Obst - und Weinbau Rothe

Obst - und Weinbau Rothe : Vom Wert des Weins

Innovationen und Veränderungen gehören zum Tagesgeschäft eines jeden Demonstrationsbetriebes. So auch bei den Rothes. "Jede Epoche bietet eine neue Herausforderung. Momentan ist es die Vermarktung. Man muss es schaffen, für sein Produkt die nötige Wertschätzung und so einen angemessenen Preis zu erzielen", resümiert Betriebsleiter Manfred Rothe. Wichtig sei es, eine Marke zu kreieren. Dafür brauche man ein Alleinstellungsmerkmal, muss authentisch sein und eine erkennbare Philosophie haben. Damit dies gelingt, packt in dem Familienbetrieb jeder mit an.

Offen für Neues

Als erstes gab es den Betrieb, den Obst- und Weinbau Rothe. Von Beginn an verzichteten Manfred und Christine Rothe sowohl in den Weinbergen als auch auf den Obstwiesen auf den Einsatz von Chemie. Sie setzen auf eine Arbeitsweise, die die natürliche Bodenfruchtbarkeit erhält und die Nützlinge schont. Vor 30 Jahren wurden sie dafür von manchen belächelt. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. "Als Biobauer ist man heute ein angesehener Mensch. Heute macht es Spaß", sagt Manfred Rothe.

Den Pioniergeist hat er beibehalten. Auch die Kombination von Tradition und Moderne zieht sich wie ein roter Faden durch den Betrieb. Aktuell experimentiert er mit einer 7000-jährigen Tradition und lässt Wein in georgischen Tonamphoren reifen. Offen für Fortschritt und Neuerungen, entstand vor zehn Jahren die Idee, Gastronomie und Wein miteinander zu kombinieren.

Wein und Tourismus

Mit drei Gästezimmern starteten Tochter Maria Hör und ihre Familie den Versuch. Heute haben sie in elf Zimmern Übernachtungsmöglichkeiten zum Wohlfühlen geschaffen. Natürliche Materialien wie Holzböden und Erdfarben schaffen ein gesundes Raumklima, dazu prägt ein Touch von unaufdringlichem Design die Atmosphäre. Ein echter Geheimtipp für die Region, mit vier Sternen vom Tourismusverband ausgezeichnet. Hier können Gäste entspannen und werden gleichzeitig an die Rothe-Weine herangeführt. Es gehe keinesfalls darum, jemandem etwas aufzudrängen, vielmehr sieht Maria Hör darin ein Serviceangebot: "Es gibt zu wenige, die die Gäste an die Hand nehmen und auf dem Betrieb rumführen. Das ist schade, denn viele Besucher sind neugierig, wie Wein entsteht. Nimmt man die Leute an die Hand, erkennen sie die Wertigkeit der Arbeit", erklärt sie.

Nimmt man die Leute an die Hand, erkennen sie die Wertigkeit der Arbeit.

Manfred Rothe freut sich über das Engagement seiner Tochter: "Jede Generation legt noch eine Schippe drauf. Das ist gut so, so bedienen wir den jeweiligen Zeitgeist." Die moderne Umgestaltung der Gästezimmer und die professionelle Betreuung seiner Tochter befruchtete auch seine Arbeit. "Wir hatten dann schöne Gästezimmer und den passenden Qualitätswein, aber keine repräsentative Verkaufsmöglichkeit", erzählt der Bioland-Winzer. Seine Kundinnen und Kunden sollten in einem gleichwertigen Umfeld empfangen werden. Einem Ort, an dem Wein probieren, genießen und kaufen gleichzeitig möglich ist. Die Idee der Vinothek war geboren.

Übergeordnetes Konzept

Familie Rothe weiß, dass sie bei all den Neuerungen auch immer ein übergeordnetes Konzept brauchen. "Alleine auf der grünen Wiese funktioniert das alles nicht", meint Manfred Rothe. Der Familienbetrieb sieht sich deswegen als Bestandteil eines regionalen Gesamtkonzeptes: Weininsel Nordheim. Franken. Bayern.

So hat sich Tochter Maria Hör bewusst der Fränkischen Initiative "Franken - Wein.Schöner.Land" angeschlossen und sich als Gästeführerin zertifizieren lassen. Besucherinnen und Besucher können mit ihr die Nordheimer Weinberge entdecken, um mehr über die Wein- und Kulturlandschaft zu erfahren. Manfred Rothe machte zudem die Erfahrung, dass die Winzerinnen und Winzer mit ihrer Landschaft und der Region verbunden werden. Er versteht sich als "Vorzeigebetrieb" für die Region und sucht Kooperationen mit anderen Biobauernkolleginnen und -kollgene aus der Umgebung.

Dabei verliert Manfred Rothe nie aus den Augen, dass auch weiterhin die Qualität stimmen muss. Es lohne sich sicherlich nicht, exklusive Zimmer anzubieten, und dann schmecke der Wein nicht. Bei allen Angeboten setzt er auf Exklusivität und Purismus. Das findet sich auch im Design der Zimmer und der Vinothek wieder. Für den Wein bedeutet es: "Wein braucht Zeit und keine Zusatzstoffe". Stimmt der Geschmack, dann erzielt er auch das gewünschte Verständnis auf Kundenseite und erreicht die angestrebte Wertschätzung. Die Voraussetzung dafür, einen angemessenen Preis für seine Produkte zu bekommen.

Erfolgsfaktor Familie

Bei all dem Wachstum und den Veränderungen ist es wichtig, familiengerecht zu bleiben und die Balance zu erhalten. Dieser Herausforderung wollen die Familien Rothe und Hör gemeinsam begegnen. Doch das ist nicht einfach, denn ihre Arbeit ist aktuell sehr zeitintensiv. Viele Führungen werden organisiert, die Zimmer sind ausgebucht, bei der Weinlese muss geholfen werden, in der Vinothek muss jemand die Gespräche führen. Die personellen Grenzen sind erreicht. Für das nächste Jahr muss ein neues Konzept her. Die Lösung liegt nicht auf der Hand, da beide wollen, dass der Betrieb ein Familienbetrieb bleibt.

Dennoch ist Manfred Rothe zuversichtlich, dass seine Familie die Zukunft gemeinsam meistern wird und bringt seine Vorstellung auf den Punkt: "Die größte Herausforderung eines Betriebes ist es, ihn so interessant zu gestalten, dass er von der nächsten Generation weitergeführt wird. Das ist die Idee vom Familienbetrieb. Und auch mein Wunsch: Dass es weitergeht."

Autorinnen: Karin Wilhelm, Kathrin Billgen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken (PDF-Datei).


Betriebsporträt: Weingut und Obstbau Rothe

Der aktive Naturschützer Manfred Rothe setzte sich bereits vor seiner Arbeit als Betriebsleiter für den Schutz alter Obstsorten ein. Er kaufte bzw. pachtete schützenswerte Obstwiesen, um sie selbst zu bewirtschaften und machte seine Leidenschaft zum Beruf. Mit der kontinuierlichen Erweiterung der Obst- und Weinbauflächen und dem Beitritt zum Bioland-Verband 1991 war der Grundstein gelegt für den Einstieg in den Haupterwerb.
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Letzte Aktualisierung 14.10.2014

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