Christiansen’s Bioland-Hof

Christiansen’s Bioland-Hof: Saat gut – alles gut

Heinz-Peter Christiansen und Barbara Maria Rudolf waren in den Achtzigerjahren Pioniere des Ökolandbaus. Jetzt sind sie alte Hasen – aber auch wieder Pioniere auf neuen Wegen, um den Ökolandbau weiterzuentwickeln. Sie züchten samenfeste ökologische Gemüsesorten.

Qualität aus dem Moor 

Montagmorgen: Der Hofplatz von Christiansen’s Bioland-Hof ist voll von Kleintransportern. Die Kundinnen und Kunden kommen aus Bremen, Hamburg, ganz Schleswig-Holstein bis hinauf nach Dänemark. Sie holen Kartoffeln, Moorrüben (dies ist kein Rechtschreibfehler, sondern eine Spezialität), Rote Bete und Kürbisse aus Esperstoftfeld, einem kleinen Dorf nahe Schleswig.  Mit "Milan" fing alles an. Das ist die erste Möhrensorte, die Heinz-Peter Christiansen und seine Frau Barbara Maria Rudolf selbst vermehrt haben – vor bald zehn Jahren. Zwischenzeitlich hat das Ehepaar mit Gleichgesinnten den Förderverein Saat:gut gegründet, um ökologische Pflanzensorten zu züchten. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die im Schnitt 13 Jahre dauert.

Wir sagen ja zur Unabhängigkeit mit eigenen samenfesten Sorten.

Aber gewinnen Landwirtinnen und Landwirte nicht immer ihr eigenes Saatgut? "Lange Jahre haben wir – wie die meisten anderen Biobäuerinnen und Biobauern auch – darauf vertraut, dass die Züchtungshäuser uns mit passenden Sorten und Saatgut versorgen", erklärt Rudolf. "Wir akzeptierten, dass Züchtung eine sehr komplexe Aufgabe ist, die unsere Möglichkeiten übersteigt. Doch die Entwicklung ging immer mehr in eine Richtung, die nicht unsere Überzeugung ist", so Rudolf weiter. "Für Brokkoli und Blumenkohl standen beispielsweise zunehmend nur noch sterile CMS-Hybriden zur Verfügung. Dazu sagen wir nein und im Gegenzug ja zur Unabhängigkeit mit eigenen samenfesten Sorten."

Unabhängigkeit ist Trumpf 

Hybridsorten entstehen aus der Kreuzung von Inzuchtlinien. Sie sind sehr ertragreich, aber nicht vermehrungsfähig.

Wenige Saatgutproduzenten beherrschen den Weltmarkt. In ihren Laboren entstehen künstlich hochgezüchtete Gemüsesorten, die auf Ertrag getrimmt werden. Die Pflanzen sind gleichförmiger und daher gut zu vermarkten. Um diese Eigenschaften zu erhalten, wird beispielsweise häufig eine Zellfusionsmethode angewandt, die sterile CMS-Hybriden (Cytoplasmatische Männliche Sterilität) hervorbringt. Diese Technik beschleunigt das Züchtungsverfahren, basiert allerdings darauf, dass artfremde Zellen miteinander verschmolzen werden. Kritikerinnen und Kritiker bezeichnen diese Praxis als "Gentechnik light". Weil die Hybridsorten sich nicht zur erneuten Aussaat eignen, sind die Landwirteinnen und Landwirte gezwungen, jährlich neues Saatgut zu kaufen. Alte samenfeste Sorten gibt es zwar, sie bringen aber viel zu wenig Ertrag.

Christiansen und Rudolf wollen nun Kreuzungen entwickeln, die eine Alternative sind – samenfest, lecker und für die Kundinnen und Kunden preislich im Rahmen. 2009 starteten die beiden mit ihrem Züchtungsprojekt. In zwei Gewächshäusern und mehreren Folientunneln kreuzen sie seitdem verschiedene Sorten und arbeiten mit einem Netzwerk von Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und Europa zusammen, um die jeweils besten Eigenschaften der Pflanze zu erkennen und zu selektieren. Sein Wissen gibt das Ehepaar gerne weiter. Auf dem Hof finden häufig Führungen und Fortbildungen statt: für Schulkinder ebenso wie für den Fachgroßhandel oder den SPD-Ortsverein.

Spezialität Moorrübe

Möhren sind die Spezialität von Christiansen’s Hof. Die leichten Sandböden der Region eignen sich ideal zum Anbau der "Moorrüben". Ja, so heißt die orange Rübe auf dem Hof und so bekam sie auch ursprünglich einmal ihren Namen: weil sie im Niederungsmoor, einem sehr nährstoffreichen Boden, besonders gut wächst und lecker schmeckt. Die Moorrübe von Christiansen’s Hof ist keine spezielle Sorte, der Name beschreibt vielmehr die besondere Qualität der Rübe.

Da wir die Möhren mit "Samtpfoten" von Hand ernten, sind sie unversehrt und besonders lange lagerbar. 

Sie wird von Hand geerntet und nicht gewaschen. Das ist zunächst erklärungsbedürftig für die Kundinnen und  Kunden, allerdings auch ein großer Vorteil. "Da wir die Möhren mit "Samtpfoten" von Hand ernten, sind sie unversehrt und besonders lange lagerbar", erklärt Barbara Maria Rudolf. Auch die Erde drum herum schützt das Gemüse und erhält sein Aroma. Eine weitere Möhrenspezialität vom Christiansen’s Hof: das "Lila Luder", eine Kreuzung der modernen orangen Möhre mit einer violetten Urmöhre, die die Vorzüge beider Linien vereint.

Süßlicher Geschmack und hoher Gehalt an gesundheitsfördernden sekundären Pflanzenstoffen. Neben den Möhren bauen Christiansen und Rudolf Kartoffeln (die besonders aromatische Sorte Linda), Kohlgemüse, Kürbis, Pastinake, Rote Bete und Kräuter an. Gemüse steht jeweils auf zirka 40 der insgesamt 100 Hektar Land, das sie bewirtschaften. Auf dem Rest der Fläche wachsen Getreide und Hülsenfrüchte (Leguminosen) sowie Kleegras. Die Leguminosen geben dem Boden verloren gegangene Nährstoffe zurück und dienen – wie auch das Getreide – teilweise als Tierfutter für Kooperationsbetriebe in der Nachbarschaft. Eigene Nutztiere leben nicht mehr auf dem Hof. Im Gegenzug bekommt Christiansen Mist als natürlichen Dünger für die Felder: eine typische Kreislaufwirtschaft des biologischen Landbaus, mit den Gesetzen der Natur und zum Wohl der Natur.

Autorin: Hella Hansen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Christiansen's Biolandhof

Christiansen‘s Biolandhof liegt hoch im Norden Deutschlands, in dem kleinen Örtchen Esperstoftfeld bei Schleswig. Hier werden auf über 90 Hektar Möhren, Kartoffeln, Kohlgemüse, Kräuter, Futtergetreide und Leguminosen angebaut. Das Getreide füttert die Tiere der Bioland- und Demeter-Höfe in der Nachbarschaft; im Tausch erhalten die Christiansens Mist als natürlichen Dünger für die eigenen Felder.
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