Hof Steinrausch

Hof Steinrausch: Kritische Fragen, kluge Antworten

Die ökologische Ziegenhaltung ist eine kleine Nische in der Tierhaltung in Deutschland. Bisher wurde nur wenig darüber geforscht, so dass die Biolandwirte täglich mit Herausforderungen konfrontiert sind. Sie müssen sich mit komplexen Fragen beschäftigen, die von der Versorgung der Lämmer bis zum Umgang mit den Hörnern reichen. Regino Esch vom Demonstrationsbetrieb Hof Steinrausch befasst sich intensiv mit diesen Themen. Den "Stein der Weisen" hat er noch nicht gefunden, aber er ist ständig auf der Suche nach Antworten.

Vom Käse auf der Alp zu Ziegen in der Eifel

Der Bioland-Betrieb Steinrausch liegt nicht weit von Prüm entfernt im Naturschutzgebiet Mehlental in der Nordeifel. Auf 60 Hektar leben hier etwa 150 Bunte Deutsche Edelziegen, die im Sommer auf den zum Teil sehr steilen, stallnahen Flächen weiden. In der hofeigenen Käserei wird ihre Milch zu exklusiven Weich- und Schnittkäsesorten verarbeitet wie Feta, Münster, Camembert und rotgeschmierter Schnittkäse.

Die gemeinsame Leidenschaft für den Käse entdeckten die Ökolandwirte Wiebke Medau und Regino Esch sowie die Agrarbiologin Sibylle Esch bei ihrer mehrjährigen Arbeit auf der schweizerischen Alp. "Dort merkten wir, wir können Käse machen und wir können miteinander", erklärt Regino Esch. Eine gute Grundlage zum Aufbau einer gemeinsamen Existenz, die sie im Sommer 2000 in Angriff nahmen. Die Neugründer entschieden sich für die Haltung von Ziegen. Denn diese Tiere konnten sie auch auf einer relativ kleinen Fläche halten und trotzdem von Anfang an exklusive Produkte herstellen.

Zukunftsfähige Landwirtschaft

Ziegen sind sehr menschenbezogene, neugierige und anspruchsvolle Tiere. Bezogen auf ihr Körpergewicht sind sie sehr produktiv. Im Schnitt geben die Ziegen von Hof Steinrausch 700 Liter im Jahr, umgerechnet etwa zwei Liter am Tag. Für Regino Esch und seine Kolleginnen war von Anfang an klar, dass sie sich für die ökologische Ziegenhaltung entscheiden. "Das alte Bild der Kreislaufwirtschaft entspricht meiner Vorstellung einer modernen Landwirtschaft", erklärt er. 

Das alte Bild der Kreislaufwirtschaft entspricht meiner Vorstellung einer modernen Landwirtschaft.

Bei der Weideführung setzt das Eifler Trio deswegen auf Sommerweidegang, in dem sie den Tieren eine großflächige Weide mit Kurzrasen zur Verfügung stellen. Im Gegensatz zur Umtriebs- und Portionsweide wird den Ziegen die komplette Weidefläche zugeteilt. Auf diese Weise ist  das Futter für die Ziegen immer gleich alt bzw. frisch. Zudem bedeutet es auch weniger Würmer, eine der häufigsten Gesundheitsbedrohungen für Ziegen. Denn deren Eier verstecken sich lieber im dunklen, hohen Gras.

Das Dilemma mit den Lämmern

Als Demonstrationsbetrieb empfängt Regino Esch regelmäßig Besucher und führt sie über den Hof. Im Gespräch ergeben sich oftmals auch kritische Fragen wie zum Beispiel: Was machen Sie eigentlich mit den Lämmchen?" Für Regino Esch ist die Milch wertvoll, denn sie ist die Grundlage für seinen Käse und somit für seine Existenz. Bekommen die Ziegen Nachwuchs, verliert er einen Großteil der Milch an die Lämmer und dann geht auch Gewinn verloren. Die Mast von Bioziegenlämmern stellt für ihn wie für viele Betriebe in der Praxis ein Problem dar und ist oftmals aufgrund der hohen Aufzuchtkosten nicht wirtschaftlich.

Für Regino Esch bedeutet das, sich die Frage zu stellen, was ist vertretbar gegenüber den Ziegen? Während vor einigen Jahren alle Ziegen einmal im Jahr Nachwuchs bekamen, wird inzwischen nur noch ein Drittel der Herde jährlich zum Bock geführt. Der Großteil der Herde kann so durchgemolken werden und der Anteil der Schlachtlämmer erheblich reduziert. Bei seinen Führungen erzählt Regino Esch genau das, egal ob einem interessierten Ziegenzüchter oder einer Kindergartengruppe.

Ein weiteres kritisches Thema ist die Enthornung. Ziegen sind soziale Tiere, die durch ihre Kämpfe eine Rangordnung ausbilden. Kleinere Kämpfe stehen somit auf der Tagesordnung. "Und wenn dabei dann ein Tier mit seinen Hörnern den Euter eines anderen Tieres verletzt, sieht man natürlich Handlungsbedarf", meint Esch nachdenklich. "Bei der Stalleinrichtung sowie im Umgang mit unserer Herde haben wir viel dazugelernt. Und wir sehen uns auf einem guten Weg bei der Haltung von behornten Ziegen". Darüber hinaus sieht Esch einen hohen Forschungsbedarf bei der Zucht auf Hornlosigkeit und Sanftmütigkeit der Ziegen.

"Es kann natürlich sein, dass ich in fünf Jahren hier stehe und ihnen etwas ganz anderes erzähle", gibt Esch zu. Denn vieles muss er zusammen mit seinen beiden Kolleginnen auch nach zehn Jahren noch ausprobieren. Ihm ist es wichtig, seine Arbeit mit Forschungsergebnissen zu untermauern und deswegen beobachtet er, was zum Beispiel das Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst regelmäßig herausfindet.  

„Ich möchte unseren Besucherinnen und Besuchern klar machen, was Landwirtinnen und Landwirte von heute alles leisten.“ 

Darüber hinaus sucht er die Beratung der Landwirtschaftskammer und tauscht seine Erfahrungen in verbandlich organisierten Arbeitskreisen mit anderen Betriebsleitern und auf Fachtagungen aus. Auch seine Arbeit als Demonstrationsbetrieb hilft ihm bei der Reflexion. Immer wieder heißt er angemeldete Gruppen von der Frauenunion bis zum Eifelverein auf seinem Hof willkommen und zeigt ihnen, wie Ziegenkäse entsteht und wie der Ökolandbau funktioniert. Sein Anliegen bringt Esch schnell auf den Punkt: "Ich möchte unseren Besucherinnen und Besuchern klar machen, was Landwirtinnen und Landwirte von heute alles leisten."


Autorin: Karin Wilhelm


Betriebsporträt: Hof Steinrausch

Die Ökolandwirte Wiebke Medau und Regino Esch sowie die Agrarbiologin Sibylle Esch haben nach mehrjähriger Arbeit in der schweizerischen Alpkäsewirtschaft im Sommer 2000 den Grundstein für Hof Steinrausch bei Prüm in der Eifel gelegt. Bei der Entscheidung für eine Ziegenhaltung mit Käserei waren für die Neueinsteiger neben betriebswirtschaftlichen Gründen die Begeisterung für handwerkliches und selbstständiges Arbeiten ausschlaggebend.
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