Biohof Muhs

Biohof Muhs: Kinderparadies auf dem Bauernhof

Kinder lieben es, im Stroh zu toben, Tiere zu streicheln und in der Erde zu buddeln. Der Bauernhofkindergarten "Wurzelkinder" in Krummbek nahe Kiel machts möglich. Die Kleinen können mit all ihren Sinnen die Natur, die Tierwelt und die Jahreszeiten auf dem Bauernhof der Familie Muhs erleben. Eine Schlachterei, in der die eigenen Tiere verarbeitet werden, gehört auch zum Betrieb. Regionaler geht es nicht.

Die Schweine haben Hunger

Lena, Lasse, Leon und die anderen kennen alle Tiere auf dem Bauernhof: Die Ziege Marlene, den Eber Ludwig, die Katze Socke, Schweine, Hühner, Kühe… Jeden Mittwoch kommen sie zum Füttern und brechen schon früh gemeinsam auf, um dem Landwirt Rainer Muhs zu helfen. Fröhlich laufen sie durch die Ställe und rufen so laut sie können: "Hallo Schweine, seid ihr alle wach?" Die meisten Tiere quieken in freudiger Erwartung auf ihr Futter. Die letzten Langschläfer erheben sich und stürzen sich auf den Futtertrog, sobald in jedem Stall ein anderes Kind den magischen Hebel in Bewegung setzt. Er öffnet die Schleuse für das selbst gemischte, geschrotete Getreide vom Hof, in dem viel steckt, was die Schweine brauchen. Dazu gibt es Leckerbissen wie frisches Gras, Silage und Stroh.

"Was fressen die kleinen Ferkel?", fragt die Erzieherin und Naturspielpädagogin Bianka Busch die Kinder. "Sie trinken Milch", weiß Steven. Busch erzählt den Kindern, dass zwei Sauen erst gestern Nachwuchs bekommen haben. Da lohnt sich natürlich ein Blick in den Sauenstall. "Hier stinkt’s", stellt Lasse trocken fest, hat seine empfindliche Nase aber schon wieder vergessen, als er die vielen kleinen Ferkel sieht. Sie liegen in einer Box unter der Wärmelampe aneinander gekuschelt und schlafen. Im Stall nebenan kabbeln die Winzlinge gerade um die besten Plätze an den Zitzen des Muttertiers. Ein sehr kleines Ferkel liegt daneben und zeigt sich ziemlich unbeteiligt. "Was ist mit ihm?", fragen die Kinder. "Ist es krank? Wir müssen dem Bauern unbedingt schnell Bescheid geben!"

Unsere Kinder sind wie eine kleine Polizei.

Spielerisch Verantwortung übernehmen

"Unsere Kinder sind wie eine kleine Polizei", erklärt Bianka Busch. Sie achten mit darauf, dass es den Tieren gut geht. Tags zuvor hatten sie beispielsweise beobachtet, dass die Ziege Marlene, die auf der Wiese direkt gegenüber vom Kindergarten wohnt, humpelte. Sie berichteten es dem Landwirt, der feststellte, dass es an zu langen Klauen lag. So wie wir unsere Fingernägel schneiden, bekommt Marlene also kurzerhand die Klauen gekürzt. Wie fängt man die Ziege, wie hält und beruhigt man sie, wie schneidet man die Klauen? Staunend beobachten die Kindergartenkinder, wie Rainer Muhs und der Auszubildende Jep Jepsen das Tier behandeln.

Die Kinder erleben nicht nur das tägliche Füttern und Versorgen der Tiere. Sie nehmen teil an den jahreszeitlich wechselnden Arbeiten auf Feld und Hof. Saat und Ernte, Geburt und Tod, die Nutzung und Verarbeitung von Naturprodukten und die Abhängigkeit des Bauern vom Wettergeschehen sind Themen im Kindergartenalltag. So lernen die Kleinen spielerisch, Verantwortung zu übernehmen und entwickeln eine starke Sozialkompetenz. Sie wissen auch, dass die Tiere, die auf dem Hof ein schönes Leben haben, in der Schlachterei sterben und zu Fleisch und Wurst verarbeitet werden. Allerdings immer mit viel Respekt vor dem Tier, ohne belastende Transportwege und in ihrer Umgebung, die sie von klein auf kennen.

Im Einklang mit der Natur

Ein geschlossener Kreislauf ist dem Ehepaar Muhs ganz wichtig. Die beiden sind Überzeugungstäter und dabei doch völlig undogmatisch: Im Einklang mit der Natur wollen sie gesunde Lebensmittel erzeugen. Die Tiere auf dem Hof sollen es gut haben. Und Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, so aufzuwachsen, wie sie selbst aufgewachsen sind: unbeschwert auf dem Bauernhof.

Kinder sollen die Möglichkeit bekommen, so aufzuwachsen, wie wir aufgewachsen sind.

Als der Kindergarten einer Elterninitiative vor gut 13 Jahren neue Räumlichkeiten suchte, kam Anne-Marie Muhs auf die Idee, die Kleinen auf den Bauernhof zu holen. Gesagt, getan. Sie gründete mit anderen Eltern einen Verein; seitdem gibt es die Wurzelkinder, die ihr Domizil direkt auf dem Hofgelände haben. Inzwischen ist die Gruppe 18 Kinder groß. Sie wird von zwei Erzieherinnen und einer Person, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, betreut. Der Verein hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Kindern durch ein abwechslungsreiches Programm die Natur näher zu bringen. An vier Nachmittagen in der Woche werden für Kinder im Alter von ein bis zehn Jahren Veranstaltungen zum Thema Bauernhof angeboten. Im Mittelpunkt steht entweder ein Tier, ein Material (Stroh, Wolle, Milch) und dessen Verarbeitung oder ein spezieller Ort auf dem Hof (Schweinestall, Rundballen).

Das Konzept kommt an: "Es gibt viel mehr Bewerber als Plätze für die Wurzelkinder", berichtet Anne-Marie Muhs. Sie ist weiter im Vorstand des Vereins aktiv, obwohl ihre eigenen fünf Kinder lange aus dem Kindergartenalter heraus sind. Einmal im Jahr veranstaltet sie ein Seminar, in dem sie Interessierten das Konzept erläutert und über Themen wie Rechtsform, Finanzen, Stiftungen, Sponsoren und natürlich auch über die Praxis berichtet: damit möglichst viele Kinder das Hofleben hautnah erleben können!

Autorin: Hella Hansen



Betriebsporträt: Biohof und Hofschlachterei Muhs

Seit vier Generationen ist der Betrieb von Familie Muhs eine Einheit aus Landwirtschaft und Fleischerei. Für sein ökologisches Wirtschaften und sein Engagement um das Tierwohl wurde der Biohof vom Land Schleswig-Holstein als „Beispielhafter Betrieb für tiergerechte Haltung” ausgezeichnet.
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