Bio im Alltag


Gefährdete Nutztierrassen erhalten

Auf unseren intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen finden heute viele Tier- und Pflanzenarten keine Heimat mehr. Weniger bekannt ist, dass auch die Zahl unserer Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten dramatisch zurückgegangen ist. So gibt es heutzutage sogar Rote Listen für Nutztiere und "Gefährdete Nutztierarten des Jahres". Dazu gehören Wollschein, Pekingente, regionale Rinderrassen und unbekannte Wolltiere wie das Deutsche Karakul - eine 4500 Jahre alte Schafrasse. Da Biobetriebe sich Vielfalt und Regionalität schätzen und brauchen, züchten und erhalten einige von ihnen alte Haustierrassen.

Einheitsrassen in der Landwirtschaft

Buntes Bentheimer Schwein. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Schweine der Rasse Bunte Bentheimer stuft die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) als "extrem gefährdet" ein. Auf vielen Ökohöfen werden sie gezüchtet und gemästet. Foto: Thomas Stephan, BLE

In unseren Ställen stehen immer mehr Einheitsrassen und Spezialisten: Hielt man früher zum Beispiel Rinder, die sowohl für die Milch- als auch die Fleischerzeugung genutzt und zudem auf dem Acker eingesetzt werden konnten (eine sogenannte Dreinutzungsrasse), stehen an deren Stelle nun Hochleistungsrassen im Stall. Diese sind meist nur für eine Nutzungsrichtung, beispielsweise zur Fleischproduktion, geeignet. So gibt es beispielsweise Fleischrinderrassen wie Angus und Charolais und Milchviehrassen wie Deutsche Holstein. Bei den Schweinen haben sich speziell gezüchtete Hybridrassen durchgesetzt.

Rettung auf Arche-Höfen

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) setzt sich seit 1981 für die Lebenderhaltung der Nutztierrassen ein. Das bedeutet, dass die Tiere nicht als Streichelzoo-Projekt gehalten werden, sondern so auf dem Betrieb eingebunden sind, dass eine langfristige Erhaltung gewährleistet ist. Daher hat die GEH im Jahr 1995 das Arche-Hof Projekt gestartet, dem mittlerweile über 90 Höfe angehören. Auf diesen Höfen können interessierte Privatpersonen oder Schulklassen alte, oft ungewohnt aussehende Tierrassen kennenlernen und Einblick in die Erhaltungsarbeit bekommen. Einige der Arche-Höfe arbeiten nach ökologischen Richtlinien und sind im Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau organisiert. Zum Beispiel:

Entscheidung mit dem Einkaufskorb

Wer die Erhaltungsarbeit dieser engagierten Landwirtinnen und Landwirte unterstützen möchte, sollte deren Angebote nutzen. Einfach beim nächsten Einkauf auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen gezielt nach Fleisch vom Glanrind oder Gelbvieh, nach Schinken vom Deutschen Sattelschwein und Schnitzel vom Schwäbisch-Hällischen Schwein oder nach Ziegenkäse aus der Region fragen. Das hilft der Artenvielfalt in der heimischen Landwirtschaft. Im Gegenzug bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Geschmacksvielfalt und neue Genusserlebebnisse.

Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES)

Das Informationssystem Genetische Ressourcen (GENRES) wird vom Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Informationsplattform zur Agrobiodiversität betrieben.

GENRES: Verbraucherinnen und Verbraucher, Ernährung und nachhaltiger Konsum

Filmtipp: Schafsnase, Saibling und Totleger - Leben is(s)t Vielfalt (2009, DVD, 38 Minuten) Vielfalt ist für unsere Ernährung wichtig - je bunter, desto besser. Farbenpracht auf dem Teller heißt Genuss, Vielfalt der Nährstoffe, Gesundheit. Der Film soll einen Eindruck über die biologische Vielfalt in der Landwirtschaft vermitteln und den Erhalt dieser Vielfalt schmackhaft machen.

Schutzgebühr: 10,00 Euro

Informationen zum Film, Bestellung und kostenloser Download


Letzte Aktualisierung: 07.04.2017