungsangebot. Mit Erfolg: 25 unterschiedliche Wildbienenarten haben sich laut wissenschaftlichen Untersuchungen der Universität Bonn auf seinen Flächen angesiedelt. Davon profitiert auch der Obstbau. Die Mauerbiene und vier weitere Wildbienenarten sind wichtig für die Bestäubung, da sie bereits bei kühleren Temperaturen aktiv sind und dadurch eine höhere Bestäuberleistung als eine Honigbiene erbringen.

Blühstreifen-Management

Bert Krämer engagiert sich aber nicht nur für den Schutz von Wildbienen. In jeder Obstanlage hängen rund 25 Nistkästen pro Hektar für unterschiedliche Vogelarten. Für Krämer bedeutet dieser Einsatz Respekt vor der Natur und Mitgeschöpfen. Sein Wunsch ist es, in Harmonie mit der Natur zu wirtschaften. Er weiß: Je vielfältiger das Leben in einer Obstplantage, desto einfacher ist es mit dem Pflanzenschutz. Außerdem ist er ständig auf der Suche nach Verbesserungen. So lässt er Forscherteams der Universitäten Bonn und Hohenheim seine Flächen untersuchen, die fasziniert sind von der enormen Artenfülle.

Heute säen wir zwischen den Obstbäume ein- und mehrjährige Blühmischungen – insgesamt 15 Kilometer Blühstreifen.

Wenn Bert Krämer Besucherinnen und Besuchern durch seine Obstanlagen führt und ihnen detailreich die Zusammenhänge zwischen artenreicher Tierwelt und Ernteerfolg erklärt, könnte man meinen, der Mann besitze eine Professur für Ökologie. Doch weit gefehlt. Bert Krämer ist Wasserbauingenieur und Autodidakt. 1985 gründet er in Bölingen, rund 20 Kilometer südlich von Bonn, einen Obst- und Gemüsehof. Die umliegenden Obstbetriebe trauen dem Seiteneinsteiger nicht viel zu. Doch Krämer reist viel herum, ist neugierig, fragt nach und beobachtet die Natur. Als einer der ersten engagiert er sich für biologischen Obstbau. Er testet neue Verfahren, unterstützt bei der Entwicklung von Spezialmaschinen und leistet Pionierarbeit. Heute gehört der Hof Bölingen zu den führenden Bio-Obstbaubetrieben in Deutschland.

Bioobstbau-Pionier

Auf ihrem 15 Hektar großen Betrieb bauen die Krämers 30 Apfel-, vier Birnen-, acht Zwetschgensorten sowie Mirabellen an. Besonders stolz sind sie auf Elise und Santana. Zwei Apfelsorten, die für Apfelallergiker geeignet sind. Rund vier Millionen Deutsche leiden unter einer Apfelallergie. Ursache ist das Protein Mal d 1, das viele Äpfel während der Lagerung entwickeln. Nicht aber Santana und Elise. "Dabei war Elise eine Sorte, die von vielen Betrieben bereits aussortiert wurde, weil ihre Äpfel an manchen Standorten Flecken entwickelten", erklärt Krämer. "Bei uns wuchs sie aber gut und schmeckt auch sehr lecker. Zufällig entdeckte man, dass Elise sehr gut für Apfelallergiker geeignet ist. Da war die Sorte aber fast schon ausgestorben", so Krämer. Jetzt wird sie auch deutschlandweit wieder angebaut und gehört auf dem Bio Hof Bölingen zu den Verkaufsschlagern.

Elise ist eine unserer besten Apfelsorten und sogar für Apfelallergiker geeignet.


Autor: Frank Griesel

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.

Letzte Aktualisierung 07.09.2018

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