Demonstrationsbetriebe


Haaf Biohof: Wenn Hunde Hennen hüten

Mann und Frau lächeln in die Kamera. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Thomas und Lucia Haaf führen einen Biolandhof mit Ackerbau und knapp 6.500 Legehennen.

Landwirt Thomas Haaf ist auf den Hund gekommen: Nicht fürs Haus und für die Kinder, sondern für seine fast 6.500 Legehennen. Fuchs und Habicht haben so viele Tiere gerissen, dass Haaf einen Wachtrupp von vier Pyrenäenberghunden anschaffte. Seither fühlen die Hühner sich wieder sicher und der Landwirt kann wieder ruhig schlafen.

Haaf bewegt Hühner

Biolandwirt Thomas Haaf ist schon mit der ökologischen Landwirtschaft groß geworden. Vor zehn Jahren hat er den Hof übernommen, den seine Eltern bereits 1989 auf Bio umstellten. Thomas Haaf und seine Frau Lucia bauten die Legehennenhaltung und Vermarktung in den vergangenen Jahren aus.

Ansicht auf einen der vier Mobilställe. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Seit 2011 haben die Haafs schon vier Mobilställe angeschafft: Das ist gut für die Hühner und für den Acker.

"Die Haltung in Hühnermobilen war für uns die ideale Lösung", berichtet Thomas Haaf und ergänzt: "Weil wir den Stall alle paar Wochen auf eine saftige Wiese weiterfahren, haben die Hühner immer frisches Grün zum Zupfen, können sich bewegen, picken, scharren und staubbaden. Dabei schauen ihnen die Spaziergänger gerne zu und sehen, wie gut es den Tieren geht, wie vital und gesund sie sind. Eine bessere Werbung gibt’s nicht. Und eine bessere Düngung für unsere Äcker auch nicht."

Großer weißer Hund liegt inmitten von einer Gruppe Hühner. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Weil sie hohe Verluste durch Füchse und Greifvögel hatten, schafften die Haafs sich vier Pyrenäenberghunde an.

Leider bekam die Freude über die Win-win-Situation im Hühnermobil schnell einen herben Dämpfer. "Vor allem durch Füchse, aber auch durch Habicht und Eule hatten wir im vergangenen Jahr Verluste von hunderten Tieren", erinnert sich Haaf. "Wir mussten uns schnell etwas überlegen und hörten von Hunden, die Hühner beschützen: Pyrenäenberghunde. Wir kauften im Herbst 2017 unseren ersten Hund Rocky, noch skeptisch, ob er die Herde als seine eigene annehmen würde. Es kam uns wie ein kleines Wunder vor, dass er ohne große Eingewöhnung und Erziehung die Hühner "adoptierte" und sich nach wenigen Tagen für sie verantwortlich fühlte. Seitdem gingen die Verluste auf nahezu Null zurück." In der Dämmerung hört man Rocky häufig bellen und ahnt, dass der riesige weiße Hund gerade Eindringlinge vertreibt. Warum tut er das? "Das liegt in den Genen", erklärt der Hundebesitzer. "Rocky ist zudem im Hühnerstall geboren und aufgewachsen, er fühlt sich deshalb verantwortlich."

Hund und Hühner leben im selben Stall

Zwei Menschen untersuchen Hühner auf dem Feld. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die jungen Hunde müssen lernen, wer der Chef ist. Der darf auch mal ein Huhn untersuchen.

Inzwischen hat Rocky Gesellschaft bekommen von Lassie, Luc und Lola, drei junge Hunde, die als Welpen im Frühjahr auf den Hof kamen. Die weißen Hunde wirken majestätisch mit einer imposanten Größe von 70 bis 80 Zentimetern. Schon allein dadurch schrecken sie Feinde ab. Sie zeichnen sich durch ihre ausgeprägte Wachsamkeit aus, sind dabei aber ruhig und souverän. Die Hunde haben einen Hang zu Unabhängigkeit und Eigeninitiative. Sie freuen sich zwar, wenn das Ehepaar Haaf kommt, bleiben aber ein wenig scheu und fordern keine Streicheleinheiten ein. "Einmal, als ich einige Hühner, die abends nicht allein in den Stall gegangen sind, reinbringen wollte, hat der Hund mich ordentlich angeknurrt", berichtet Haaf mit einem Schmunzeln und ergänzt: "Er signalisiert sogar mir, seinem Chef und Futtergeber: Das ist mein Huhn. Ich freue mich, dass er seinen Job so gut macht – und bleibe natürlich weiter der Chef. Das akzeptiert der Hund auch."

Die Haltung in Hühnermobilen war für uns die ideale Lösung.

Die Legehennen fühlen sich unter den Hunden, die übrigens auch nachts im Hühnerstall schlafen, sicher. Furchtlos sind sie auf dem Gelände auf Erkundungstour und gehen ihrer Lieblingsbeschäftigung, der Futtersuche, dem Picken und Scharren nach. "Natürlich reicht das nicht", erklärt Landwirt Haaf. "Die Tiere bekommen noch eine Futtermischung aus größtenteils selbst angebauten Kulturen wie zum Beispiel Mais, Soja, Erbsen, Ackerbohnen und Kleegras. Haaf arbeitet mit seinem Kollegen Joachim Derr zusammen, der in einer eigenen Mischanlage das Futter für beide Betriebe herstellt. So wissen beide genau über die Zusammensetzung Bescheid, nutzen heimische Eiweißfuttermittel anstelle von importiertem Soja und unterstreichen damit ihre nachhaltige Wirtschaftsweise.

Vielfältige Vermarktung in der Region

Zwei Eier Mit dem Aufdruck "Haaf" und dem Kennzeichnungscode. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
"Haaf bio land hof - wir bewegen unsere Hühner". Der Slogan zum Logo ist zweideutig: Die Hühner haben einen mobilen Stall und viel Auslauf.

Haaf kümmert sich im Gegenzug um die Vermarktung der Eier. Vor einigen Jahren hat er in eine neue Maschine für die Abpackstation investiert. Auf dem Ei steht nicht nur der vorgeschriebene Code für die Herkunft des Eies, sondern auch das Logo des Hofs. Die Codenummer zeigt, von welchem Betrieb die Eier kommen und sogar in welchem Stall das Ei gelegt wurde. Haaf packt für sich und den Kollegen Joachim Derr in seiner Packstelle die täglich gelegten Eier. Kapazitäten hätte er für eine größere Menge, will derzeit aber gar nicht weiterwachsen. "Die Kooperation klappt super und macht es für uns einfacher. Da möchte ich erst einmal keine neue Unruhe", berichtet Haaf.

Seitdem die Hunde da sind, gingen die Verluste auf nahezu Null zurück.

Kleine Auswahl an verpackten Produkten des Biobetriebs. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Ein kleiner Teil der Eier wird mit dem hofeigenen Getreide auf einem Biobetrieb in der Region zu Nudeln verarbeitet.

Die Eier gehen an den Lebensmitteleinzelhandel, zum Beispiel Rewe, Tegut und Edeka, aber auch an Bioläden, Bäcker, Großküchen und Kindergärten. Die Junghennen bekommt Haaf von einem Aufzuchtbetrieb, mit dem er schon lange vertrauensvoll zusammenarbeitet. "Das klappt super. Wir haben noch nie massive Gesundheitsprobleme, Federpicken oder sonstiges gehabt", freut sich Haaf. Aus Eiern, die beispielsweise, weil sie noch zu klein sind, nicht vermarktet werden können, machen die Haafs in Kooperation mit einem Biobetrieb in der Region Nudelsorten – aus Emmer, Einkorn, Dinkel und Weizen, Spaghetti, Spätzle und Spirelli. "Wir haben Spaß an der Vielfalt", sagt der Landwirt mit einem Schmunzeln, das zeigt, warum sein Beruf für ihn Berufung ist.


Autorin: Hella Hansen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Haaf Biohof

Mann und Frau Auf Feld mit Hühnern und Eiern.

Der Biohof der Familie Haaf liegt in Oberwittighausen im badischen Frankenland, direkt an der bayerischen Grenze. Der seit vielen Generationen im Familienbesitz befindliche Hof ist seit 1989 anerkannter Biolandbetrieb.
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Letzte Aktualisierung: 19.03.2019