Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…

Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…

So heißt es in einem alten Kinderlied. Was macht jedoch ein Biobauer heute im Frühjahr?

"Die Rösslein" werden heutzutage nur noch von den wenigsten Bauern eingespannt. Doch wie sieht die Arbeit auf einem Biobauernhof im Frühjahr aus? Das erklärt uns Frank Prochnow vom Jahnsfelder Landhof. Sein Hof liegt 60 Kilometer östlich von Berlin in Märkisch Oderland und wurde im Jahr 1991 kurz nach der Wende gegründet. Von Beginn an bewirtschaftet Frank Prochnow seinen Hof nach Bioland-Richtlinien. Seit dem Jahr 2002 gehört der Biobetrieb dem Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau an. Als Vorzeigebetrieb der Initiative des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz öffnet er für Interessierte seine Tore. Für Prochnow ist es wichtig ein gläserner Betrieb zu sein, weil er gerne zeigt wie 'Bio' geht. Diesen Eindruck vermittelte er mir auch, als ich ihn auf seinem Betrieb besuche und mir erklären lasse, was ein Biobauer denn im Frühjahr macht.

Auf die Frage hin, ob Frank Prochnow selbst auf seinem Betrieb früher noch Pferde eingesetzt hätte, muss er schmunzeln: "Nein, von Beginn an arbeiten wir hier mit Traktoren und modernen Geräten." Der Jahnsfelder Landhof bewirtschaftet insgesamt 553 Hektar Ackerfläche, was etwa 770 Fußballfeldern entspricht. Die Bewirtschaftung einer so großen Fläche mit Pferden ist kaum vorstellbar. Seit seiner Gründung ist der Betrieb stetig gewachsen, somit musste auch der Technikbestand kontinuierliche erweitert werden. Im Wesentlichen sind die Bewirtschaftungsmaßnahmen im Vergleich zu den Anfangsjahren die gleichen geblieben. "Wir zeichnen uns durch Kontinuität und Beständigkeit aus", betont Prochnow: "Die Bewirtschaftung ist an den Standort angepasst und hat sich seit 20 Jahren bewährt. Das führt nicht zuletzt auch zu einer konstant hohen Qualität der Produkte."

Wie sieht es jetzt draußen auf dem Feld aus?

Der vergangene Winter war hart – auch in Jahnsfelde. "Wir hatten unglaublich viel Schnee und extrem niedrige Temperaturen", erzählt Prochnow. Als Mitte Februar für kurze Zeit die Temperaturen stiegen, begann der Schnee zu schmelzen. Die Böden waren aber schon vollständig mit Wasser gesättigt, sodass das Wasser auf den Äckern regelrecht stehen blieb. "Das Wort Pfütze würde dem Ausmaß nicht gerecht werden", sagt Prochnow: "Es waren fast schon kleine Seen, vor allem in den Senken!" Als es dann wieder Minusgrade gab, fror das Wasser wieder, und damit auch die im Herbst ausgebrachten Ackerkulturen. Wintergetreide braucht zwar Minustemperaturen, um im Frühling in die Höhe wachsen zu können. Im Eis fest gefroren zu sein, schädigt jedoch die jungen Pflanzen. Durch die steigenden Temperaturen der vergangenen Tage, beginnt das Eis wieder langsam zu schmelzen. Auch das Wasser sickert langsam ab und verdunstet. Zurück bleibt Moder und abgestorbenes Getreide. "Es war gut, nicht alle Felder im Herbst zu bestellen", merkt Prochnow an: "Im Vergleich zu anderen Bauern in der Umgebung sind wir glimpflich davon gekommen. Der Schaden ist nicht so schlimm wie erwartet."

Sommer- und Wintergetreide: Was ist der Unterschied?

Der entscheidende Unterschied zwischen Sommer- und Wintergetreide ist die Dauer der Wachstumsphase. Wintergetreide wird im Herbst ausgesät und bleibt über den Winter auf den Feldern. Sommergetreide hingegen wird erst im Frühling gesät. Der Erntezeitpunkt im Sommer ist bei Winter- und Sommergetreide nahezu gleich. Wintergetreide benötigt im Winter über einen längeren Zeitraum Temperaturen unter Null, um im nächsten Frühjahr in die Höhe wachsen zu können. Bei Sommergetreide hingegen sind Minusgrade über einen längeren Zeitraum schädlich. Durch den längeren Entwicklungszeitraum von Wintergetreide werden hier auch höhere Erträge erzielt als bei Sommergetreide. Bei nahezu allen Getreidearten, gibt es eine Sommer- und eine Winterform.

Status quo und Arbeiten auf dem Feld

Mit den milder werdenden Temperaturen im Frühjahr gilt es auf dem Jahnsfelder Landhof auf rund 185 Hektar Sommergetreide auszusäen. Dazu wird der Boden mit Grubber oder Pflug bearbeitet, sofern das noch nicht im Herbst geschehen ist. Der nächtliche Frost ist dabei sehr nützlich. "Einen Boden mit diesen hohen Wassergehalten ungefroren zu bearbeiten ist katastrophal! Wir würden uns festfahren und den Boden zu stark verdichten", erklärt Prochnow. Pflügen beziehungsweise grubbern lockert nämlich nicht nur den Boden, sondern hilft auch überschüssiges Wasser verdunsten zu lassen. Danach ruht der Boden zwei bis drei Wochen, um sich wieder zu setzen. Im Anschluss wird gedrillt. "Wir säen Weizen, Roggen und Hafer aus", sagt Prochnow. Der Hafer muss zeitiger bestellt werden, also sobald der Boden befahrbar ist – allerdings verträgt er keinen Frost. Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Also ist Ackerbau mehr als säen und ernten? Prochnow lacht und sagt: "In der Landwirtschaft arbeitet man mit natürlichen Bedingungen, die nicht zu beeinflussen sind. Weshalb wir manches in einem Jahr so und im nächsten Jahr wieder anders machen, ist nicht immer einfach zu erklären. Den richtigen Zeitpunkt für die jeweiligen Feldarbeiten zu finden – alles Faktoren die auch die Qualität des Erntegutes bestimmen – liegt in der Handwerkskunst des Bauern."

Was meint der Bauer wenn er sagt…

  • Grubber - Bodenbearbeitungsgerät mit Zinken, das den Boden flach aufreißt und durchmischt
  • bestellen - aussäen, pflanzen (Ein Acker wird bestellt)
  • drillen - Aussaat des Getreides mit einer Drille (Sämaschine)
  • Mutterkühe - weibliches Rind das ihr Kalb mit der Milch aufzieht und nicht gemolken wird
  • sich setzen - natürliche Rückverdichtung des Bodens
  • Sommergetreide - Ackerkultur die im Frühjahr ausgesät wird
  • Wintergetreide - Ackerkultur die im Herbst ausgesät wird
  • Hektar - 10.000 m2, das entspricht etwa 1,5 Fußballfeldern

Neben Getreide werden auf dem Jahnsfelder auch Kartoffeln angebaut. "Bei Getreide spricht man von Saatgut, bei Kartoffeln von Pflanzgut. Kartoffeln werden demnach nicht gesät, sondern gepflanzt.", erklärt Prochnow: "Hierfür habe ich extra eine Kartoffellegemaschine." Vorab werden die Kartoffeln sortiert, denn nur eine gesunde, unbeschädigte Kartoffel kommt raus aufs Feld. Das Sortieren mit der Maschine übernehmen derzeit vier Arbeiter.  

Beikrautregulierung oder Unkrautbekämpfung?

Neben der Aussaat beziehungsweise Bepflanzung der noch unbestellten Flächen, fällt auf dem Jahnsfelder Landhof im Frühjahr eine weitere wichtige Aufgabe an: die Beikrautregulierung im Wintergetreide. Im Ökolandbau spricht man von Beikräutern und nicht von Unkräutern. Weil auf chemisch synthetisierte Pflanzenschutzmittel verzichtet wird, erfolgt die Beikrautregulierung weitgehend mechanisch. Die "ungewollten" Pflanzen werden nicht gänzlich vernichtet, sie werden lediglich reduziert. Beikräuter sind unerwünscht, weil sie mit der Kulturpflanze um Nährstoffe, Licht und Wasser konkurrieren und somit deren Wachstum hemmen. Gleichzeitig sind sie aber auch Lebensraum für verschiedene Tiere und tragen zum Artenreichtum bei. Außerdem zeigen Beikräuter dem Bauern was für Bodenverhältnisse herrschen. Durch Bewirtschaftungsmaßnahmen verändern sich die Verhältnisse im Boden, zum Beispiel in Bezug auf Wasser- und Nährstoffgehalte. Je nach Umstand kommen unterschiedliche Beikräuter zum Vorschein – somit werden Beikräuter auch als Zeigerpflanzen bezeichnet.

Auf dem Jahnsfelder Landhof erfolgt die Beikrautregulierung mit einem Striegel. Ein Striegel ist ein Gerät, bei dem kleine, aneinander gereihte Zinken in den Boden ragen und die Beikräuter entweder verschütten oder herausreißen. "Unser Wintergetreide ist inzwischen so gut entwickelt, dass es durch den Striegel nur gering beschädigt wird", erklärt Frank Prochnow. Würde man warten bis die Getreidepflanzen größer sind, wären auch die Beikräuter in ihrem Entwicklungsstadium so weit voran geschritten, dass ihnen der Striegel nichts mehr anhaben kann.

Kühe, Schafe, Schweine & Co.

Auf dem Jahnsfelder Landhof ist jetzt nicht nur auf dem Acker etwas los. Auch im Stall ist viel zu tun. Frank Prochnow hält auf seinem Hof rund 120 Mastschweine, 150 Mutterkühe und 20 Schafe. Ein besonderes Augenmerk liegt im Frühjahr bei den Mutterkühen. Diese leben die meiste Zeit auf der Weide. Im Winter sind sie im Stall mit großem Auslauf. "Obwohl die Kühe einen schützenden Stall haben, stehen sie lieber – auch bei Wind und Wetter – draußen", sagt Prochnow. Die Mutterkühe kalben auf dem Jahnsfelder Landhof nicht über das ganze Jahr hinweg, sondern saisonal von Mitte März bis etwa Mitte April. "Wenn eine Kuh kalbt zieht sie sich in aller Regel von Herde zurück, um ihre Ruhe zu haben. Sie kalbt nicht zwangsläufig im Stall", erklärt Prochnow: "Deshalb müssen jetzt ständige Kontrollen im Auslauf erfolgen, damit wir den Überblick behalten und bei Komplikationen schnell eingreifen können." Komplikationen gibt es jedoch selten. Lediglich bei jungen Mutterkühen, die zum ersten Mal kalben, wird öfter kontrolliert. Wenn die Weiden dann ausreichend Futter hergeben, sind die Kühe mit ihren Kälbern wieder ausschließlich draußen. "Nicht alle 120 Mutterkühe können auf eine Weide", erklärt Prochnow. Deshalb ist das Zusammenstellen neuer Gruppen im Frühjahr eine wichtig Aufgabe für den Biobauern.
In der Schweinehaltung gibt es so einen arbeitsintensiven Höhepunkt nicht, die Sauen ferkeln das ganze Jahr über. Bei den Heidschnucken ist das ähnlich. Die stehen das ganze Jahr über draußen und werden in regelmäßigen Abständen auf eine andere Koppel gebracht. Nur wenn die Schafe lammen, also ihre Lämmer zur Welt bringen, erfolgen auch hier regelmäßige Kontrollen. "Die Haltung der Schafe ist recht unkompliziert", sagt Prochnow: "Außerdem haben wir nur eine kleine Herde."

Wie ist der Lagerbestand?

Auch bezüglich seiner Lagerbestände setzt Prochnow auf Kontinuität: "Ich verkaufe mein Getreide und Futter nicht auf einen Schlag nur weil der Preis gut ist. Es ist mir wichtig meine Kunden, wie zum Beispiel umliegende Bäckereien oder Hühnerhalter, kontinuierlich mit Getreide zu beliefern." Die Silos auf dem Jahnsfelder Landhof sind im Frühjahr also noch so voll, dass bis zur neuen Ernte die Kunden stetig beliefert werden können. "Auch das Kraftfutter für die Schweine kalkulieren wir von Anfang an mit ein", sagt Prochnow. Und wie sieht’s mit den Kühen aus? Die Kühe bekommen im Winter konserviertes Futter, also Heu und Silage. Wenn sie dann gegen Anfang, Mitte April auf die Weide kommen, wird davon noch ein bisschen zugefüttert bis sich die Tiere wieder an das frische Grün gewöhnt haben.

Und was machen die Mitarbeiter?

In vielen reinen Ackerbaubetrieben ist es üblich, dass die Arbeitskräfte über den Winter zuhause sind. Nicht aber auf dem Jahnsfelder Landhof. "Meine Leute bleiben auch den Winter über", sagt Prochnow: "Die Tiere wollen im Winter fressen und die Ställe müssen sauber gehalten werden. Außerdem wird die Technik wieder auf Vordermann gebracht, so dass im Frühjahr alles reibungslos beginnen kann." Für die neun Mitarbeiter auf dem Jahnsfelder Landhof gibt es also immer was zu tun.

Im Anschluss an das Interview zeigt mir Herr Prochnow noch seinen Hof und seine Felder. Ich war froh darüber, dass er einen Geländewagen mit Allrad hat, sonst hätte ich an manch matschiger Stelle schieben müssen. Mit zwei geschulten Augen eines Bauers durch eine aufwachende Natur zu fahren, war für mich ein besonderes Erlebnis. In Zukunft werde auch ich mit wachsameren Augen an einem Feld entlang gehen.

Autorin: Barbara Ilg

Fotos: Koordinationsstelle Demonstrationsbetriebe


Betriebsporträt: Jahnsfelder Landhof

Die Jahnsfelder Landhof GmbH wurde 1991 in Nachfolge einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gegründet. Seit zehn Jahren ist Frank Prochnow der Betriebsleiter. Den von seinem Vater vor 26 Jahren neu gegründeten Biohof führt er mit seinem Team gemäß der organisch- biologischen Richtlinien des Bioland-Verbands fort.
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Letzte Aktualisierung 28.03.2011

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Kontakt:

Jahnsfelder Landhof
Frank Prochnow
Oberstorfer Weg 11
15374 Müncheberg-Jahnsfelde
Tel.: 033477-240
Fax: 033477-54980

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