Ich wollt‘ ich wär ein Huhn…

Ich wollt‘ ich wär ein Huhn…

Hühnerhaltung in mobilen Ställen

Wer im Supermarkt eine Eierpackung aus dem Regal nimmt, findet darauf nicht selten Bilder von Landidyllen mit glücklichen Hennen auf grüner Wiese. Für eine zunehmende Zahl von Verbrauchern sind Tier- und Umweltschutz wesentliche Themen, sie bevorzugen Eier von "glücklichen Hühnern". Aber was ist es eigentlich genau, was Hühner glücklich macht?

Genug Auslauf spielt eine wesentliche Rolle. Aus diesem Grund schreiben die Richtlinien für ökologische Hühnerhaltung vor, dass für jedes Huhn mehrere Quadratmeter begrünten Auslaufs täglich zugängig sein müssen. Auf einigen Biobetrieben, die dem Netzwerk "Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau" angehören, wird diese Forderung nach Auslauf auf eine ganz besondere Art umgesetzt: hier wandern die Hühner in mobilen Hühnerställen, auch Hühnermobil genannt, über die Flächen der Betriebe.

…und hätt‘ nicht viel zu tun…

Dieser Wunsch geht für die Betriebe, die ihre Hühner in Mobilställen halten, nicht unbedingt in Erfüllung. Im Gegensatz zu einem festen Stall ist die Versorgung der dezentralen Ställe mit Futter, Wasser oder Strom aufwändiger. Außerdem müssen die Ställe regelmäßig umgesetzt werden, um den Boden und die Pflanzen zu schonen. Bevor es matschig wird oder die Hühner um den Stall herum kein Gras mehr finden, bringt ein Traktor die gesamte Konstruktion auf eine neue Fläche. Die  Demonstrationsbetriebe nutzen Ställe der Firmen Weiland und Wördekemper Kollenberg aber auch pfiffige Eigenbaukonstruktionen aus alten Anhängern, Bauwägen oder Containern. Die Ställe werden auf Kufen oder Rädern zum neuen Platz transportiert.

Vorteile für Hühner, Umwelt und Landwirt

Wer sich trotz des Arbeitsaufwandes für die mobile Lösung entscheidet, profitiert von den vielen Vorteilen: die Flächen um die Ställe, die durch das intensive Scharren und Picken der Hühner stark beansprucht sind, können sich immer wieder regenerieren, sobald die Hühner weitergezogen sind. Auch wird der Hühnermist als natürlicher Dünger so besser über eine größere Fläche verteilt. Die Tiere sind insgesamt weniger anfällig für Krankheiten, weil mit dem Kot ausgeschiedene Krankheitserreger auf den abgeweideten Flächen zurückbleiben. Hinzu kommt, dass die Hühner tagtäglich draußen an der frischen Luft und in natürlichem Licht leben. Tageslicht hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Hennen. Christoph Leiders vom Stautenhof in Anrath erzählt: "Ich bin zwar Neuling in der Hühnerhaltung, aber Probleme mit Krankheiten habe ich bislang keine." Er führt das auf die mobilen Ställe zurück. Neben den Vorteilen für Hühner und Umwelt profitiert auch der Landwirt: durch die tiergerechte und vorzeigbare Produktion im Mobilstall haben vor allem Direktvermarkter die Möglichkeit, ihren Kunden in aller Transparenz zu zeigen, wie und wo die "glücklichen Hühner" die Eier legen.

Auch Hühner haben einiges zu tun

Der Alltag der Hühnermobil-Bewohner ist ausgefüllt. In den mobilen Ställen finden sie Wasser, Futter, Schlafgelegenheiten für die Nacht und bequeme, mit Dinkelspelzen eingestreute Nester. Die Grundbedürfnisse der Hennen werden mit dieser mobilen Auslaufhaltung optimal befriedigt. Neben der Futtermischung im Stall finden sie im Auslauf Gras, Kräuter und Klee, Insekten und Würmer, haben Sand zum Sandbaden für die Gefiederpflege und können nach eingestreuten Getreidekörner und allem was dort zu finden ist scharren.

Aus gutem Grund schreiben die Richtlinien des ökologischen Landbaus vor, dass den Hühnern auch ganze Körner angeboten werden müssen. Scharren und das Aufnehmen von Samen und Körner gehört zu den Grundbedürfnissen von Hühnertieren und ist eine Voraussetzung für deren tiergerechte Haltung. Weder wir Menschen noch Hühner können aber Getreidekörner als Ganzes verdauen. Menschen essen Getreide entweder in Form von Schrot, Mehl oder Flocken. Hühner jedoch sammeln die Körner und Samen im Kropf, ein Teil des Verdauungssystems der Vögel. Der Kropf dient als Futterspeicher, der je nach Füllung des Magens Futter abgibt, das im Kropfsack bereits eingeweicht wird. Im Hühnermagen, der von starken Muskeln umgeben ist, werden diese dann zusammen mit aufgenommenen kleinen Steinen durch die Magenbewegung zermalmt und verkleinert vorverdaut. Somit werden alle Nährstoffe aufgeschlossen und stehen den Tieren für eine ausgewogene Ernährung zur Verfügung.

Leichte Beute für den Habicht

Für eine tiergerechte Auslaufhaltung ist es wichtig, dass in einem Hühnerauslauf Bäume, Sträucher oder Hecken stehen. So sind Streuobstwiesen ein wahres Hühner-Paradies. Wo natürliche Deckung fehlt, müssen künstliche Unterstände geschaffen werden, denn unser Haushuhn hat, wie die wilden Hühnervögel (Rebhühner, Perlhühner, Wachteln und Fasanen) auch, das Bedürfnis, sich am Waldrand oder im Feldrain vor Feinden zu schützen. Bei einem großen, offenen, nach oben hin ungeschützten Auslauf hat der Habicht ein leichtes Spiel.

Einen gewissen Schutz vor Habichtsangriffen bietet die Anwesenheit von Hähnen in der Hühnerschar. Auch für die natürliche Sozialstruktur der Hühner ist es wichtig, dass ein Hahn seine Hühnergruppe führt. Er weiß, wo es Fressbares gibt aber auch wo Gefahren lauern und gibt dies durch verschiedene Lautäußerungen bekannt. Das klassische Krähen der Hähne dient als Reviermarkierung. In ökologisch gehaltenen Hühnergruppen sind in aller Regel einige Hähne anzutreffen, die zwar keine Eier legen aber für ein gutes Sozialgefüge im Hühnerstall sorgen.

…ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei

Das Huhn, das täglich ein Ei legt, gibt es nicht. Faktoren wie Futter, Lichtangebot, Auslauf, Temperatur und Rasse beeinflussen die Legeleistung. Legehennen legen bis zu 300 Eier im Jahr, egal, ob ökologisch oder konventionell gehalten. Bevor sich die Türen der Ställe am Morgen öffnen, haben die meisten Hennen bereits ihr Ei in den abgedunkelten und eingestreuten Nestern gelegt, denn Hühner sind Frühaufsteher. Die Dinkelspelze in den Nestern sorgen dafür, dass die Eier weich und sauber liegen und keinen Schaden nehmen. Gegen Mittag, wenn alle Eier gelegt sind, werden diese aus den Nestern genommen und zum Hof in den Eierraum gebracht, wo sie nach Größenklassen sortiert und auf Verschmutzung und Beschädigung kontrolliert werden. Nur saubere und unbeschädigte Eier dürfen verkauft werden.

Nach einer Legezeit von zwölf Monaten endet die Arbeit der Hennen. Sie werden geschlachtet und als Biosuppenhühner gerne gekauft. Die Ställe werden gründlich gesäubert und gelüftet und nach einer kurzen Ruhephase bevölkert die nächste Hennen Schar den Stall. Aufgestallt mit 18 Wochen legen die jungen Hennen dann nach ca. drei Wochen die ersten, am Anfang noch kleinen Eier.

Was ist drin, im Sonntags Ei?

In Deutschland werden pro Jahr und Kopf rund 210 Eier verspeist - Tendenz steigend. Die meisten Eier essen wir jedoch nicht pur, sondern "versteckt" - bereits verarbeitet in Lebensmitteln wie Kuchen, Eis, Teigwaren & Co. Eier enthalten Vitamin A, D und E, Lecithin, Zink, Omega-3 Fettsäuren und Folsäure und sind damit - in Maßen genossen - Lieferanten wertvoller Ernährungsbausteine.

Ein Bioei stammt von einem Huhn, dass nur mit ökologisch produziertem Futter gefüttert wurde und im ökologischen Landbau wird auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet. Zudem bietet ein mobiles Haltungssystem alle Voraussetzungen für gesunde Tiere. Und ein gesundes Huhn legt gesunde Eier.

Der Einkauf von regional erzeugten Bioeiern bietet noch auf anderer Ebene einen Mehrwert: Durch eine regionale Vermarktung, wie sie auf den Demonstrationsbetrieben stattfindet, werden Arbeitsplätze erhalten und die regionale Wirtschaft gestärkt. Die Transportwege sind kurz und der Kunde weiß, wie und wo die Eier gelegt wurden. Wer Freilandeier von mobil gehaltenen Hühnern kauft, unterstützt damit eine tiergerechte Hühnerhaltung und fördert die Verbreitung dieses Haltungssystems.

 

Autorinnen: Barbara Ilg und Sarah Brumlop

Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau, Der Bauernhof Familie Frey und Ökolandbau.de-Bildarchiv, ©BLE, Bildautor: Dominik Menzler

Letzte Aktualisierung 07.10.2011

Mehr Infos

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Weitere Links

Stallbaufirmen für Hühner-Mobilställe:

Stallbau Iris Weiland e.K.
Wördekemper Kollenberg GmbH & Co. KG

Weitere Informationen zur Legehennen-Haltung in dem Internetportal Oekolandbau.de

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