Bio im Alltag


Naturschutz im Ökolandbau

Grafik: Breite Mehrheit für mehr Naturschutz in der Landwirtschaft. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Wir fühlen uns mit der Natur sehr verbunden, aber sind wir auch bereit mehr für naturfreundlich hergestellte Lebensmittel zu bezahlen? Grafik: BMUB

Laut aktuellen Umfragen wünscht sich die Bevölkerung eine tier- und naturfreundliche Landwirtschaft. Wer heimische Bioprodukte kauft, tut automatisch etwas für den Naturschutz vor Ort. Denn in punkto Biodiversität haben Biobetriebe die Nase vorn. 

Die gute Nachricht kommt von der aktuellen Naturbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums: Demnach befürworten 83 Prozent der Befragten strengere Regeln und Gesetze zum Schutz der Natur in der Landwirtschaft. 92 Prozent wünschen sich, dass Landwirtinnen und Landwirte stärker beachten, wie sich ihr Tun auf die Natur auswirkt. 93 Prozent fordern die Beachtung des Tierwohls bei der Lebensmittelproduktion. Ein klares Votum für mehr Tierwohl, Naturschutz und Biolandwirtschaft.

Rückgang der Insektenvielfalt

Schwebfliege auf gelber Blüte. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Schwebfliegen sehen aus wie kleine Wespen und sind wichtige Bestäuber. Foto: NABU-Helge May

Die schlechten Nachrichten kommen aus der Forschung: Das Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut in Müncheberg bilanzierte beispielhaft in einem Naturschutzgebiet nahe Regensburg einen dauerhaften Rückgang der Schmetterlingsarten. Flatterten im Jahr 1840 noch 117 Tagfalterarten auf dem 45 Hektar großen Wiesenstück herum, waren es 2013 nur noch 71. Gründe dafür seien die Intensivierung der Landschaftsnutzung, der globale Klimawandel sowie die hohe Stickstoffbelastung. 

Der Naturschutzbund warnt vor einem dramatischen Insektensterben. Allein in Nordrhein-Westfalen sei in den vergangenen 15 Jahren die Biomasse der Fluginsekten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. "Unsere Beobachtungen sind beängstigend. Wenn uns die Fluginsekten fehlen, gerät die gesamte Nahrungskette in Gefahr: Blumen und Bäume werden nicht mehr bestäubt und Mauerseglern und Schwalben fehlt die Nahrungsgrundlage", sagt Josef Tumbrinck vom NABU Nordrhein-Westfalen.  

Ökolandbau - Mehrwert für die Natur

Biobäuerinnen und Biobauern bringen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und mineralischen Dünger aus, lassen mehr Vielfalt im Grünland und auf dem Acker zu. Besondere Ackerkulturen wie Erbsen-Gersten-Gemenge, Lupinen, Ackerbohnen oder blühende Kleeflächen bereichern das Landschaftsbild. Darüber hinaus haben die Betriebe im Durchschnitt 50 Prozent mehr naturnahe Randstrukturen wie Hecken, Baumreihen oder Gewässer. All das zahlt sich aus, wie zahlreiche Studien belegen. Das Kompetenzzentrum für Ökologischen Landbau in Niedersachsen hat wissenschaftliche Untersuchungen rund um den Naturschutz in der Broschüre `Ökolandbau-Mehrwert für die Natur´ zusammengestellt.

Beispiele für mehr Biodiversität auf dem Bioacker

Hase in Wiese. Klick führt zu Großansicht in neuem Fenster.
Suchbild: Im hohen Gras kann sich der Hase gut verstecken. Foto: Jutta Schneider-Rapp

Ackerwildkräuter: Auf einem Bioacker finden sich bis zu neunmal so viele Arten an Ackerwildkräutern wie auf konventionellen Flächen. Seltene Arten sind fast ausschließlich auf ökologisch bewirtschafteten Feldern zu finden.

Mehr Blütenfutter für Biene: Bei einer Zählung von offenen Blüten waren auf Ökogetreideäckern im Durchschnitt 277 geöffnete Blüten pro Quadratmeter nachweisbar/zu finden werden, auf den konventionellen Vergleichsflächen dagegen gerade einmal 0 bis 3 Blüten.

Hasen brauchen kräuterreiches Biogrünland: Acht Jahre nach der Umstellung auf Ökolandbau gab es fünfmal mehr Hasen als zuvor. Hier fanden die Langohren so viel Futter und Deckung, dass sie auch nur ein halb so großes Revier brauchten wie in intensivgenutzten Ackerbauregionen.

Feldlerche oder Kiebitz finden mehr Futter und Brutgelegenheiten: Im Ökofeld wohnen mehr Insekten und die Getreidehalme stehen nicht so dicht, was die Bodenbrut erleichtert.   

Mehr Wissen, mehr tun

Nichtsdestotrotz können auch Biobetriebe noch mehr tun. Das reicht vom einfachen Aufhängen von Nistkästen über das Anlegen von neuen Streuobstwiesen bis hin zum wildtierfreundlichen Mähen. Doch nur die wenigsten Biobäuerinnen und -bauern wissen, welche Arten sie auf ihrem Hof wie fördern können. Genau wie bei der Produktion ist auch hier Beratung gefragt: "Wir finden für jeden Hof passende Maßnahmen, die die Artenvielfalt fördern und die die Bauern gerne umsetzen. Vielen Landwirten macht der Naturschutz nach der Beratung viel mehr Freude", berichtet Naturschutzberaterin Katharina Schertler von Bioland. Der ökologische Anbauverband Biopark setzt ebenfalls auf freiwillige Fortbildung. Gemeinsam mit dem WWF Deutschland hat er das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF e.V.) angeregt, ein wissenschaftlich fundiertes Naturschutzmodul zu entwickeln. 

Gemeinsam für mehr Artenvielfalt 

An dem vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern und Edeka unterstützten Modellprojekt beteiligen sich bisher 58 Biobetriebe aus dem Nordosten. Sie engagieren sich in Absprache mit einem Naturschutzberater auf ausgewählten Feldern, Wiesen und Weiden zusätzlich für den Erhalt der Natur. Zum Beispiel mähen sie ihre Kleegrasflächen nach dem ersten Schnitt im Mai erst sieben bis acht Wochen später wieder. So können bodenbrütende Vögel wie die Feldlerche ihre Jungen in Ruhe aufziehen. Für jede Naturschutzleistung erhalten die Betriebe Punkte: je effektiver die Maßnahme ist, desto mehr. Wer nachweislich genug Punkte für die Natur gesammelt hat, wird zertifiziert und erhält vom Lebensmittelunternehmen Edeka-Nord einen Aufpreis für seine Rohware. Die momentan 90 Fleischprodukte der Marke `Natur pur´ sowie Kartoffeln mit dem Logo `Landwirtschaft für Artenvielfalt‘ gibt es in Edeka-Läden in Norddeutschland. Geplant ist, dass weitere Produkte und Regionen dazukommen.


Letzte Aktualisierung: 21.06.2016