Bio im Alltag


Streuobstwiesen und Umweltschutz

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Rot, Gelb, süß, sauer: Auf einer Streuobstwiese gibt es in der Regel viele verschiedene Sorten. Foto: Hella Hansen, FiBL

Streuobstwiesen haben eine jahrhundertelange Tradition. In ihren Anfängen wurden sie unmittelbar am Wohnhaus angelegt und dienten der Selbstversorgung. Ihren Namen haben die Streuobstwiesen von den verstreut gepflanzten Bäumen. Häufig sind dies Apfelbäume, aber auch Birn-, Kirsch-, Pflaumen- und Walnussbäume sind beliebt.

Ob am Bodensee, im Spessart oder an der Havel: Weitläufige Streuobstwiesen prägen die Kulturlandschaft, sehen schön aus und haben einen hohen ökologischen Wert. Sie sind Lebensraum von über 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören auch selten gewordene Arten wie Steinkauz, Siebenschläfer und Grünspecht sowie eine Vielzahl von Insekten und Fledermäusen. Weil die Bäume hochstämmig sind, können die Wiesen doppelt genutzt werden: oben wachsen verschiedenste, meist regionaltypische Obstsorten, unten Gras für Weidetiere.

Kulturgut erhalten

Moderne Produktionsverfahren und die Verteuerung der Arbeitskraft machten die traditionellen Strukturen zunehmend unwirtschaftlich. Immer häufiger wurden die hochstämmigen Bäume der Streuobstwiesen deshalb durch niederstämmige und dicht gepflanzte Monokulturen ersetzt. Seit Anfang der 1980er Jahre ist dieser Trend glücklicherweise wieder rückläufig. Naturschützerinnen und Natürschützer, Landwirtinnen und Landwirte, aber auch die öffentliche Hand und Keltereien setzen sich wieder für den Schutz der Streuobstbestände in Deutschland ein. Nicht jede Streuobstwiese ist Bio. Aber Biobäuerinnen und Biobauern liegen der Erhalt und die Neuanlage der Obstwiesen besonders am Herzen. Kein Wunder: Sie kennen die Bedeutung des traditionellen Obstanbaus für Landschaftspflege, Naturschutz und als Kulturgut.

Alte Sorten probieren

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Die Merkmale von Bäumen auf einer Streuobstwiese: Sie sind hochstämmig und ungeordnet. Foto: Thomas Stephan, BLE

Viele der etwa 3.000 unterschiedlichen Obstsorten kommen nur regional vor, manche sind schon uralt. Die Goldparmäne ist beispielsweise eine der ältesten Apfelsorten Europas und seit circa 1.800 Jahren in Deutschland verbreitet. Rosenapfel, Gascoynes Scharlachroter, Geheimrat Dr. Oldenburg: Die alten Sorten haben teilweise ungewöhnliche Namen. Sie stellen eine wichtige genetische Ressource für die Zukunft dar und sollten deshalb erhalten bleiben. Doch im Streuobstanbau sind auch moderne Neuzüchtungen wünschenswert, beispielsweise Apfelsorten, die widerstandsfähig sind gegen Krankheiten wie Feuerbrand und Apfelschorf.

Probieren können Interessierte die Sorten vor allem auf regionalen Bauernmärkten, im normalen Supermarkt oder Naturkosthandel sind sie nur selten oder gar nicht erhältlich. Saft der ortsansässigen Keltereien wird auch heute immer noch größtenteils mit Streu- und Gartenobst produziert. Wer seine eigene Ernte zu Saft verarbeiten lassen möchte, hat in vielen Mostereien die Möglichkeit dazu. Eine Liste von Mostereien gibt es beim Naturschutzbund Deutschland.


Letzte Aktualisierung: 07.04.2017