Demonstrationsbetriebe


Vogelfängerkaten: Wilde Bienen und alte Apfelsorten

Mann und Frau lächeln in die Kamera. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Harald und Bianca Quint bauen hauptsächlich Äpfel, aber auch Birnen, Pflaumen, Heidelbeeren und Himbeeren an.

Harald Quint ist seit zehn Jahren Biobauer. Auf den Flächen rund um den Demonstrationsbetrieb Vogelfängerkaten, zwischen Lübeck und Hamburg gelegen, bauen er und seine Frau Bianca hauptsächlich Äpfel, aber auch Birnen, Pflaumen, Heidelbeeren und Himbeeren an. Bestäubt werden die Obstblüten vorwiegend von Wildbienen, denen die Quints einen idealen Lebensraum bieten. Vor der Hofübernahme hat Harald Quint als Rechtsanwalt für Steuerrecht gearbeitet. Er selbst findet den spektakulären Berufswechsel wenig aufregend. "Ich arbeite heute genauso viel wie damals – nur kann ich mehr draußen sein", scherzt er. Den Hof Vogelfängerkaten hat er eigentlich als Anlageobjekt gekauft, restauriert und verpachtet. Die Zusammenarbeit mit dem Pächter klappte nicht. "Da kann ich es auch gleich selbst machen", entschied Quint kurzerhand. Es passte. Es bot sich an. Es ist für ihn stimmig.

Holzkiste, gefüllt mit rot-gelben Äpfeln. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Ernte von 220 Tonnen pro Jahr reicht bis in den Mai hinein und wird direkt auf dem Hof professionell gelagert.

Als er vor zehn Jahren anfing, war außer einer alten Streuobstwiese noch nichts da. Quint belegte in der Obstbauversuchsanstalt Jork im Alten Land, nahe Hamburg, diverse Kurse und lernte, wie man Streuobstwiesen und Obstplantagen anlegt, wie die Bäume beschnitten werden und wie Biobauern gegen Schädlinge vorgehen. "Ich bin zudem durch ganz Europa getourt und habe mich bei Kollegen informiert, wie sie arbeiten. So entwickelte ich meinen eigenen Stil", erinnert sich Quint. Und es funktioniert: Die Ernte von 220 Tonnen Äpfel kann sich sehen lassen.

Bunte Obstvielfalt

Obstwiese mit blühenden Bäumen und Hühnern. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Auf den Obstwiesen fühlen sich die Hühner, Gänse und Enten, die zum Hof gehören, so richtig wohl.

Sein Demeterbetrieb liegt am Rande des Naturschutzgebiets Hahnheide. Das Ehepaar Quint pflanzte auf Empfehlung des Bioberaters 65 verschiedene Apfelsorten, viele davon typisch für die Region wie beispielsweise Holsteiner Cox, Gelber Richard, Martini und Seestermüher Zitronenapfel.

Eine Biene sitzt auf einer weißen Blüte. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Die Wildbienen sind fleißige Bestäuber und recht robust gegen Wind und Wetter.

Um die bunte Obstvielfalt zu bestäuben, nutzen die Quints Wildbienen. Wie das? Wie der Name schon sagt, sind die Tiere wild und frei, kommen oder gehen, wie sie wollen. "Richtig", stimmt Quint zu, ergänzt aber: "Man kann Wildbienen auch als Nützlinge kaufen. Wenn es ihnen gefällt, bleiben sie ganz freiwillig." 1.000 Wildbienen, genauer gesagt zwei Mauerbienenarten – die Gehörnte und die Rote Mauerbiene –, haben die Quints damals gekauft. Inzwischen ist der Bestand auf zirka 300.000 Individuen gewachsen.

Vielfältige Vermarktung in der Region

Nahaufnahme auf ein Wildbienenhaus. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Eines von zwölf Wildbienenhäusern. Es ist fast vollständig bezogen.

Kein Wunder, denn die Mauerbienen haben ideale Lebensbedingungen in den Obstplantagen. Sie leben, anders als die Honigbiene, als Einzelgänger und suchen sich Hohlräume, um Brutzellen anzulegen. Die finden sie zum Beispiel in Trockenmauern, Löß- und Lehmwänden sowie in Totholz. In zwölf großen Nisthilfen aus Holz mit geeigneten Bohrungen bieten die Quints den Mauerbienen ein schönes Zuhause. Sechs bis acht Brutzellen baut die Biene in eine Röhre. Sie trennt die Zellen mit einer Masse aus Speichel und Lehm und verschließt die Brutröhre mit gleicher Taktik. In jede Zelle legt sie ein Ei und Pollen als Nahrung für die Larve. Nach ungefähr drei bis vier Wochen hat die Larve den Pollen in ihrer Kammer aufgefressen. Sie spinnt sich in einen Kokon ein und verpuppt sich darin zur voll entwickelten Mauerbiene. "Ende August, Anfang September sind die Bienen voll entwickelt und verharren in ihrem Kokon bis zum nächsten Frühjahr", erklärt Quint.

Wenn es den Wildbienen gefällt, bleiben sie ganz freiwillig.

In dieser Zeit kann einiges passieren: Milben, Würmer und andere Parasiten machen sich in den Brutzellen breit und schädigen die Wildbienen. "Am besten ist deshalb, wenn wir die Kokons schon im Herbst aus den Nisthilfen holen und reinigen", erläutert Quint. Das ist allerdings eine Frage der Kapazitäten. "Im Herbst haben wir mit der Ernte und dem Mosten genug zu tun." Deshalb kommen einige der Nisthilfen erst einmal ins Kühlhaus, um dann im Winter gesäubert zu werden." Im Frühjahr stellt Quint die Kokons wieder nach draußen. Sie liegen in Eierkartons, selbstverständlich mit Lochbohrungen, ganz in der Nähe der blühenden Bäume. "So kann ich den Schlupf etwas steuern und die Bienen nach und nach – je nach Blüte der verschiedenen Obstsorten – aus dem Kühlhaus nach draußen bringen", erklärt der Landwirt. Ansonsten würden die Bienen alle gleichzeitig schlüpfen. So kommen sie gezielt zum Einsatz.

Robuste Helfer

Regal, gefüllt mit verschiedenen Gläsern und Flaschen, gefüllt mit Honig, Marmelade und Säften. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Samstags ist der Hofladen geöffnet. Neben frischem Obst gibt es Saft, Marmelade, Honig und Obstbrände.

Die Wildbienen haben einen Flugradius von nur wenigen hundert Metern. Finden sie in diesem Radius reichlich Nahrung, bleiben sie vor Ort und pflanzen sich fort. Theoretisch kann eine Biene in ihrem vier- bis sechswöchigen Leben 30 Brutzellen anlegen. Praktisch gibt es wegen natürlicher Feinde nur bis zu zehn Nachkommen.

So haben die Wildbienen uns trotz schlechten Wetters eine gute Ernte gesichert.

Biobauer Quint berichtet, warum die Wildbienen ihm mehr nützen als Honigbienen: "Wildbienen sind sehr robust und kommen schon bei vier bis sechs Grad aus dem Knick. Das ist ein Vorteil gegenüber Honigbienen, die erst ab zirka zwölf Grad fliegen und auch bei Regen und Wind lieber im warmen Haus bleiben." So haben die Wildbienen den Quints trotz schlechten Wetters eine gute Ernte gesichert. Im benachbarten Alten Land, wo mit Honigbienen bestäubt wird, gab es hingegen Ernteeinbußen von etwa 40 Prozent, weil starker Regen und Wind die Honigbienen am Bestäuben hinderten.

Quint arbeitet mit zwei Bienenarten: Die Gehörnte Mauerbiene fliegt von Mitte März bis Ende April und bestäubt Pflaumen und früh blühende Äpfel. Die Rote Mauerbiene, die 2019 sogar als "Insekt des Jahres" auf ihre Bestäubungsleistung aufmerksam macht, folgt dann etwa einen Monat später und fliegt bis Ende Mai. Inzwischen werden die Wildbienen sogar von Honigbienen unterstützt: "Aber eigentlich nur, weil wir unseren Kunden den schönen Apfelblütenhonig anbieten möchten", so Quint.


Autorin: Hella Hansen

Hier finden Sie das demoSPEZIAL zum Herunterladen und Ausdrucken.


Betriebsporträt: Vogelfängerkaten

Gänse auf einer Wiese.

Der Obstbaubetrieb Vogelfängerkaten liegt am Rande des idyllischen Naturschutzgebietes Hahnheide, zwischen Hamburg und Lübeck. Sein Name geht auf die Tradition des Vogelfangs zurück. Die Familie Quint betreibt hier seit 2008 ökologische Landwirtschaft.
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Letzte Aktualisierung: 20.03.2019