CSA Hof Pente

CSA Hof Pente: Vielfalt mit Beteiligung

Auf Hof Pente im nieders├Ąchsischen Bramsche wachsen Gem├╝se, Kartoffeln und Getreide, tummeln sich Bunte Bentheimer Schweine. Mehr als 250 Personen sind Eigent├╝mer dieser gemischten Landwirtschaft. Der Demeter-Betrieb betreibt n├Ąmlich "CSA - Community Supported Agriculture" oder "Gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft". Durch ihre Beteiligung erlangen die Mitglieder direkte Teilhabe, sind Mitgestalter und erfahren unmittelbar, wie die Ern├Ąhrungsentscheidung die Kulturlandschaft gestalten kann sowie Artenvielfalt und Bodenentwicklung erm├Âglicht. Wie funktioniert das alles und was ist das Besondere? CSA-Gesch├Ąftsf├╝hrer Dr. Tobias Hartkemeyer erkl├Ąrt es uns.

Mit Landwirtschaft Begegnungen erm├Âglichen

Lebensmittel selber anzubauen und zu erzeugen, das w├╝nschen sich m├Âglicherweise mehr Menschen, als der Wirtschaftszweig Landwirtschaft hergibt. Der Berufswunsch Bauer scheint dabei weniger im Fokus als die Lust am S├Ąen und Ernten in Schreberg├Ąrten, beim Urban Gardening oder auf den Mietparzellen der stadtnahen ├äcker. In Eigenverantwortung bei der Urerzeugung mitwirken, ohne dabei unbedingt die eigenen H├Ąnde in die Erde stecken zu m├╝ssen oder Trecker zu fahren - das ist die Idee der solidarischen Landwirtschaft, auch und besonders auf dem Demonstrationsbetrieb Hof Pente.

Zurzeit beteiligen sich gut 250 Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten der Region an dem Konzept. Grundidee: Die Mitgliedsbeitr├Ąge werden in die Landwirtschaft investiert, also f├╝r Saatgut, Maschinen und Mitarbeiterl├Âhne eingesetzt. Jeden Freitag ist 'Abholtag', an dem sich die Mitglieder Eier, saisonales Gem├╝se, frisches Brot oder Schweinefleisch abholen. "Das Sch├Âne ist, dass dies so viele Begegnungen erm├Âglicht", sagt Dr. Tobias Hartkemeyer, der Hof Pente zusammen mit seiner Frau Julia leitet. "Es ist weit mehr, als ein Wochenendeinkauf, sondern Gelegenheit f├╝r Gespr├Ąche, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen. Manchmal wird sogar ein kleines Fest daraus. Die Abholenden sind an derselben Idee beteiligt, und das verbindet."

Ein anderes Denken

Hinter einer gemeinschaftlich getragenen und solidarisch organisierten Landwirtschaft steckt laut Hartkemeyer aber noch mehr, n├Ąmlich ein grunds├Ątzlich anderes Denken als im ├╝blichen Wechselspiel von Angebot und Nachfrage, Gewinn und Verlust, Einsatz und Ertrag. Zwar arbeitet der CSA Hof Pente ebenfalls mit Geldeinsatz und beteiligt seine Mitglieder am Gewinn. Nur handelt es sich dabei um die Ertr├Ąge der Felder, ├äcker und Beete. "Die Darstellbarkeit ist eine andere und nicht so abstrakt. Denn jeder, der bei uns mitmacht, wei├č genau, woran er teilhat. Er oder sie kann es anfassen, abholen und erleben", erkl├Ąrt Hartkemeyer. Und das sei eben etwas grunds├Ątzlich anderes, als sich etwa per Aktien an einem Konzern zu beteiligen, auf dessen Entscheidungen und Entwicklung man keinerlei Einfluss habe.

Der Abholtag ist mehr als ein Wochenendeinkauf. Er bietet Gelegenheit f├╝r Gespr├Ąche, Austausch und gegenseitiges Kennenlernen.

Keines der Mitglieder muss selbst auf den Acker oder ins Gem├╝sebeet. Diese Arbeit ├╝bernehmen diejenigen, sie sich damit auskennen. Doch bei so vielen Mitmacherinnen und Mitmachern kommen reichlich andere Talente und F├Ąhigkeiten zusammen. Zum Beispiel die eines Steuerberaters, einer Anw├Ąltin, Grafikerin oder eines Schlossers. Viele bringen sich ein, schlagen Ideen vor, setzen Projekte um. Monatlich gibt es ein Mitgliedertreffen im Hofcaf├ę, bei der solche Themen besprochen und organisiert werden k├Ânnen. "Nat├╝rlich kommen niemals alle. Doch f├╝r die Transparenz und das Gemeinsamkeitsgef├╝hl ist das entscheidend. Alle sind auf dem neusten Stand ├╝ber die betriebliche Lage und die Situation auf dem Hof", erl├Ąutert Hartkemeyer. Die Teilhaberinnen und Teilhaber wissen, wie und warum die Ernte gut oder schwach war und was welchen Einsatz kostet. Weitere positive Aspekte sind Unabh├Ąngigkeit von Marktlaunen, Planungssicherheit und keine ├ťberproduktion.

Alle Lebendigkeit ist Prozess

Angefangen habe alles mit der ├ťberlegung, welchen Weg der Betrieb nehmen sollte, als Hartkemeyer ihn vor sieben Jahren von seinem Vater ├╝bernahm. Die biodynamische Landwirtschaft nach Demeter schien ihm die ideale Form zu sein: Der Hof als lebendiger Organismus, in dem Prozesse ablaufen, die es zu begreifen gilt. So hatten beispielsweise nicht alle Mitglieder von Beginn an eine gro├če Bio-Affinit├Ąt. "Der Weg dorthin kam zwangsl├Ąufig", erinnert sich der studierte Landwirt und P├Ądagoge. "Wer Geld in die Erzeugung eigener Lebensmittel investiert und direkten Einfluss auf die Wirtschaftsweise hat, entscheidet sich f├╝r Nachhaltigkeit, gegen Pestizide und Gentechnik und will eine artgem├Ą├če Tierhaltung."

Es geht darum, eine eigendynamische, vielf├Ąltige Landwirtschaft zu erm├Âglichen.

Das Solidarische ist f├╝r Hartkemeyer nur ein Aspekt des Hofsystems. Dabei geht es ihm um mehr als um einen wirtschaftlich funktionierenden Biohof mit m├Âglichst vielen neuen Biokundinnen und -kunden. Er will "nicht nur Bioprodukte verkaufen, sondern eine eigendynamische, vielf├Ąltige Landwirtschaft erm├Âglichen!" Seinen CSA Hof versteht und organisiert er daher auch als Bildungsprojekt. Beispielsweise verfolgt er das Ziel, der Entfremdung von der Lebensmittelproduktion entgegenzuwirken und durch Erlebnisse Erkenntnis zu schaffen. Seine Erkenntnisse h├Ąlt er als Autor in einer Reihe von B├╝chern fest. Au├čerdem gibt es eine eigene Kita, die t├Ąglich zw├Âlf Kinder handlungsorientiert betreut. So wird schon f├╝r die J├╝ngsten Raum f├╝r Begegnungen mit Landwirtschaft geschaffen.

Autor: Oliver Z. Weber

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsportr├Ąt: CSA Hof Pente

Der CSA Hof Pente wirtschaftet solidarisch. Das hei├čt, die Lebensmittel werden nicht ├╝ber den Markt vertrieben, sondern flie├čen in einen von Teilnehmerseite mit organisierten und finanzierten, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf.
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Letzte Aktualisierung 05.01.2016

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