Bio im Alltag


Plastikfrei Bio einkaufen

Verbraucherin füllt Müsli ab. Foto: Juicy Pictures
Im Unverpackt-Laden kauft die Verbraucherin nur die Menge ein, die sie tatsächlich benötigt.
Foto: Juicy Pictures

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland produzieren im Durchschnitt jährlich 37 Kilogramm Plastikmüll pro Kopf, 30 Prozent mehr als 2005. Das muss nicht sein: Die 119 Unverpackt-Läden in Deutschland verkaufen grundsätzlich gar keine fertig verpackten Produkte. Ihr Sortiment reicht, um den Alltagsbedarf weitgehend abzudecken. Die Kundinnen und Kunden füllen Getreide, Müsli, Nudeln und andere Produkte in mitgebrachte Gefäße ab: Papiertüten, Plastikschüsseln, Baumwolltaschen oder Schraubgläser werden gewogen, befüllt und nochmals gewogen. Öl und Essig sowie Reinigungsmittel lassen sich aus Kanistern in Flaschen umfüllen. Gemüse, Obst, Wurst und Käse gibt es ebenfalls unverpackt.

Das Konzept hat besonders in Städten Erfolg: "Der Zuwachs an Unverpackt-Läden ist 2019 extrem gestiegen. 62 Läden sind derzeit in Planung", freut sich Gregor Witt. Der Vorsitzende vom Verband der Unverpackt-Läden führt selbst zwei biozertifizierte Unverpackt-Läden in Köln. "Für mich sind Zero Waste und Bio untrennbar gekoppelt." In der Satzung vom Unverpackt-Verband ist 100 Prozent Bio jedoch noch kein Muss. Die Inhaberin oder der Inhaber entscheiden über die genaue Sortimentsgetaltung.

Plastik sparen im Fachhandel und auf dem Markt

Auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen lassen sich Obst und Gemüse problemlos plastikfrei einkaufen. Beim Biofachhandel gelingt das meistens. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat eine Testkäuferin gebeten, 15 definierte Bioprodukte im Fachhandel und im konventionellen Supermarkt einzukaufen. Dabei sollte sie die jeweils nachhaltigste Verpackungslösung auswählen. Das Ergebnis: Mit vier Mehrweg-Behältnissen, losem Obst und Gemüse, keinen Tetra Paks und deutlich weniger Plastikmüll schneidet der Bioeinkauf im Fachhandel wesentlich verpackungsärmer ab als im konventionellen Supermarkt.

BNN: Ergebnis des Testkaufs

Lebensmittel unverpackt und verpackt. artursfoto / iStock / Getty Images Plus via Getty Images
Wenige Handgriffe reichen, um beim Einkauf von Bioprodukten Verpackungsmaterial zu sparen. Foto: artursfoto / iStock / Getty Images Plus via Getty Images

Weniger Plastik im Supermarkt

Aber auch im klassischen Lebensmittelhandel tut sich was. Einige Handelsketten bieten mittlerweile vor allem heimisches Biogemüse ohne Folienhüllen an. Ein Tegut-Markt in Fulda hat bereits eine ganze Unverpackt-Linie mit 144 Produkten in Bioqualität: Hier gibt es Reis, Nudeln, Hülsenfrüchte, Müsli und verschiedenste Frühstückscerealien sowie Süßigkeiten wie Fruchtgummis.

Die Kundinnen und Kunden können ihre eigenen Gefäße mitbringen oder kompostierbare Papiertüten vor Ort nutzen und sich selbst die gewünschten Mengen abfüllen. Bei Erfolg sollen weitere Märkte folgen.

Plastikbecher im Grünen
Die meisten Getränkebecher landen in öffentlichen Abfalleimern und dann in der Müllverbrennungsanlage oder noch schlimmer in der Umwelt. Foto: Jutta Schneider-Rapp

Weg mit den Einwegbechern

Bei Milch, Mineralwasser und Säften sind Mehrwegglasflaschen - möglichst regional - immer noch die beste Wahl. Die 2,8 Milliarden Einwegbecher, die wir Deutschen jährlich für Coffee to go und Co. nutzen, ließen sich mit mitgebrachten Mehrwegbechern sparen. Denn laut Umweltbundesamt bestehen alle Einwegbecher aufgrund der Beschichtung oder der Deckel teilweise oder auch ganz aus Kunststoff. Eine Studie des Umweltbundesamtes belegt, dass Mehrwegbecher sowohl bei der Ökobilanz als auch bei der Abfallproduktion besser abschneiden. Je öfter die Becher genutzt werden, desto besser. Zehnmal müssen es mindestens sein, damit sich der Herstellungsaufwand lohnt.  Dagegen sollten Bambusbecher eher vermieden werden. Das Chemische Untersuchungsamt in Stuttgart hat Bambusgeschirr geprüft: Diese bestehen hauptsächlich aus synthetischen Kunststoffen wie Melaminharz und nur zu einem kleineren Teil aus Bambus.

Verbraucherinnen und Verbraucher haben viel Einfluss

Welche Verpackung sich am Markt auf Dauer durchsetzt, können die Verbraucherinnen und Verbraucher mitbestimmen. "Sie entscheiden mit dem Griff zu Mehrweg, mit dem Entschluss, keine Tüte für Obst- und Gemüse zu verwenden oder mit der Wahl des losen Käses, wie nachhaltig der individuelle Bioeinkauf schlussendlich ist", meint Elke Röder, Geschäftsführerin vom BNN. Das gilt unabhängig vom Einkaufsort. Für den plastikarmen Einkauf gibt es nützliche Helfer. Edelstahlflaschen machen kleine Einwegflaschen und -dosen oder Getränkekartons überflüssig. Kinder können ihr Getränk auch in bruchsicheren Glasflaschen mit einem Becher- und Stoffmantel in die Schule oder Kita mitnehmen. Für den plastiktütenfreien Obst- und Gemüseeinkauf bieten sich Gemüsenetze an. Die luftigen Stoffbeutel wiegen fast nichts und brauchen vor dem Befüllen nicht extra gewogen werden.


Letzte Aktualisierung: 27.08.2019