Die Magie der Rose

Die Magie der Rose

Genuss für alle Sinne auf dem Rosenhof Taubertal

Ein Spaziergang über den Rosenhof Taubertal ist zu dieser Jahreszeit ein berauschender Genuss für die Sinne. Die Augen können sich kaum satt sehen an den Farben und der Schönheit der Rosenblüten. Betörend ist der Duft, den die ätherischen Öle der Blütenblätter verströmen und der das ganze Rosenfeld überzieht. Früh am Morgen, gegen fünf Uhr, wenn der Tau auf den samtenen Blättern der Rose perlt und die Rosenblüten beginnen aufzugehen, ist der beste Zeitpunkt, um die zarten Blütenblätter per Hand zu pflücken. Rasch werden die Blüten der "Königin der Blumen" gekühlt  und verarbeitet. Nur so bleiben die ätherischen Öle erhalten und können ihre ganze positive Wirkung entfalten.

Was nach dem Paradies auf Erden klingen mag, ist für Reinhold Schneider vom Rosenhof Taubertal in Creglingen Alltag, Beruf und Passion zugleich. In diesem Jahr fällt der Genuss für Augen, Nase und Gaumen allerdings bescheidener aus. Äußerlich sieht trotz der Trockenheit alles gut aus im Rosenacker. Aber das täuscht - die Rosen im Taubertal sind zu großen Teilen erfroren. Mitte Mai hat auf dem Rosenfeld  eine Forstnacht  mit minus sechs Grad etwa 90 Prozent der noch geschlossenen Blütenknospen zerstört. "Wenn ich die äußerlich noch grünen Knospen öffne, sind von 100 Stück etwa 95 innen schwarz-braun verfärbt und damit tot - sie werden nicht mehr aufblühen", so Reinhold Schneider. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm. Da die meisten der alten historischen Rosenarten nur einen Blütenflor pro Jahr bilden ist bereits jetzt klar, dass es manche der gefragten Rosenprodukte des Hofes in diesem Jahr nicht geben wird. Auch die Rosenfreunde werden bei den Führungen nicht das gewohnte Bild eines überreich blühenden Rosenfeldes zu sehen bekommen. 

Pionier im Rosenanbau

Der Demonstrationsbetrieb Rosenhof Taubertal liegt etwa 40 Kilometer südlich von Würzburg. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren gründete der Obstbauer und Gärtner Reinhold Schneider im Jahr 1986 seinen eigenen Demeter-Betrieb. Zunächst spezialisierte er sich auf den Anbau von bunten Salaten und die Vermehrung von Teekräutern und Arzneipflanzen. Recht bald kamen einige Hektar Streuobstwiesen, vor allem mit Äpfeln und Quitten, hinzu. Zehn Jahre nach Gründung des Betriebes fanden Rose und Gärtner endlich zusammen. Dabei spielte der sinnliche Genuss eine wichtige Rolle - es war der Duft dieser königlichen Blumen, der ihn begeisterte.

Reinhold Schneider ist einer der Pioniere in der Biokultur von Duft- und Heilrosen und konzentriert sich von Anfang an auf die Anzucht und Anpflanzung geeigneter Arten historischer Rosen. 120 verschiedene Sorten kultiviert er inzwischen, um diese alten Sorten zu erhalten. Zwölf davon baut er auf seinem Hof an. Dabei schwört er auf Schätze wie die 200 bis 1200 Jahre alten Sorten: Rosa damascena, Rosa alba, Rosa gallica und Rosa centifolia. Sie stammen ursprünglich aus Kleinasien und wurden zum Teil schon in der Antike kultiviert. Ihr reintöniger Duft lässt uns genießerisch die Augen schließen, auch wegen ihrer Heilwirkung werden sie sehr geschätzt. 

Genuss pur

Der Rosenhof Taubertal verfolgt bis heute seine ganz eigene Betriebs-Philosophie: es werden hochwertige und standortangepasste biologisch-dynamische Erzeugnisse angeboten und möglichst viele davon selbst vermarktet. Ein sinnlicher Genuss sind die vielfältigen Produkte, die aus den frischen Blütenblättern entstehen. Als Grundlage dient häufig der Rosensaft, der aus den Rosenblütenblättern und eigenem Apfelsaft hergestellt wird. Dem Gaumen schmeicheln die alkoholfreie Rosenbowle und das köstliche Rosengelee, exklusiver Rosenessig, das Rosenwasser "Cuvee" und das Rosenmus - alles wird von Reinhold Schneider direkt vor Ort zubereitet und vermarktet.

Die hohe Qualität der Produkte belegen mittlerweile mehrere Auszeichnungen, zum Beispiel der "Best of Bio Juice Award 2006" der Biohotels für seinen Rosensaft. Im Jahr 2010 war Reinhold Schneider einer der Preisträger des Ideenwettbewerbes Baden-Württemberg für sein Gesamtkonzept "Genießerrosen aus dem Taubertal."

Auch an andere Demeter und Bioland-Partnern werden die duftenden, frischen Blütenblätter geliefert. Daraus entstehen bei den verschiedenen Partnern Produkte wie Rosenjoghurt, Rosenjoghurteis, verschiedene alkoholische Getränke wie einen Rosengeist und Rosensekt. Das Weingut Rothe, ein Demonstrationsbetrieb aus Franken, verarbeitet die frischen Blütenblätter zu Rosenlikör.

Das Rosenmus von Reinhold Schneider wird von den Beerenbauern, die ebenfalls zu den Demonstrationsbetrieben gehören, zu verschiedensten leckeren Fruchtaufstrichen weiterverarbeitet.

Auch Partner-Restaurants und privaten Küchen haben den luxuriösen Genuss der Rosen für sich entdeckt. So ist das exquisite Rosenmenue "Coq a la Rose" samt "Rosentiramisu" als Nachspeise nicht nur bei frisch Verliebten gefragt. 

Schönheit und ein bisschen Luxus

Neben kulinarischen Genüssen gibt es auch ein medizinisches und kosmetisches Rosenprojekt, ermöglicht durch den Anbau der Wildrose Rosa rubiginosa. Diese seltene Rose ist auf der Nordhalbkugel heimisch und gedeiht im Taubertal prächtig. Durch ihren heckenartigen Wuchs und ihre Dornen ist sie oft Bestandteil "lebender" Weidezäune. Sie blüht dunkelrosa, wurzelt tief und wächst auf steinigen, kalkhaltigen Böden mit einer Wuchshöhe von bis zu zwei Metern. Bei dieser Wildrose werden nicht nur die Blütenblätter, sondern auch das Laub geerntet und bei der Firma Weleda zu einem Wildrosen-Deodorant und Gesichtswasser weiterverarbeitet.

Partnerschaft und Wissensaustausch

Auf langjährige Partnerschaften setzt Reinhold Schneider auch in anderen Bereichen. So kooperiert er im Landbau mit dem Demeter-Betrieb Striffler und tauscht Kuhmist gegen das Heu vom eigenen Betrieb.

Die Mitarbeit des Rosenspezialist Reinhold Schneiders im "Netzwerk des guten Geschmackes" als Mitglied von SlowFood ist sehr gefragt. Gerne gibt er sein Wissen zur Geschichte, Anbau und Verwendung der Rosen bei Führungen auf seinem Hof, der zum Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau gehört, weiter. Seine über Jahre angeeigneten, landwirtschaftlichen, wissenschaftlichen und historischen Kenntnisse vermittelt er bei mehrtägigen Rosenseminaren und Kräuterexkursionen. Dabei reichen die Themen von der Sortenvielfalt der Rose und ihrer Geschichten, über die Verwendung als Heilpflanze, Körperpflege- und Genussmittel bis zur biologischen Rosenpflege und dem speziellen Pflanzenschutz. Erfahrungsaustausch ist immer erwünscht.

Eine Exkursion ins Rosenfeld in Taubertal ist eine genießerische Auszeit vom Alltag, dabei kann man sich gleich vom reichhaltige Angebot der Rosenköstlichkeiten für das eigene Wohlbefinden überzeugen. 

Die Rose, eine Pflanze für alle Sinne!

Autorin: Adrienne Bogdan und Sandra Hübner

Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau und Kräuter- Obst- und Rosenhof Taubertal


Betriebsporträt: Kräuter-, Obst- und Rosenhof Taubertal

Reinhold Schneider bewirtschaftet seit 1986 seinen Kräuter-, Obst- und Rosenhof im Taubertal nach Demeter-Richtlinien. Von zentraler Bedeutung ist der Humusaufbau mit Hilfe der biologisch-dynamischen Präparate. Auf dem Creglinger Biobetrieb kultiviert er zahlreiche Obstarten, Arzneipflanzen und Wildrosen für Kosmetik und Heilmittel sowie Duftrosen für verschiedene Rosenköstlichkeiten.
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Letzte Aktualisierung 04.05.2011

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