Demonstrationsbetriebe


Sonnengut Gerster: Bienen - mehr als Honig

Für Claudia und Gerhard Gerster vom gleichnamigen Sonnengut gehören Bienen auf jeden Bauernhof. Immerhin wachsen ein Drittel aller Lebensmittel ausschließlich dank ihrer Bestäubungsleistung. Deswegen gilt die Biene auch als drittwichtigstes Nutztier. Und doch verschwindet sie aus unserem Lebensumfeld. Die Gersters wollen das ändern. Sie machen sich stark für mehr biologische Vielfalt und setzen sich gegen das Bienensterben ein.

Summende Nutztiere

Biene auf blühender Pflanze. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Die Bestäubungsleistung der Bienen ist für uns Menschen unverzichtbar.

"Wenn man erst einmal anfängt, kann man es nicht mehr lassen!", erklärt Claudia Gerster begeistert und wird freudig von ihren Mitbewohnern umschwärmt. Seit vier Jahren betreut sie sechs Bienenvölker, also etwa 300.000 Bienen, die auf dem Sonnengut Gerster in Dietrichsroda, einem kleinen Dorf im Burgenlandkreis, leben. Für Claudia und Gerhard Gerster sind die summenden Nutztiere ein Indikator für einen intakten Lebensraum und eine gesunde Landschaft. "Bis vor wenigen Jahrzehnten war es natürlich, dass auf jedem Bauernhof ein Familienmitglied Bienen hielt", erklärt Claudia Gerster. Das sei auch logisch, denn beispielsweise gebe eine Streuobstwiese ohne Bienen keine oder nur wenige Früchte.

Wenn man erst einmal anfängt, kann man es nicht mehr lassen!

Bienen in Gefahr

Ehepaar Gerster. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Claudia und Gerhard Gerster leiten den familiären Gemischtbetrieb.

Als sie 2010 beschloss, eine Imkerei aufzubauen, ging es Claudia Gerster nicht vordergründig um den Nutzen, den die Bienen ihr und ihrem Hof bringen würden. Vielmehr fragte sie sich: Was kann sie und ihre Familie den Bienen Gutes tun? "Spezialisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft haben die Bienen und viele andere Insekten zunehmend aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt", erklärt sie und vermutet, dass die Ursachen ein Zusammenspiel vieler Einflüsse und Entwicklungen seien. Der steigende Einsatz von Pestiziden (sogar nach der Ernte) sowie von Saatgutbeizmitteln schwächt oder tötet die Bienen. Eine geschwächte Biene ist dann auch anfällig für die Varroa-Milbe – ein Parasit, der sich vom Blut der Insekten ernährt und dabei Vireninfektionen den Weg ebnet. Einige der Bienen müssen verhungern, denn die zurückgehende Artenvielfalt führt dazu, dass immer weniger Blüten wachsen und die Bestäuberinsekten vor allem im Spätsommer nur wenig Pollen-Nahrung finden.

Bienen am Bienenstock. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Bienen gelten für die Gersters als Anzeichen eines intakten Lebensraums.

"Gegen das Bienensterben können wir Bauern viel machen", erklärt Gerster und zählt verschiedene Maßnahmen auf: Zwischenfrüchte säen, Saatkugeln streuen, den Rasen wachsen lassen, einen Blühstreifen anlegen oder selbst Bienen halten und nicht zuletzt: Bildungsarbeit. Als Demonstrationsbetrieb sind auf dem Sonnengut Gerster regelmäßig Kindergarten- und Schulkinder zu Besuch. Sie können den "Bauernhof als Klassenzimmer" für thematische Projekttage nutzen. Wenn Claudia Gerster dann auf die Bienen zu sprechen kommt, erlebt sie meistens eine starke Neugier und Faszination der Kinder, die das Bienenvolk beobachten und Honig schlecken können. "Fangen sie an, sich mit Bienen zu beschäftigen, kommen sie nicht umhin, sich mit Landwirtschaft zu beschäftigen", freut sich Gerster.

Gegen das Bienensterben können wir Bauern viel machen.

Imkern für Anfänger

Kuh und Kälber auf einer Weide. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Den Mist der Rinder, Schweine und Pferde nutzen die Gersters zum Düngen.

Bevor sich die Gersters die nützlichen Insekten anschafften, besuchte Claudia Gerster einen Jungimkerkurs. Die Nachwuchskräfte werden in Sachsen-Anhalt gefördert, denn es gibt hier viele ältere Imkerinnen und Imker und nur wenige junge Menschen, die sich um die Bienen kümmern werden, wenn die Älteren aufhören.
Im Kurs erfuhr sie die Grundlagen des Bienenhaltens und wurde mit einem Starterpaket ausgestattet. Wie bei allen Tieren gibt es auch bei den Bienen verschiedene Haltungsformen. Gerster entschied sich, nach Bruder Adam zu imkern. Das heißt sie nutzt eine Dadant-Beute, also einen großen Holzkasten mit einem ungeteilten Brutraum. Damit stellt sie sicher, dass sie beim Öffnen der Beute - wenn sie beispielsweise die Bienen beobachten will - nicht jedes Mal die Brutnester auseinander reißt.

Schweine in einer Suhle. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Schweine werden im Offenstall gehalten und haben Auslauf zum Wühlen.

Interessant ist für sie auch die wesensgerechte Bienenhaltung, wie sie zum Beispiel von der Fischermühle (Mellifera e. V.), ein weiterer Demonstrationsbetrieb, praktiziert wird. Die Idee dahinter ist, sich ganz gezielt mit dem Wesen des Bienenvolkes zu beschäftigen und den Naturwabenbau zu unterstützen. Dazu möchte Claudia Gerster gerne einmal eine Fortbildung machen und auch grundsätzlich sucht sie gerne den Austausch. Deswegen rät sie allen Anfängerinnen und Anfängern, sich von Beginn an einen Patin oder Paten zu suchen, die oder der ein offenes Ohr für Fragen hat. Außerdem sollten Neuimkerinnnen und Neuimker am besten mit mindestens zwei Völkern starten, um besser beobachten und vergleichen zu können.

Kreislaufwirtschaft par excellence

Weitfäufiger Acker. Klick führt zu Großanicht in neuem Fenster.
Ein- bis dreimal im Jahr wird das Heu geerntet, das als Futter für die Tiere dient.

Die Bienen passen gut zum Hofkonzept des Demeter-Betriebes, denn auf dem Sonnengut der Familie Gerster gibt es eine Kreislaufwirtschaft par excellence: Die Düngung der Ackerflächen erfolgt durch den präparierten Mist der eigenen Rinder, Schweine und Pferde, die wiederum mit dem Getreide gefüttert werden.
Zudem werden Getreide und Milch direkt auf dem Hof zu Brot und Käse verarbeitet und in der Biogasanlage wird der betriebseigene Mist in Wärme umgewandelt. Claudia Gerster ist überzeugt: "Der Biogedanke funktioniert nur, wenn die regionalen Kreisläufe beachtet werden." Umso mehr lohne es sich, sich um Bienen zu kümmern, denn Bestäubung kann niemand einfach einkaufen.


Autorinnen: Karin Wilhelm, Kathrin Billgen


Betriebsporträt: Sonnengut Gerster

Claudia und Gerhard Gerster. Klick führt zur Großansicht im neuen Fenster.

Im Jahre 1994 erwarben Claudia und Gerhard Gerster in Dietrichsroda, einem kleinen Dorf auf der Finne im Burgenlandkreis, einen alten Vierseitenhof, um einen bäuerlichen, biologisch wirtschaftenden Betrieb aufzubauen – das Sonnengut.
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