Hofgut Oberfeld

Hofgut Oberfeld: Bio für alle

Das Hofgut Oberfeld ist eine Oase am Stadtrand von Darmstadt. Hier können Jung und Alt einkaufen, spazieren gehen, reiten oder Kaffee und Kuchen genießen. Junge Menschen bekommen die Chance, das Hofleben und die Produktion von Lebensmitteln kennenzulernen und dabei richtig Verantwortung zu übernehmen. Wir haben der Praktikantin Alanah bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut.

So funktioniert Landwirtschaft

Alanah weiß, was sie will: Praktisch arbeiten, am liebsten zusammen mit Menschen und Tieren. Auch wenn sie erst 15 Jahre alt ist, hat sie ihr Ziel schon fest vor Augen: eine Ausbildung als Demeter-Landwirtin. Deshalb macht sie auf dem Hofgut Oberfeld ein Praktikum. Die erste Woche davon hätte sie eigentlich noch Schule gehabt, Projektwoche. "Ich habe mir mein Projekt eben selbst gesucht", erzählt sie selbstbewusst. Nicht eine, sondern fünf Wochen Praktikum auf einem Demeter-Hof. "Ansonsten müsse man ja schon wieder aufhören, wenn man gerade eingearbeitet ist", findet Alanah. Sie spricht aus Erfahrung, denn in den Osterferien hat sie schon mal vier Wochen lang auf dem Hofgut Oberfeld mitgeholfen.

"Es ist toll, richtig Verantwortung übernehmen zu dürfen."

Besonders gerne arbeitet Alanah mit Tieren. An Tagen, an denen sie für die circa 400 Hühner verantwortlich ist, geht sie mit einem Bollerwagen zur Wiese, wo die mobilen Hühnerställe stehen. Sie lenkt die Hühner mit ein paar Körnern ab, sodass sie in Ruhe die Eier aus den Nestern in die mitgebrachten Eiersteigen sammeln kann. Ausbeute: je nach Legelaune der Hühner circa 300 bis 400 Stück. Anschließend sortiert sie die dreckigen oder kaputten Eier im Eierraum aus. Diese Eier werden in der Backstube verarbeitet. Die restlichen frisch gelegten Eier können die Kunden im Hofladen kaufen. "Es ist verdammt schön hier", schwärmt die Schülerin. "Ich lerne so viel und arbeite mit so vielen tollen Menschen zusammen. Es ist toll, richtig Verantwortung übernehmen zu dürfen."

Ländliche Idylle am Stadtrand

Auf der ehemaligen Staatsdomäne Hofgut Oberfeld sind derzeit neben Alanah noch weitere sieben Praktikanten und eine freiwillige Helferin tätig. Sie wollen Landwirtschaft studieren oder haben schon den Master in der Tasche, machen ein Schülerpraktikum oder wollen endlich mal live miterleben, wie Landwirtschaft funktioniert. Darunter sind auch viele Waldorfschüler, bei denen ein solches Praktikum zum Schulkonzept gehört.

Seit 2006 wird der Hof in Form einer Aktiengesellschaft betrieben. Die Menschen, die hier arbeiten und sich engagieren, wollen dieses stadtnahe Stück Natur als Naherholungsgebiet erhalten und Interessierten zeigen, wie Lebensmittel entstehen. Hier ist jeder herzlich eingeladen auf seine Art und Weise daran teilzuhaben, etwa mit einem Besuch im Café oder Hofladen, durch Mithilfe bei den Arbeitseinsätzen oder den Erwerb von Aktien.

Zum Hof gehören rund 160 Hektar Fläche, davon 40 Hektar Grünland. Auf den Äckern wachsen in vielfältiger Fruchtfolge beispielsweise Getreide, Futterpflanzen und Gemüse wie Möhren, Kürbisse und Kartoffeln. In der hofeigenen Bäckerei werden leckeres Brot und Brötchen gemacht. Die können Darmstädter im Hofladen kaufen, wie andere hofeigene Produkte auch: Fleisch und Wurstwaren von den Rindern, Eier und im späten Herbst dann wieder Gänse. Zurzeit grast das Federvieh fleißig auf der Weide hinter dem Gehöft. Regionaler geht es nicht.

"Wir geben jungen Menschen eine Chance, das Hofleben kennenzulernen."

Schnell wird klar: Wer hier helfen will, hat eine große Vielfalt von Aufgaben. Günter Franke betreut die Praktikanten und hat ein Händchen dafür, alle nach den jeweiligen Erfordernissen des Hofes, aber auch nach ihren persönlichen Neigungen einzusetzen. Gibt es ein Konzept, nach dem die hauptsächlich jungen Leute gefunden werden? "Die finden uns", antwortet Franke schmunzelnd. "Es spricht sich herum, dass man bei uns viel lernen und erleben kann." Franke und alle anderen Mitarbeiter vom Hofgut Oberfeld geben jungen Menschen die Chance, das Hofleben und die Produktion von Lebensmitteln kennenzulernen.

"Wir bekommen dafür viel zurück", so Franke. In der Regel sind die Praktikanten sehr engagiert und schnell eine echte Hilfe im täglichen Arbeitsablauf. Ist es nicht anstrengend so viele Praktikanten zu betreuen? "Nein, selten", ist die spontane Antwort von Franke. "Meistens ist es eher umgekehrt: Ich staune immer wieder, welche pfiffigen Ideen die jungen Leute haben und wie engagiert sie teilweise sind. Das ist ein Geben und Nehmen bei uns. Beide Seiten tragen ihren Teil dazu bei."

Alanah half Ostern zum Beispiel bei der Einsaat der Saisongärten. Hier können sich Hausgärtner ohne eigenen Garten eine mit circa 15 Gemüsesorten bepflanzte Parzelle mieten. Pflegen und ernten tun sie dann selbst. Im Sommer steht Alanah nun vor den Gärten, in denen es wächst und blüht. "Das ist toll, das bunte Ergebnis der Arbeit zu sehen", freut sich die Schülerin und man merkt: Hier ist sie zu Hause, hier fühlt sie sich wohl. Die Liste ihrer Tätigkeiten, die sie schon übernommen hat, ist lang: Holz schichten, Tiere versorgen, den Zaun für die Hühner-, Gänse- oder Kuhweide stecken oder im Hof-Café mitarbeiten.

Vielfalt kennenlernen

Im biologischen Landbau geschieht noch vieles in Handarbeit. So haben Alanah und drei weitere Praktikanten an einem heißen Nachmittag im Juli beispielsweise das Kartoffelfeld vom Kartoffelkäfer und seinen Larven befreit. Sie sammeln das Ungeziefer ab und retten die Pflanzen so vor Fraßschäden. Auch Unkraut jäten passiert noch per Hand und Hacke, beispielsweise zwischen den Kürbispflanzen und Selleriestauden. Die Praktikantin hat den Hof und viele dort notwendige Arbeiten schon in wenigen Wochen kennengelernt. Sie wird das alles vermissen, wenn sie demnächst wieder zur Schule geht. Und auf jeden Fall wiederkommen!

Autorin: Hella Hansen



Betriebsporträt: Hofgut Oberfeld

Im Osten von Darmstadt liegt die ehemalige Staatsdomäne Hofgut Oberfeld, wo seit 2006 die Landwirtschaft nach biologisch-dynamischen Richtlinien betrieben wird. Das Hofgut ist als Aktiengesellschaft organisiert. Die Hofgut Oberfeld Landwirtschaft AG bietet landwirtschaftlich engagierten Menschen die Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung.
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