Friesische Schafskäserei

Friesische Schafskäserei: Wassergräben für die Vielfalt

Bei der Friesischen Schafskäserei im norddeutschen Tetenbüll wird das Zusammenspiel von Ökolandbau und Naturschutz täglich gelebt. Kurz nach der Hofübernahme forderte die Politik ein Vertragsnaturschutz-Programm für die Halbinsel Eiderstedt. Die Betriebsleiter Monika und Redlef Volquardsen brachten zusammen mit der Stiftung "Aktion Kulturland" und fünf weiteren Biobetrieben ihre Ideen dafür ein. Die Weidewirtschaft sollte praxistauglich mit dem Naturschutz verbunden werden. Doch im ersten Schritt galt es, die Vorbehalte der Landwirtinnen und Landwirte aus der Region zu entschärfen. Heute wissen die Volquardsens, dass sich die Mühen gelohnt haben.

Brennende Strohballen

Das Grünland auf der Halbinsel Eiderstedt ist einerseits bedeutendes Brut- und Rastgebiet für Vögel, andererseits ein traditionelles Weidemastgebiet für die Landwirtinnen und Landwirte. 2003 kam deswegen unter dem schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsminister Klaus Müller der Wunsch auf, diese Region zu einem Vogelschutzgebiet zu machen. Das kam beim Großteil der Eiderstedter Bäuerinnen und Bauern jedoch nicht gut an. Zu groß waren die existenziellen Ängste in dieser Zeit und die Sorge, dass die Einrichtung eines Naturschutzprogramms zu starken Einschränkungen im landwirtschaftlichen Alltag führen würde. 

"Die Stimmung war so aufgeheizt, als würde man hier ein Atommülllager einrichten wollen. Es brannten sogar Strohballen", erinnert sich Redlef Volquardsen. Er hatte zu dieser Zeit zusammen mit seiner Frau Monika den elterlichen Betrieb übernommen. Für ihn war es eine Rückkehr nach Nordfriesland, für die Baden-Württembergerin das Kennenlernen einer neuen Region. Die intensive und sehr emotional geführte Debatte hätte abschreckend wirken können. Doch beide sahen sie als Chance, die Zukunft der Landwirtschaft in Eiderstedt mitzugestalten   

Naturschutzkonzept für alle Betriebe

Deswegen taten sie sich mit fünf weiteren Biobetrieben aus der Region zusammen. Über ein halbes Jahr lang arbeiteten sie mit dem Landesamt für Umwelt und Naturschutz einen Entwurf aus, wie ein Vertragsnaturschutzprogramm aussehen könnte. Gemeinsam hatten sie das Ziel, dass alle regionalen Betriebe, vom intensiven Milchbetrieb bis zum extensiven Mut-terkuhbetrieb, den Naturschutz in ihre Arbeit integrieren können. 

Wie schaffen wir es, dass die nordfriesische Weidewirtschaft wieder finanzierbar für die Bauern ist?

Nach der Theorie kam die Praxis und sie entwickelten mit der Stiftung "Aktion Kulturland" als Träger ein Projekt, um auszuprobieren, ob das Programm zukunftsfähig sei. "Die hiesigen Bauern erwirtschafteten kaum noch Gewinne mit ihrem Land. Uns bewegte deswegen die Frage: Wie schaffen wir es, dass die nordfriesische Weidewirtschaft wieder finanzierbar für die Bauern ist?", resümiert Redlef Volquardsen ihre Motivation. 

Die Unterstützung des Programms damals war alles andere als einfach. Die Volquardsens trafen auf viel Unverständnis und Anfeindung in ihrer direkten Nachbarschaft. Doch heute freuen sie sich, dass sich das Förderprogramm durchgesetzt hat: "Es ist eines der erfolgreichsten Programme bundesweit!" Die Zahlen geben ihnen recht: Ein Jahr nach der Einführung beteiligten sich bereits um die 50 landwirtschaftliche Betriebe, inzwischen sind es rund 280 von etwa 300 Betrieben, die auf der Halbinsel wirtschaften.

Ampelsystem für die Vielfalt

Kern des Naturschutzprogramms ist die Bewirtschaftung von Grünland. "Wir wollten vor allem wieder wertvolle Wasserflächen auf dem Land schaffen", erklärt Volquardsen. Konkret bedeutet das, Wassergräben anstelle eines klassischen Zauns zu erhalten. Diese bieten Lebensraum für über hundert Tierarten wie beispielsweise den Dreistachligen Stichling. Dieser ist wiederrum eiweißhaltiges Futter für die brütende Trauerseeschwalbe und andere Vögel. Auch einige Pflanzen wachsen besser am Wasser, so zum Beispiel die Krebsschere, die von der Trauerseeschwalbe besonders gerne als Nistunterlage verwendet wird.

Ein zweiter grundlegender Aspekt ist die Regulierung, wann das Grünland gemäht werden kann. Es geht darum, Raum zum Brüten zu schaffen. Weitere Stellschrauben sind der Einsatz von Dünger und die Anzahl der Tiere, die auf der Fläche gehalten werden dürfen. Ein Ampelsystem sieht drei Stufen mit unterschiedlich strengen Auflagen vor. 

Die beteiligten Betriebe werden für die Einhaltung der Bewirtschaftungseinschränkungen je Kategorie und Hektar entschädigt. Die geringsten Einschränkungen haben die grünen Flächen. Hier gibt es keine Vorgaben zur Anzahl von Tieren oder beim Düngereinsatz. Es sind Wassergräben aufgestaut und ab dem 10. Mai kann gemäht werden. Am umfangreichsten sind die roten Flächen: Es darf nicht gemäht werden, nur vier Rinder beziehungsweise zwölf Schafe pro Hektar sind erlaubt und 10 Prozent der Fläche muss als Biotop gestaltet werden, indem beispielsweise Wasserpfützen angelegt werden.

Wenn wir im Frühjahr über das Land gehen, und die Feldlerche singt, dann gehört das zu unserem Lebensglück.

Die Wirkung des Ampelsystems ist zählbar positiv. "Die Wiesenbrüterzahlen nehmen immer weiter ab, nur auf den Naturschutz-Flächen bleiben sie gleich", erklärt Monika Volquardsen. Auch die "Aktion Kulturland" konstatiert auf ihrer Website: "Kiebitz und Uferschnepfe brüten überdurchschnittlich oft auf den Projektflächen". Und das erfreut Monika und Redlef Volquarsen natürlich besonders, weil die Uferschnepfe auf der Roten Liste der bedrohten Tiere steht. Aber auch grundsätzlich gehört der Naturschutz einfach zu ihrem Betriebsverständnis: "Wenn wir im Frühjahr über das Land gehen, und die Feldlerche singt, dann gehört das zu unserem Lebensglück."

Autorin: Karin Wilhelm

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Friesische Schafskäserei

Schafskäse hat in Nordfriesland und in der Familie Volquardsen lange Tradition. Ab 2003 wandelten Monika und Redlef Volquardsen den elterlichen Bioland-Rindermastbetrieb Schritt für Schritt zu einem Milchschafhof mit Hofkäserei und Direktvermarktung um.
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