Hof Eggers in der Ohe

Hof Eggers in der Ohe: Treffen der Generationen

Hof Eggers in der Ohe liegt in der Vierländer Elbmarsch im Süden Hamburgs und ist seit 1628 im Familienbesitz. Und das wird auch so bleiben. Denn 2012 übergab Georg Eggers die Leitung des Biobetriebes an seinen Neffen, Henning Beeken. Damit fand der Wechsel von der bereits 14. auf die 15. Generation statt. Sicherlich ist Hof Eggers in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme. Doch zeigt ihr Beispiel, wie ein Generationswechsel und eine Betriebsübergabe gelingen können.

Eine Konstante mit wechselhafter Geschichte

Man kann die Geschichte fast mit Händen greifen, die Historie der Gegend nahezu einatmen. Georg Eggers steht im ältesten wirtschaftlich genutzten Gebäude Hamburgs, dem heutigen "Museumsspeicher", der 1535 errichtet wurde. "Meine Frau und ich sind Sammler", sagt er und präsentiert antike Exponate und landwirtschaftliches Gerät, das er hier unterbringt. Einmal, als er die alten Holzbohlen erneuerte, fand er eine alte Kanonenkugel: "Vermutlich stammt die sogar noch aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg."

In der wechselhaften Geschichte der Region an der Elbschleife bildet Hof Eggers eine Konstante, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Georg Eggers kann detailreich daraus erzählen und ist froh, dass die Hof- und Familiengeschichte weitergeht. 1967 übernahm er selbst den Hof und stellte 1991 auf Biolandwirtschaft um. Nachdem er den Betrieb zunächst sechs Jahre lang an seinen Neffen verpachtet hatte, lenkt Henning Beeken nun seit einem Jahr offiziell die Geschicke. Eggers wird künftig weiterhin nicht nur mit Rat, sondern auch Tat zur Seite stehen.

"Irgendwann stand für mich fest, dass meine Lebensenergie hier hinein fließen soll"

Neue Epoche und Kontinuität

Die Übergabe an die neue Betreibergeneration ist für viele Unternehmen ein Problem und für landwirtschaftliche besonders. "Noch vor zwei Generationen war es selbstverständlich, dass Kinder die Höfe ihrer Eltern weiterführten und mehrere Generationen zusammen lebten", weiß Eggers. Doch das Leben als Bauer sei für junge Menschen heute unattraktiv. "Wenn man abends und am Wochenende frei haben will, wird das nichts." Die Arbeit eines Demonstrationsbetriebs bedeutet sogar weit mehr als nur Ackerbau und Viehzucht. Deshalb seien Leidenschaft für die Sache, Ideen für die Zukunft und Hingabe das Entscheidende. Dies alles bringt Henning Beeken mit. "Irgendwann stand für mich fest, dass meine Lebensenergie hier hinein fließen soll", erklärt der 38-Jährige. Er lebt mit seiner Frau Norma und den Kindern Emilia und Johannes im eigens neu errichteten, energieeffizienten Haus, dem jüngsten Gebäude hier. Das Haus ist damit Symbol für eine neue Epoche, aber auch für Kontinuität.

"Sanfter Tourismus" und Naturerlebnisse

Das Zusammenspiel von behutsamer Anpassung an Neuerungen bei der Pflege von Tradition, von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit ist nur schwer zu beschreiben. Schon das Ehepaar Eggers hat das erlebbar gemacht, und Henning Beeken will es erst recht. "Wir sind natürlich sehr privilegiert", gesteht er zu und meint damit die Lage des Hofes, seine Bekanntheit und Beliebtheit in der Region sowie das enorme Potenzial, gerade Altes mit Neuem zu verbinden. Ohnehin, Landwirtschaft allein reiche nicht zum Leben. Also müssen weitere Möglichkeiten ausgeschöpft, vorhandene ergänzt werden.

Die Zahl der Mastgänse ist auf einhundert angewachsen; die Direktvermarktung des Fleisches - neben Gänsen auch das von Sattelschweinen, Hühnern und Rindern - läuft verstärkt über den Onlineshop; das traditionelle Backhaus dient mehr und mehr als Veranstaltungsraum; die Termine nehmen zu; mehr Übernachtungs- und Feriengäste sollen künftig herkommen. Dazu wird ein Teil der alten Scheune in weitere Ferienwohnungen umgewandelt. Ebenso wird der Hofladen erweitert, um den sich Hennings Schwester Christine kümmert. Auch das Land Hamburg unterstützt die Idee des "sanften Tourismus" und baut den Naturrundweg aus, der durch die Elbmarsch zum Hof führt.

Die Beekens wollen noch mehr auf "Erlebnis" setzen. Die Idylle in der halboffenen Weidelandschaft, das Naturschutzgebiet, die Biolandwirtschaft und der Genuss mit allen Sinnen sollen dabei im Vordergrund stehen. "Unsere Zielgruppe sind nicht zuletzt Städter. Sie haben oft Sehnsucht nach Ländlichem und dem, was für sie 'urtümlich' ist", erklärt Beeken. Die Organisation und Betreuung der Feriengäste und Events wird von seiner Tante Christine Eggers an Gattin Norma übertragen. Eggers Senior kümmert sich um die Gänse, unterhält Besucher bei Rundgängen und ist aktiv in allem, was Öffentlichkeitsarbeit betrifft. Eingebunden ist auch der "Freundeskreis Eggers in der Ohe e.V. ", dessen mehr als 60 Mitglieder sich dem Erhalt des denkmalgeschützten Hofes verschrieben haben.

"Man kann nicht alles umwerfen. Die Kompetenzen müssen sich ergänzen."

Kompetenzen ergänzen - die Mischung macht's

Ausgangssituation und Perspektive für den Wechsel waren ideal. "Man kann nicht alles umwerfen. Maßhalten ist wichtig", findet Georg Eggers. "Die Kompetenzen der Beteiligten müssen sich ergänzen, bei fließenden Übergängen." Der neue Leiter brauche Entscheidungsfreiheit, der Scheidende müsse Dinge geschehen lassen. Wichtig ist eine solide Planung, ein Konzept für einen reibungslosen Übergang, sagt Beeken. Man dürfe nichts übers Knie brechen. "Man muss halt darauf achten, dass bei einer gesunden Mischung das Maß stimmt", sagt Georg Eggers, und sein Nachfolger nickt. Zwei Generationen, die sich einig sind - ein zentraler Aspekt bei jeder Betriebsübergabe.

Autor: Oliver Weber

demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Hof Eggers in der Ohe

Hof Eggers in der Ohe in der Vierländer Elbmarsch ist seit 1628 im Familienbesitz. In den denkmalgeschützten Betriebsgebäuden aus dem 16. und 17. Jahrhundert wird heute noch praktische Landwirtschaft betrieben. Georg und Christine Eggers haben die historische Anlage liebevoll saniert und erhalten so ein kulturhistorisches Denkmal, das einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, dem ökologischen Landbau, Raum bietet. Heute wird der Hof von den Familien Beeken und Eggers geführt.
Weiterlesen

Letzte Aktualisierung 03.09.2013

Demonstrationsbetriebe Ökolandbau

Bio live erleben!

Die Betriebe des Netzwerkes öffnen ihre Hoftore für die Öffentlichkeit.

Zu den Demobetrieben

Die BIOSpitzenköche empfehlen

Teller mit Salat

Feldsalat mit Orangen und Granatapfel

Nach oben