Bio im Alltag


Was kosten unsere Lebensmittel wirklich?

Geldscheine und Taschenrechner. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Lebensmittel sind viel teuer als gedacht. Foto: Andreas Greiner

Die Preise für Lebensmittel spiegeln nicht die wahren Kosten wider, die bei der Produktion entstehen. Denn Umweltbelastungen führen zu versteckten Effekten, die derzeit nicht in die Preisbildung für Lebensmittel einbezogen werden. Ein Forscherteam der Universität Augsburg hat die versteckten Kosten, die durch drei maßgebliche Umweltbelastungen entstehen, für Deutschland unter die Lupe genommen. Auftraggeber der Studie "How much is the dish?" waren die Münchner Tollwood GmbH und die Schweisfurth Stiftung. Vor allem Stickstoff-Düngung, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch führen zu einer Preisdifferenz zwischen Erzeugerpreisen und den wahren Kosten. Dabei zeigt sich: In allen Kategorien von Lebensmitteln schneiden Bioprodukte besser ab als konventionell erzeugte Lebensmittel.

Wahre Kosten aufgedeckt

Rinder auf Weide. Klick führt zu Großansicht im neen Fenster.
Tierische Produkte verursachen die höchsten externen Folgekosten. Foto: Andreas Greiner

Die höchsten externen Folgenkosten haben tierische Lebensmittel aus konventioneller Produktion: Sie müssten auf Erzeugerebene dreimal so teuer sein, wenn alle externen Kosten mit einbezogen werden (196 Prozent Aufschlag). Das liegt vor allem an der energieintensiven Aufzucht der Nutztiere.

Die zweithöchsten Aufschläge ergeben sich für konventionell hergestellte Milchprodukte (96 Prozent) und die niedrigsten für Biolebensmittel pflanzlichen Ursprungs (sechs Prozent). Vor allem die mineralischen Stickstoffdünger beim Pflanzenbau sowie der Einsatz von industriell produziertem Kraftfutter bei der Nutztierhaltung verteuern konventionell hergestellte Produkte.

Grafik zu versteckten Mehrkosten. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Datenquelle: Studie "How much is the dish?" - Gaugler und Michalke, 2018

Verursacherprinzip anwenden

"Nach dem Verursacherprinzip müssten insbesondere Produkte aus konventioneller Nutztierhaltung deutlich mehr kosten, als dies aktuell in Deutschland der Fall ist", bilanziert Dr. Tobias Gaugler von der Universität Augsburg. Dabei erfasst die Studie bisher nur einen Teil der externen Kosten. Berücksichtigt sind nur Mehrkosten, die sich durch Stickstoff, Treibhausgas-Emissionen und Energieverbrauch ergeben. Denn bisher gibt es noch zu wenige Informationen darüber, welche unerwünschten Folgekosten der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln oder von Antibiotika in der Tierhaltung für uns alle verursacht. "Die Datenlage ist hier noch unzureichend, so dass wir dazu keine Aussagen treffen konnten", fasst Dr. Gaugler zusammen. "Aber wir müssen davon ausgehen, dass die tatsächlichen Preisdifferenzen noch erheblich größer sind". Verbände der Ökobranche fordern deshalb, die wahren Kosten besser bei der Preisbildung zu berücksichtigen. "Erst wenn die externen Kosten internalisiert werden, sprechen die Preise die Wahrheit", so Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) "Und das ist die die Grundlage für einen fairen Wettbewerb".

Methode und Daten

Um die externen Effekte zu erfassen, hat das Augsburger Forscherteam alle verfügbaren Datensätze aus einem Stoffstromanalysenmodell (GEMIS = Globales Emissionsmodell für integrierte Systeme) den verschiedenen Lebensmittelgruppen zugeordnet. Dabei wurden alle Folgekosten vom Ursprung bis zum Scheunentor ("cradle to farmgate") berücksichtigt. Deshalb beziehen sich die aggregierten Daten auf die Verkaufspreise bei den landwirtschaftlichen Betrieben. Weiterverarbeitung, Transport und Handel der Produkte waren nicht Teil der Studie.


Letzte Aktualisierung: 13.03.2019