Hof Hahlgarten

Hof Hahlgarten: Auf gutem Grund und Boden

Dass ein Gro├čteil unserer Nahrung auf Feldern w├Ąchst, wei├č jeder. ├ťber die B├Âden selbst wissen die meisten jedoch wenig bis nichts. Ob Gem├╝se- oder Ackerbau, Feldfr├╝chte oder Blumen: Gerade f├╝r die ├Âkologische Landwirtschaft ist die Bodenqualit├Ąt von zentraler Bedeutung. Das Beispiel Hof Hahlgarten in Rheinland-Pfalz zeigt, wie das Thema Boden f├╝r Verbraucher in den Fokus r├╝cken kann. Im Rahmen der aktionREGENWURM schauten junge und erwachsene Besucher Biolandwirtin Ulrike Weinig ├╝ber die Schulter ÔÇô und Regenwurm "Fridolin" in die erdige Wohnstube.

Tiefe Einblicke erm├Âglichen

Die Sonne strahlt mit heller Kraft und l├Ąsst den Demonstrationsbetrieb Hof Hahlgarten im rheinland-pf├Ąlzischen Fr├╝cht in herbstlichen Farben leuchten. Heute reichen die Sonnenstrahlen sogar bis dorthin, wo sie sonst selten hinkommen: in ein Erdloch, einen Quadratmeter gro├č und ca. 50 Zentimeter tief. Dieses hat Familie Weinig ausgehoben, um Besuchern zwei Tage lang das Thema Boden zu demonstrieren. Ulrike Weinig erkl├Ąrt: "Freitag und Samstag ist unser Hofladen ganztags ge├Âffnet. Da bietet es sich an, G├Ąsten und Kunden bei speziellen Aktionen tiefere Einblicke in unsere Arbeit zu geben." Viele von ihnen bleiben heute gerne l├Ąnger und lassen sich ein auf das Aktions-Motto: "Ich zeigÔÇÖ dir meinen Boden!"

Transparenz ist wichtig. Wir Biobauern m├╝ssen zeigen, was wir machen, wie und warum wir es machen.

Hof Hahlgarten ist ein Gemischtbetrieb. Hier leben Milchk├╝he, Schweine, Legehennen und ein paar Schafe. Einmal pro Woche wird auf dem Hof geschlachtet. Die Kartoffelernte ist in diesen Tagen in vollem Gange, der Hofladen gut frequentiert, und viele Kunden nehmen das Angebot wahr, sich f├╝r Zuhause selbst frische Blumen zu pfl├╝cken. Die Kundschaft kommt haupts├Ąchlich aus der Region um Mayen-Koblenz, Neuwied und aus dem Westerwald. Sie sch├Ątzen die Vielfalt des Hofes, sind ihm verbunden und nehmen gerne Neues an.

Alles geht vom Boden aus

Gerade Biohofkunden m├Âgen generell eine gewisse Offenheit und gr├Â├čere Sensibilit├Ąt f├╝r "nachhaltige" Themen mitbringen, doch Details und Zusammenh├Ąnge sind l├Ąngst nicht allen gel├Ąufig. Besonders hier kann ein Demonstrationsbetrieb punkten und zur Wissensvermittlung und Aufkl├Ąrung beitragen. Ulrike Weinig nimmt eine Schaufel Erde, zeigt sie Kindern und Eltern, l├Ąsst sie schauen, f├╝hlen und auch daran riechen. Die meisten Menschen sind ├╝berrascht, wenn sie erfahren, wie viele Organismen in einem solch kleinen St├╝ck Boden leben und dort am Werke sind. Von deren Bedeutung ganz zu schweigen. "Im Boden f├Ąngt gewisserma├čen alles an, und es endet auch wieder hier. Wei├č jemand, was das bedeutet?", wird die Runde befragt. Nun, "hier wachsen aus Samen Pflanzen heran", hei├čt es. "Die werden dann ged├╝ngt", lautet die n├Ąchste Antwort. Und was passiert nach der Ernte?

Ulrike Weinig erkl├Ąrt zentrale Elemente des biologischen Landbaus. Es geht um Fruchtfolgen, den Erhalt der Fruchtbarkeit des Humusbodens durch den Naturd├╝nger, den die Tiere des Hofes liefern, und um die Durchmischung des organischen Materials durch die unz├Ąhligen Bodenbewohner. Der prominenteste "Bodenarbeiter" ist sicherlich der Regenwurm. Die siebenj├Ąhrige Malina schw├Ąrmt: "Heute Morgen haben wir bestimmt zehn St├╝ck auf einmal gesehen!". F├╝r den sandigen Lehmboden, wie er auf den Pacht├Ąckern und der Blumenwiese der Weinigs vorherrscht, ist das der Normalfall.

Kinder wie Malina haben schon gelernt, dass eine hohe Zahl von Regenw├╝rmern, Asseln und Mikroorganismen f├╝r einen lockeren Boden sorgen und ein Zeichen f├╝r dessen Fruchtbarkeit sind: "Das ist dann auch gut f├╝r die Wurzeln, das h├Ąngt alles so zusammen." Insbesondere f├╝r den Biolandbau sind Regenw├╝rmer von zentraler Bedeutung. Durch ihr W├╝hlen im Erdreich, das Vergraben und Verzehren von Laub und anderen Pflanzenresten und durch ihre Ausscheidungen sind sie die wichtigsten Erzeuger von Dauerhumus. Sie gew├Ąhrleisten eine stabile Bodenstruktur, die Basis f├╝r ein gutes Pflanzenwachstum.

Symbol f├╝r eine intakte Gesundheit

Die ganze Familie Weinig hat Spa├č daran, ihre Arbeit zu erkl├Ąren. "Transparenz ist wichtig. Wir Biobauern m├╝ssen zeigen, was wir machen, wie und warum wir es machen", sagt Ulrike Weinig. Oft kommen daher Schulklassen und Kita-Gruppen auf den Hof. "Wir bauen darauf, dass vor allem die Kinder was f├╝r ihr Leben mitnehmen." Deren Erlebnisse und Erfahrungen w├╝rden in den Familien diskutiert und so weitergegeben.

Es macht mich gl├╝cklich, einfach hin und wieder in der Erde zu buddeln.

"├ľkolandbau kann nur ganzheitlich gedacht werden. Boden- und Wasserqualit├Ąt, biologische Vielfalt, nachhaltige Energieversorgung, all das geh├Ârt zusammen", findet Ulrike Weinig. Sie arbeitet heute haupts├Ąchlich in der eigenen Schlachterei und k├╝mmert sich ums Gesch├Ąftliche. Aber sie nimmt jede Gelegenheit wahr, aufs Feld zu gehen und sich, wie sie sagt, bewusst zu erden. "Es macht mich gl├╝cklich, einfach ab und zu in der Erde zu buddeln. Ich rate allen Landwirten, ja im Grunde allen Menschen, sich immer wieder mal der Bedeutung unserer Mutterb├Âden zu vergewissern und sie mit H├Ąnden zu greifen." Das Thema Boden k├Ânne durchaus als Symbol f├╝r eine intakte Gesundheit stehen. Sie klopft sich zufrieden den Sand von den H├Ąnden und geht in Richtung Hofladen. Dort wartet schon die n├Ąchste neugierige "Bodentruppe".

Autor: Oliver Z. Weber



Betriebsportr├Ąt: Hof Hahlgarten

Hof Hahlgarten liegt im Naturpark Nassau zwischen Rhein und Lahn. Die Geschwister Ulrike, Esther und Martin Weinig sowie die Eltern Margret und Manfred Weinig haben aus dem spezialisierten Milchviehbetrieb einen vielseitigen Gemischtbetrieb aufgebaut und nach und nach die verschiedenen Betriebszweige umgestellt. Seit 2001 wirtschaftet der gesamte Betrieb ├Âkologisch nach Bioland-Richtlinien.
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Letzte Aktualisierung 01.12.2013

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