Demeterhof Walz

Demeterhof Walz: Getreide voll Liebe und Leidenschaft

Alte Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn und Emmer haben ihre Bedeutung für die moderne Ernährung fast gänzlich verloren. Doch aktuell werden gerade im Ökolandbau die als unverfälscht geltenden Getreidesorten wieder entdeckt. Das Betriebsleiterehepaar Michaela und Andreas Walz hat sich zur Aufgabe gemacht, einige dieser alten Sorten vorm Aussterben zu retten. Das bedeutet Pionierarbeit, denn das Wissen um Emmer, Einkorn & Co. ist fast vollständig verloren gegangen.

Uralte Sorten neu entdeckt

Champagnerroggen, Schwarzes Einkorn und Weißer Urdinkel - bereits der Klang dieser Namen macht neugierig. Was wie eine innovative Marketingidee oder eine raffinierte Produktneuerscheinung klingt, sind in Wirklichkeit uralte Getreidesorten. Am ältesten ist das Einkorn, das bereits vor 8.000 Jahren angebaut wurde. Den Sommeremmer kannten bereits Kleopatra und die alten Ägypter, die vor 6.000 Jahren lebten. Und der Kreuzritterweizen kam im 12. Jahrhundert während der Kreuzzüge mit Richard Löwenherz nach Deutschland.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gerieten viele der alten Getreidesorten in Vergessenheit. Sie passten nicht mehr zu der auf Höchstleistung getrimmten Landwirtschaft. Immer mehr neue Züchtungen sollten immer mehr Erträge liefern. Deswegen sind die alten Sorten heute vorm Aussterben bedroht. Die Biolandwirte Michaela und Andreas Walz vom gleichnamigen Demeterhof wollten dieser Entwicklung entgegenwirken. "Wir hatten kein Interesse daran, Massenware zu produzieren. Und waren neugierig auf die alten Sorten", erklärt Michaela Walz ihren Entschluss, sich mit dem Thema zu beschäftigen. 2002 wandten sie sich an die Genbank Gatersleben in Sachsen-Anhalt. Dort bekamen sie ein paar Kilo Saatgut von aussterbenden Sorten.

Wir hatten kein Interesse daran, Massenware zu produzieren.

Lebendige Vielfalt erhalten

Nun stand Familie Walz vor einer echten Herausforderung, denn das Wissen über die alten Sorten war über die Jahre verloren gegangen. Statt in Lehrbüchern zu blättern, hieß es nun ausprobieren und eigene Erfahrungen zu Aussaat, Ernte oder Bodenpflege sammeln. Für den bayrischen Demonstrationsbetrieb bedeutete das hohe Investitionskosten, vor allem in Arbeitszeit, und gelegentlich auch Misserfolge. Dennoch sind sie heute sehr zufrieden, diesen Schritt gewagt zu haben. Andreas Walz sieht in den alten Sorten immer auch ein Stück Heimat. "Ich kann mich mit dem Getreide identifizieren. Es ist aus meiner Region und Teil meiner Geschichte", schwärmt er.

Außerdem unterstützt die Familie Walz auf diese Weise auch den Erhalt der biologischen Vielfalt. Und dass ihnen diese am Herzen liegt, kann jeder, der an ihrem Feld vorbei geht, sehen und hören: Klee wächst am Wegesrand, Wildbienen summen an den Ähren vorbei, die Wegwarte bringt blaue Farbtupfen ins goldene Feld, Grillen zirpen, Grashüpfer springen. "Ein gesunder Boden ist das A und O", verrät Andreas Walz. Denn nicht nur Regenwürmer fühlen sich dann wohl hier, sondern auch andere Insekten wie zum Beispiel Laufkäfer. Beikräuter werden bei den Walz nicht entfernt und eine wechselnde Fruchtfolge ist für sie unabdingbar.

Tiere gehören für sie ebenfalls auf den Demeterhof, denn diese seien nun einmal Teil der Kreislaufwirtschaft. Die Mutterkuhherde und "Kare" werden auf der Weide oder im Laufstall gehalten. Sie dienen als Raufutterverwerter und Düngerlieferant.

Wachsender Erfolg

Der Großteil des Getreides und das Fleisch gehen in die Direktvermarktung. Die meisten Produkte verkauft Michaela Walz über den Hofladen: Nudeln, Grieß, verschiedene Brotsorten und die Spezialität "Reis aus Getreide". Diese besondere Rarität wird auf dem Hof veredelt, indem die äußere Schicht des Korns wegpoliert wird. Der Getreidereis hat einen urtümlichen Geschmack und kann als Beilage, für Risotto oder Milchreis verwendet werden. Da er eine kulinarisch spannende Abwechslung darstellt, wurde er auch schon von Großkantinen-Köchen bestellt.

Gerade Kundeninnen und Kunden, die mit Getreideunverträglichkeit zu kämpfen haben, kaufen gerne im Hofladen der Walz ein. Sie berichten, dass es für sie bekömmlicher sei, wenngleich dies wissenschaftlich noch nicht bewiesen ist. Andreas Walz ist allerdings davon überzeugt, dass die Qualität der Getreideprodukte zur Hälfte das Korn und zur anderen die Verarbeitung ausmacht.

Demnächst startet Familie Walz einen neuen "Testballon" und versucht die Idee der Sozialen Landwirtschaft zu verwirklichen. Interessierte sind eingeladen, beim Säen oder Ernten auf dem Hof zu helfen. Im Gegenzug erhalten sie ein regelmäßiges Lebensmittelpaket mit Getreide- und Wurstprodukten. Andreas Walz ist sich noch nicht sicher, ob das Angebot ohne Gemüse im Paket erfolgreich wird. Aber ihm ist bewusst: "Man darf nicht stehen bleiben." Die Devise zahlt sich bisher aus, die ersten Anmeldungen sind schon eingegangen.

Man darf nicht stehen bleiben

Bewähren sich die alten Getreidesorten in der Anbauregion Amberg in der Oberpfalz, dann werden Michaela und Andreas Walz sie möglicherweise als Erhaltungssorte beim Bundessortenamt anmelden. Und leisten damit einen weiteren Beitrag zur Sicherung der biologischen Vielfalt und zur Erhaltung der Tradition.

Autorinnen: Karin Wilhelm, Kathrin Billgen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Demeterhof Walz

Zwei Kilometer westlich vom Amberger Stadtgebiet, am Rande des Naturparks Hirschwald, liegt der Biohof Walz. Eine biologische Kreislaufwirtschaft ist für Michaela und Andreas Walz selbstverständlich. Konkret bedeutet das den Erhalt alter Getreidesorten, Rinder als Raufutterverwerter und Düngerlieferanten sowie Futter, das auf dem Hof erzeugt wird.
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Letzte Aktualisierung 29.09.2014

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