frischeKISTE

frischeKISTE: Vermarktung 2.0

Den Newsletter gibt es schon von Anfang an – damals kam er noch per Fax. Heute bespielt der Demonstrationsbetrieb frischeKISTE die gängigen Social-Media-Kanäle und spricht damit sowohl bereits bestehende als auch potenzielle Kundschaft an. Das Kerngeschäft des Biolandbetriebs in Niedersachsen: Er verschickt pro Woche rund 1.000 Biokisten an Abonnentinnen und Abonnenten. Die Digitalisierung unterstützt nicht nur die Vermarktung des Biobetriebs, sondern auch die Logistik des Abolieferservices. 

Pioniere der Bio-Abokiste

In der Lagerhalle des Demonstrationsbetriebs frischeKISTE in Niedersachsen verschwinden die letzten Tomaten in den grünen Kisten, die für den Aussand fertig stehen. Ein typisches Szenario zum Ende einer Arbeitswoche auf dem Bioland-Betrieb, in der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über 1.000 Biokisten in Lieferwagen gestapelt und ausgefahren haben. Bereits seit 1991 sind Jochen Voigt und Heinz-Jürgen Michel im Abokistengeschäft – seit 2001 dann gemeinsam. Für die Biokisten-Pioniere war dieses Vermarktungsmodell von Anfang an ein besonderes Instrument, verrät Jochen Voigt. "Das Gute daran ist, dass wir den Kisteninhalt variieren können. In die Kiste kommt, was gerade Saison hat." Diese Form der Direktvermarktung setzt trotz hoher Flexibilität eine präzise Organisation voraus: In den Schulferien beispielsweise pausieren einige Abos. Dies sind Ausfälle, die bereits bei der Aussaat einkalkuliert werden müssen.

Eine Herausforderung kann auch der Erntezeitpunkt der über 30 Kulturen auf dem Acker darstellen. Das macht die Ernte zum Teil sehr kleinteilig und aufwendig. "Wir legen zum Beispiel am Anfang der Woche fest, dass Radieschen in die Kiste kommen. Die sind am Montag noch gut, am Dienstag vielleicht schon nicht mehr. Da ist gegebenenfalls schon ein Tag entscheidend", erklärt Heinz-Jürgen Michel. Es kann auch vorkommen, dass die Nachfrage nach bestimmtem Gemüse so groß ist, dass die Erträge des sechs Hektar großen Ackers nicht ausreichen. Dann kauft die frischeKISTE Bioprodukte von anderen Erzeugern aus der Region zu. Manchmal ist es auch umgekehrt: "Momentan haben wir etwa 25 Kilogramm Zucchini, bestellt wurden aber nur acht. Wie bringen wir dann den Ernteüberschuss unter? An dieser Stelle ist geschicktes und aufwendiges Marketing gefragt", erklärt Michel. "Das ist es uns wert, weil wir möglichst keine Lebensmittel wegschmeißen." Um Überschüsse zu vermeiden, verlassen sich Voigt und Michel bei der Planung auf ihre langjährige Erfahrung – und auf ein Computersystem. 

Digitaler Wocheneinkauf

Die Software im Hintergrund hilft, den Überblick zu behalten: "Wir arbeiten mit einem speziellen Programm für Biolieferdienste, stellen aber bald auf ein neues um. Unser Anspruch ist, uns technisch immer weiter zu entwickeln." Denn Michel ist überzeugt: "Die nächsten Generationen sind an das schnelle Einkaufen mit dem Handy gewöhnt. Das ist die Zukunft und deshalb müssen wir in dem Bereich dranbleiben." 

Zitat: Die nächsten Generationen sind an das schnelle Einkaufen mit dem Handy gewöhnt.

  Mit ihrem Knowhow behaupten sie sich außerdem gegen die Lieferangebote von großen Supermarktketten. Der wichtigste Vorteil des Demonstrationsbetriebs ist die Öko-Bilanz. Zum einen ist die frischeKISTE eine Mehrwegbox, zum anderen sind Lieferroute und -region festgelegt, sodass die Strecken möglichst kurz bleiben. Zusätzlich fahren alle drei Lieferwagen mit Erdgas, schon seit 15 Jahren. Auch hier setzt Michel auf technischen Fortschritt: „Für den Übergang ist der Erdgasantrieb ganz gut. Aber in Zukunft möchten wir auf regenerative Energien umsteigen. Wir wollen rundum ökologisch und nachhaltig arbeiten: vom Anbau bis zur Auslieferung." Einschlägige Argumente, die der Leiterin der Bereiche Kundenservice und Marketing, Natalie Wilke, in die Hände spielen.

Kundenbindung: Die Mischung macht`s

Was zählt, ist die Transparenz: "Social Media nutzen wir, um beispielsweise Alltagssituationen zu zeigen, Ökolandwirtschaft zu erklären und Interessierte virtuell mit aufs Feld zu nehmen." Eine gute Möglichkeit, Menschen auf die Herkunft ihrer Lebensmittel neugierig zu machen. Wer wissen will, wie sein Mangold aus der Abokiste wächst, kann gemeinsam mit Jochen Voigt den Acker besuchen. Die frischeKISTE versteht sich als Bio- und Genussbotschafter. Ihr Auftrag: Mit allen Sinnen Bio erleben – sowohl im Web 2.0, als auch auf dem Feld neben Brokkoli, Rote Bete und Co. und zu Hause beim Auspacken der Kiste. 

Heutzutage ist es etwas Besonderes seinen Lebensmittellieferanten persönlich zu kennen.

Um die Brücke vom Bildschirm zum Produkt zu schlagen, ist der persönliche Kontakt zu den Kundinnen und Kunden das A und O. Deshalb stellt die Marketingleiterin online Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor und gibt dem Unternehmen auf diese Weise ein Gesicht. Die frischeKISTE macht auch Herausforderungen sichtbar, zum Beispiel Trockenheit im Sommer. Diese Offenheit danken die Abonnentinnen und Abonnenten dem Demonstrationsbetrieb mit viel Verständnis, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant. Das schafft Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Voigt erinnert sich: "Früher gab es noch den einen Milchmann, der regelmäßig vorbeikam. Heutzutage ist es etwas Besonderes seinen Lebensmittellieferanten persönlich zu kennen." – Und das zeichnet die frischeKISTE aus.


Autorin: Lisanne Rother

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Bioland-Betrieb frischeKISTE

Der Bioland-Betrieb frischeKISTE ist eine Hofgemeinschaft in Syke. Eine große Vielfalt an Gemüse wird nach Bioland-Richtlinien angebaut. Die frischeKISTE liefert im Raum Bremen-Oldenburg frei Haus Erzeugnisse aus der eigenen Ernte sowie ein umfassendes Sortiment an Bio-Lebensmitteln.
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Letzte Aktualisierung 19.12.2018

Demonstrationsbetrieb Ökolandbau des Monats

Drei Menschen sitzen auf einer Bank.

Weingut Arndt F. Werner

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