Naturschutz im Ökolandbau

Naturschutz im Ökolandbau

Über die Hälfte der Fläche in Deutschland wird landwirtschaftschaftlich genutzt. Hier sind im Laufe der Jahrhunderte durch eine vielfältige Bewirtschaftung zahlreiche Pflanzen- und Tierarten entstanden. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft verschwinden sie wieder. Die Forschungsergebnisse beim Artenschwund sind alarmierend: Das Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg bilanzierte beispielhaft in einem Naturschutzgebiet nahe Regensburg einen dauerhaften Rückgang der Schmetterlingsarten. Flatterten im Jahr 1840 noch 117 Tagfalterarten auf dem 45 Hektar großen Wiesenstück herum, waren es 2013 nur noch 71. Rund 45 Prozent unserer Agrarvogelarten stehen bereits auf der Roten Liste. 

Ökolandbau - Mehrwert für die Natur

Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern haben in Sachen Naturschutz die Nase vorn: sie bringen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger aus und lassen mehr Vielfalt im Grünland und auf dem Acker zu. Besondere Ackerkulturen wie Erbsen-Gersten-Gemenge, Lupinen, Ackerbohnen oder blühende Kleeflächen bereichern das Landschaftsbild. Darüber hinaus haben die Betriebe im Durchschnitt 50 Prozent mehr naturnahe Randstrukturen wie Hecken, Baumreihen oder Gewässer. All das zahlt sich aus, wie zahlreiche Studien belegen. Das Kompetenzzentrum für Ökologischen Landbau in Niedersachsen hat wissenschaftliche Untersuchungen rund um den Naturschutz in der Broschüre `Ökolandbau-Mehrwert für die Natur´ zusammengestellt.

Mehr Biodiversität auf dem Bio-Acker

Ackerwildkräuter: Auf einem Bio-Acker finden sich bis zu neunmal so viele Arten an Ackerwildkräutern wie auf konventionellen Flächen. Seltene Arten sind fast ausschließlich auf ökologisch bewirtschafteten Feldern zu finden.

Mehr Blütenfutter für Biene: Bei einer Zählung von offenen Blüten waren auf Ökogetreideäckern im Durchschnitt 277 geöffnete Blüten pro Quadratmeter nachweisbar/zu finden werden, auf den konventionellen Vergleichsflächen dagegen gerade einmal 0 bis 3 Blüten.

Hasen brauchen kräuterreiches Bio-Grünland: Acht Jahre nach der Umstellung auf Ökolandbau gab es fünfmal mehr Hasen als zuvor. Hier fanden die Langohren so viel Futter und Deckung, dass sie auch nur ein halb so großes Revier brauchten wie in intensivgenutzten Ackerbauregionen.

Feldlerche oder Kiebitz finden mehr Futter und Brutgelegenheiten: Im Ökofeld wohnen mehr Insekten und die Getreidehalme stehen nicht so dicht, was die Bodenbrut erleichtert.   

Mehr Wissen, mehr tun

Nichtsdestotrotz können auch Bio-Betriebe noch mehr tun. Das reicht vom einfachen Aufhängen von Nistkästen über das Anlegen von neuen Streuobstwiesen bis hin zum wildtierfreundlichen Mähen. Doch nur die wenigsten Bio-Bäuerinnen und -Bauern wissen, welche Arten sie auf ihrem Hof wie fördern können. Genau wie bei der Produktion ist auch hier Beratung gefragt: "Wir finden für jeden Hof passende Maßnahmen, die die Artenvielfalt fördern und die die Bauern gerne umsetzen. Vielen Landwirten macht der Naturschutz nach der Beratung viel mehr Freude", berichtet Naturschutzberaterin Katharina Schertler von Bioland. Der ökologische Anbauverband hat die Förderung der Biodiversität mittlerweile sogar in seinen Richtlinien aufgenommen. Biopark setzt auf freiwillige Fortbildung und hat gemeinsam mit dem WWF Deutschland und dem Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF e.V.) das Projekt Landwirtschaft für Artenvielfalt gestartet.

Gemeinsam für mehr Artenvielfalt 

An dem vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern und Edeka unterstützten Modellprojekt beteiligen sich bisher 70 Bio-Betriebe aus dem Norden. Sie engagieren sich in Absprache mit einem Naturschutzberater auf ausgewählten Feldern, Wiesen und Weiden zusätzlich für den Erhalt der Natur. Zum Beispiel mähen sie ihre Kleegrasflächen nach dem ersten Schnitt im Mai erst sieben bis acht Wochen später wieder. So können bodenbrütende Vögel wie die Feldlerche ihre Jungen in Ruhe aufziehen. Für jede Naturschutzleistung erhalten die Betriebe Punkte: je effektiver die Maßnahme ist, desto mehr. Wer nachweislich genug Punkte für die Natur gesammelt hat, wird zertifiziert und erhält vom Lebensmittelunternehmen Edeka-Nord einen Aufpreis für seine Rohware. Die Produkte der Marke `Natur pur´ sowie Kartoffeln mit dem Logo `Landwirtschaft für Artenvielfalt‘ gibt es in Edeka-Läden in Norddeutschland. Geplant ist, dass weitere Produkte und Regionen dazukommen.


Letzte Aktualisierung 23.11.2021

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