Demonstrationsbetriebe


Kampfelder Hof: Heuhüpfer und Klimaköche

Gruppenfoto von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kampfelder Hofs. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Heuhüpfer-Pädagoginnen laden ein: Michaela Rönicke, Heidi Sponheuer, Maria Jacobs, Sabine Röstel und Elisabeth Seiler (von links nach rechts).

Artensterben, Umweltbelastung, Ernährungssicherung – diese Themen hängen unmittelbar zusammen. Erst recht, wenn man über nachhaltige Landwirtschaft spricht. Vielleicht war es noch nie so wichtig wie heute, vor allem junge Menschen diese Zusammenhäng zu erklären. Genau das ist das Anliegen der "Heuhüpfer", einem Verein zur Förderung von Naturpädagogik. Angesiedelt ist die Initiative am Demonstrationsbetrieb Kampfelder Hof im niedersächsischen Hiddestorf. Der Biobetrieb mit Tieren, Acker und Gemüsebau sowie großem Hofladen ist der ideale Lernort, um Naturkreisläufe, Lebensmittelerzeugung und das Wirken des Menschen darin begreiflich und erlebbar zu machen. Und dies inzwischen seit 15 Jahren. Naturerlebnispädagogin Elisabeth Seiler erzählt im demoSPEZIAL von ihrer Arbeit und warum diese ebenso erfüllend wie nie abgeschlossen ist.

Wo Lernen beginnt

Ansicht einer umgebauten Scheune. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die umgebaute Scheune am Lernort Kampfelder Hof im niedersächsischen Hiddestorf.

In den täglichen Debatten um Klimaschutz, Energiegewinnung und wachsende Weltbevölkerung gerät auch die Ernährungssicherung in den Blick; und damit die erzeugende Landwirtschaft. Sie soll uns schließlich alle sattmachen und dabei möglichst klimaneutral wie energieeffizient wirtschaften. Zukunftsfähig und nachhaltig, versteht sich. Vom Zusammenhang in den Naturkreisläufen zu hören ist dabei eine Sache. Sie zu erfahren, beispielhaft zu erleben und ins eigene Handeln einzuordnen eine andere. Bei Letztem erst kann Lernen beginnen.

Kinder gießen einen bepflanzten Acker. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Kinder legen selbst Hand an und betreuen ihre eigenen Pflanzparzellen.

Der Heuhüpfer e. V. will genau das ermöglichen. Der Verein verfolgt die UN-Ziele einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und bedient sich der Methoden der Naturerlebnispädagogik. Wie bei vielen pädagogischen Ansätzen geht es den "Heuhüpfern" um Erleben und Erfahren. Ziel ist es, Werte, Wissen und Handlungskompetenzen zu vermitteln. Nicht allein, aber vor allem für Kinder wie auch deren Familien. Doch wie gelingt dieses Vorhaben?

Eine Gruppe von Kindern sitzt zusammen und redet. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Verschiedene Gruppen besuchen den Hof und lernen Naturzusammenhänge hautnah kennen.

"Seit wir vor 15 Jahren angefangen haben, hat sich das Themenspektrum stark erweitert und vertieft. Ging es anfangs eher um die Unterschiede zwischen Bio und konventionell, so steht heute zum Beispiel die Eigenverantwortung beim Konsum im Fokus", erklärt Elisabeth Seiler. Beispiel "Klimakochen": Ein Modul, das vermittelt, welchen Einfluss die Zubereitung einer bestimmten Mahlzeit auf die Umwelt hat. "Was brauche ich für mehrere Portionen Spaghetti Bolognese oder für ein Blech Pizza? Wo kommen die Zutaten her? Wie werden sie produziert? Welche Energie wird auf jeder dieser Stufen benötigt, bis am Ende eine Hand voll Menschen ein Mal davon satt werden?"

Kinderacker und Färbergarten

Diesen Fragen gehen Elisabeth Seiler und ihre Kollegin Maria Jacobs in der Theorie, aber eben auch praxisnah durch. Aktuell brisante Themen wie Lebensmittelverschwendung oder Bienensterben finden ebenso Eingang in die Lerninhalte.

Kinder stehen um einen Apfelbaum herum. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Vom Boden bis zur Ernte: Landwirtschaft ist Arbeit, die sich am Ende lohnen soll.

Flexibilität und Vielfalt sind daher immer im pädagogischen Angebot zu finden. Es gibt Einzeltermine, Themenvormittage, saisonale Angebote, offene Werkstätten bis hin zu Wald AGs und Fortbildungen. "Wir passen die Veranstaltung in Inhalt und Form an die verschiedenen Schulformen, Altersgruppen und die individuellen Interessensschwerpunkte an", sagt Seiler. Vormittags kommen die Kleinsten, am Nachmittag eher Grundschulklassen und auch Gymnasiasten. Am Zuspruch mangelt es nicht. Viele würden gerne langfristige Veranstaltungsreihen besuchen. Doch oft fehlt es an Zeit und Geldmitteln. Umso effizienter muss das Lern- und Erlebnisangebot gestaltet werden.

Seit wir damals angefangen haben, hat sich das Themenspektrum stark erweitert und vertieft.

Ein international aufgestelltes Projekt sind die "Färbergärten". Auf einzelnen Parzellen legen die Kinder selbst Hand an und lernen etwas über die teils uralte Technik des Färbens und Malens mit Pflanzenfarben und Putzresten von Lebensmitteln. Ein anderer Zugang zu Nutzpflanzen erfolgt beim "Flächenbüffet". Hier liegt der Blick wieder auf dem Verhältnis von Einsatz und Ertrag: Wie viel Fläche brauche ich für die bestimmte Menge einer Mahlzeit? Frau Seiler erzählt: "Hier wird vielen zum ersten Mal der Aufwand bewusst. Und sie lernen, dass nicht alles immer und überall verfügbar ist" – wie man es inzwischen aus dem Supermarkt gewohnt ist.

Thema Boden bleibt ein Klassiker

Verschiedene Pflanzen mit Beschriftung, die in einer Biokiste stehen. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Nicht alles wächst immer und überall. Auch das wird durch Lernerfahrung bewusst gemacht.

Neben neuen Themen kommen auch immer wieder Klassiker vor. So zieht sich etwa das Thema Boden wie ein roter Faden durch alle Themenfelder hindurch. Vor allem Schulklassen lernen den Bezug zur Basis aller Lebensmittelerzeugung. "Das Grundthema mit seinen verschiedenen Variationen ist immer 'Vom Boden bis zur Ernte'", erläutert Frau Seiler. Hier können zudem bestehende Projekte an Schulen anknüpfen, wie etwa das "Küchendiplom" oder der "Ernährungsführerschein". Immer geht es darum, Transparenz zu schaffen, Zusammenhänge erlebbar zu erläutern und so den Blick für das eigene Handeln zu schärfen.

Viele lernen zum ersten Mal, dass nicht alles immer und überall verfügbar ist.

Der Kampfelder Hof bildet dabei den praktischen Hintergrund. Alles Genannte kann "live" am praktischen Beispiel erläutert werden, von Bodenkultur bis zur Vermarktung. "Auch Tiere sind da. Doch es geht nicht um einen Streichelzoo. Wir müssen bei allem zeigen, dass Bio zwar gute Ansätze verfolgt. Aber es ist weder ein Idyll, noch ist alles Gold was glänzt", merkt Seiler kritisch an. Nicht nur deshalb machen die "Heuhüpfer" immer weiter und bleiben thematisch am Ball. Letztlich ist alles ein Prozess. Die Zusammenhänge des Lebens, die Landwirtschaft und das Lernen.


Autor: Oliver Z. Weber

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Kampfelder Hof

Drei Männer auf einer Wiese. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.

Der Bioland-Betrieb Kampfelder Hof wird bereits in der vierten Generation von der Familie Baxmann bewirtschaftet. 1992 stellte er auf die Biologische Landwirtschaft um und baut Getreide sowie unterschiedliche Gemüse- und Kräutersorten an.
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Letzte Aktualisierung: 24.06.2019