Bioland Hof Eisenach

Bioland Hof Eisenach: Ich wollt ich wär ein Biohuhn

Geschäftiges Treiben auf dem Bioland Hof Eisenach im nordhessischen Baunatal. Autos kommen und fahren, Menschen steigen aus und erledigen ihre Einkäufe im Hofladen. Ein älteres Ehepaar steht zusammen mit seinen Enkeln vor dem Schlecht-Wetter-Stall und beobachten die Hühner beim Picken und Scharren. "Hier sehen die Hühner viel besser aus als die im Fernsehen", erklären sie uns, als wir näher kommen und erzählten, dass sie hier regelmäßig aus Überzeugung einkaufen gehen. Kein Einzelfall erfahren wir später vom Betriebsleiter Eckhardt Eisenach. Seit den jüngsten Lebensmittelskandalen sind immer mehr neue Gesichter auf dem Biohof zu sehen. Die Kunden nehmen inzwischen auch einen längeren Fahrtweg in Kauf. Einige lassen sich sogar gezielt die Hühner zeigen, bevor sie Eier kaufen. Hier kann Bio live erlebt werden. Eisenach freut sich über dieses Interesse. "Wir sind überzeugt, dass nur eine regionale, bäuerlich-ökologische Landwirtschaft gesunde und hochwertige Lebensmittel für den Verbraucher produzieren und wirksam vor Betrug schützen kann", erklärt er uns und fügt hinzu, "denn gesunde Eier gibt es nur von glücklichen Hühnern".

Platz zum Picken und Scharren

Der Bioland Hof und Demonstrationsbetrieb Eisenach ist bekannt für seine artgerechte und naturgemäße Haltung von Hühnern. 9.000 Legehennen leben auf dem Hof in drei Gruppen mit jeweils 3.000 Hühnern. In jeder Hühnerherde laufen zehn Hähne mit. Sie stabilisieren das Sozialverhalten der Tiere. Die Ställe sind an die Bedürfnisse der Hühner angepasst: Sonnenlicht fällt durch die Fenster, die Plätze zum Eierlegen sind hingegen ruhig und dunkel, auf den Sitzstangen können sich die Hühner ausruhen und die Volieren bieten genug Platz zum Bewegen. Vier Quadratmeter hat jedes Huhn im Freiland zur Verfügung, ein reich gestalteter Auslauf bietet den Tieren genug Abwechslung. Viel Beschäftigungsmöglichkeiten und genügend Platz sorgen dafür, dass Federpicken nicht vorkommt.

Von Frühjahr bis Herbst bewegen sich die Hühner des Biohofs auf den drei Wiesen rund um den Hof. Um diesen Freilauf noch zu optimieren, pflanzten die Bioland-Kollegen Isabel und Martin Döring im letzten Herbst 500 Apfelbäumen. Sie sollen den Hühnern Schutz vor Greifvögeln bieten und an sonnigen Tagen Schatten spenden. Doch heute ist es ein kalter Märzvormittag, das Thermometer zeigt unter null Grad und rund um den Stall liegt eine hohe Schneedecke. "An solchen Tagen können die Hühner im überdachten Schlechtwetterauslauf bleiben, denn den kalten Schnee mögen sie nicht besonders", erklärt Betriebsleiter Eisenach und öffnet zum Beweis die Ausgänge zum Freilauf. Die neugierigen Hühner strömen heraus, doch der Schnee ist ihnen tatsächlich zu kalt und so bleiben sie am Rand stehen und picken dort die gefrorene Erde. Hühner haben nicht gerne kalte Füße.

Futter als zentrales Thema artgerechter Haltung

Neben dem Auslauf ist auch das Futter eines der zentralsten Themen, wenn es um artgerechte Legehennenhaltung geht. Die Hühner auf dem Hof Eisenach bekommen hundertprozentiges Biofutter aus hofeigener Getreidemischung, Getreide aus der Region vom Biolandbetrieb Brede in Knüllwald, verschiedene Eiweißfuttermittel wie Sonnenblumen- und Sojapresskuchen sowie Kalk und Mineralfutter. Besonders gerne fressen die Hühner Karotten, deren Nährstoffe nicht nur die Stoffwechselfunktionen anregen, sondern auch für eine dunkle Dotterfarbe sorgen. Verschiedene Kräutermischungen aus Heilpflanzen schützen die Tiere vor Parasiten, Milben und Würmern. Die Zusammenstellung des Futters bespricht der Betriebsleiter regelmäßig mit einem Berater.

Wohl des Tieres im Blick

"Unsere Form der Legehennenhaltung ist in den 1980er Jahren hier in Nordhessen entstanden", erklärt Eckhardt Eisenach stolz. Als er 1989 der Erzeugergemeinschaft für Geflügel von Bioland beitrat, kannte er die Bedingungen der herkömmlichen Legehaltung und wollte etwas ändern. Dafür sei es wichtig gewesen, die Perspektive zu wechseln. "Während einige vielleicht auf die Erzeugung von Bioeiern umgestellt haben, weil sie sich eine bessere Vermarktung versprachen, war es uns immer wichtig, dass unsere Hühner artgerecht leben. Wir überlegten uns also, welche Rahmenbedingungen dafür notwendig seien, ermittelten anschließend den Preis eines Eies und suchten dann Kunden, die bereit waren, diesen zu bezahlen. Deswegen sind für uns Discounter, die von vornherein einen Preis vorgeben, auch Tabu." Ein Konzept, das bis heute Erfolg hat. Auf die anschließende Frage, was er Verbrauchern rät, antwortet er, sie sollen skeptisch sein bei Dumpingpreisen. Wer wisse, woher das Ei kommt, was er zum Frühstück isst, der schütze sich am besten davor, betrogen zu werden.

Autorin: Karin Wilhelm


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Betriebsporträt: Bioland Hof Eisenach

Der Familienbetrieb in Baunatal in der Nähe von Kassel wurde Ende der 1950er Jahre aus dem Dorf ausgesiedelt. 1988 übernahm Eckhardt Eisenach den Betrieb von seinen Eltern und stellte ihn nach Bioland-Richtlinien um. Heute bewirtschaftet er weitgehend die um den Hof herumliegenden Flächen.
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Letzte Aktualisierung 20.03.2013

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