Verbandsware im Supermarkt

Mehr Ware der Anbauverbände in Supermarkt und Discounter

Eine einfache Rechnung: Je mehr Betriebe auf Bio umstellen, desto mehr Bioprodukte gibt es. Das gilt nicht nur für die EU-Bio-Ware, sondern auch für die Lebensmittel der Ökoanbauverbände. Ihre Erzeugerinnen und Erzeuger können die ständig steigende Warenmenge nicht mehr allein über ihre Hofläden und den Naturkostfachhandel vermarkten. Besonders groß ist das Angebot bei Obst und Gemüse sowie Molkereiprodukten. Daher vermarkten Molkereien wie Söbbeke aus Nordrhein-Westfalen oder die Schwarzwaldmilch aus Freiburg Milch und Joghurt schon längst in vielen Supermärkten. Der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel kann damit die wachsende Nachfrage nach Bioprodukten bedienen und sein ökologisches Image verbessern. Auch Discounter wie Lidl steigen ins Geschäft mit den Anbauverbänden ein. "Wir wollen hochwertige Bioprodukte in die Mitte der Gesellschaft bringen", wünscht sich Jan Bock, Einkaufsleiter von Lidl Deutschland.

Bioland beim Discounter

Seit Ende 2018 kooperiert Lidl mit dem größten deutschen Anbauverband. "Wir erreichen mit Lidl ganz andere Käuferschichten. Das Mehr an Käufern sorgt auch für ein Mehr an Umweltschutz, da jedes heimisch und nach strengen ökologischen Richtlinien produzierte Erzeugnis dazu beiträgt", erklärt Bioland-Präsident Jan Plagge. Seit Januar tragen rund ein Viertel der Produkte mit der Lidl-Eigenmarke Bio Organic das Bioland-Logo: darunter fast alle Molkereiprodukte, Äpfel, Kräuter und Mehl. Die Zusammenarbeit mit Lidl regelt ein Kooperationsvertrag. Darin verpflichtet sich Lidl zu fairen Verhandlungen mit seinen Lieferanten in der gesamten Lieferkette und zur Auszahlung auskömmlicher Erzeuger- und Herstellerpreise. "Wenn die vertraglich vereinbarten Fairplay-Regeln nicht eingehalten werden, können sich benachteiligte Bioland-Lieferanten an unsere Ombudsstelle richten. Diese schlichtet oder klärt den Konflikt in einem anonymen Beschwerdeverfahren", erläutert Plagge.
Mehr dazu finden Sie auf lidl.de

Demeter bereits bei dm und bald auch bei Kaufland?

Demeter hat bereits Kooperationsverträge mit dm, Globus, tegut und den Edeka-Regionalgemeinschaften geschlossen. Beispielsweise stehen Demeter-Waren der Andechser Molkerei Scheitz schon in vielen Supermarktregalen. "Mit Kaufland stehen wir in Gesprächen, es gibt aber keinen Vertrag", weiß Pressesprecherin Susanne Kiebler. Bereits elf Demeter-Hersteller und eine Erzeugergemeinschaft aus dem Schwarzwald beliefern Kaufland. Sie müssen dem Verband nachweisen, dass Kaufland die Demeter-Vertriebsgrundsätze einhält. Diese hat Demeter bereits 2016 aufgestellt: Wer die biologisch-dynamisch erzeugten Lebensmittel verkaufen will, muss faire Preise bezahlen, mindestens sieben Prozent seines Lebensmittel-Umsatzes mit Bio machen und sein Verkaufspersonal schulen. Außerdem bekommen die Produkte eine besondere Premium-Platzierung.

Naturland schon lange im Lebensmitteleinzelhandel

Naturland kooperiert bereits seit 2009 mit der Einzelhandelskette Rewe. Produkte der Eigenmarke "Rewe Bio" tragen dort das Naturland-Zertifikat. Gab es anfangs 41 verschiedene Naturland-Artikel bei Rewe, sind es aktuell 233. Das ist knapp die Hälfte ihres gesamten Biosortiments. Darüber hinaus finden sich Naturland-Waren seit 2016 noch bei einer Reihe weiterer Eigenmarken verschiedener konventioneller Händler wie Tegut, Edeka und dm. Die meisten der konventionellen Handelsketten arbeiten mit mehreren Verbänden zusammen. Rewe-Bio dagegen ausschließlich mit Naturland. Laut Naturland-Geschäftsführer Steffen Reese wird Naturland aber keine Eigenmarken von Discountern zertifizieren.

Biokreis bleibt dem Fachhandel treu

Der Biokreis-Verband möchte sich weiterhin als Fachhandelsmarke positionieren: Biokreis bleibt Fachhandelsmarke. Das schließt jedoch nicht aus, dass einige seiner Mitglieder an Rewe und Edeka liefern. Eine Kooperation mit den Discountern lehnt der bayerische Verband jedoch strikt ab: "Unser Augenmerk liegt auf der Entwicklung tragfähiger und fairer Partnerschaften zwischen Verarbeitern und dem Lebensmitteleinzelhandel", erläutert der Vorstandsvorsitzende Franz Strobl.

Mehr über das Pro und Contra zur Zusammenarbeit der ökologischen Anbauverbände mit dem konventionellen Einzelhandel lesen Sie in unseren Interviews:

Wird der Naturkosthandel untergebuttert? – Drei Fragen an den Fachhandelsverband

Der Naturkosthandel sieht den zunehmenden Verkauf von Bioverbandsware im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel kritisch. Die Geschäftsführerin vom Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) Elke Röder erklärt, warum es sich weiterhin lohnt im Fachhandel einzukaufen.

Oekolandbau.de: Was halten Sie von den verstärkten Kooperationen der Bio-Anbauverbände mit dem klassischen Lebensmitteleinzelhandel?

Elke Röder: Der Naturkost-Fachhandel hält diese Kooperationen für falsch. Die Behauptungen der beteiligten Discounter und konventionellen Supermärkte, man strebe nach Nachhaltigkeit, sind vorgeschoben, um sich mit den Siegeln der Anbauverbände zu schmücken beziehungsweise werben zu können. Würden diese Konzerne wirklich nachhaltig handeln wollen, so würden sie in allen Sortimenten auskömmliche Preise zahlen, so dass alle Landwirte nachhaltiger arbeiten können.

Oekolandbau.de: Fürchtet der Naturkosthandel die Konkurrenz oder bedienen Sie sowieso andere Käuferschichten?

Elke Röder: Wir sind uns alle im Klaren: Der Fachhandel wird sich bewegen, über den Tellerrand schauen und sich auch ein Stück weit neu erfinden. Der Fachhandel ist vor allem ein Treffpunkt für Menschen, denen es wichtig ist, für den Schutz von Umwelt und Klima und für eine gerechtere Verteilung auf der Welt einzutreten. Menschen, die Verantwortung übernehmen und die mit ihrem Einkauf dazu beitragen wollen, die Welt ein Stück besser zu machen. Wir sind überzeugt, die Zahl dieser Kundinnen und Kunden wird stetig wachsen.

Oekolandbau.de: Warum lohnt es sich für Verbraucherinnen und Verbraucher dennoch beim Fachhandel zu kaufen?

Elke Röder: Jedes Fachgeschäft hat seine ganz individuelles Leistungsprofil. Für alle echten Fachgeschäfte gilt: Sie haben das breiteste Bio-Angebot, versehen mit regionalen Bio-Spezialitäten, mit konsequenter Naturkosmetik und wahrhaftig ökologischen Reinigungsmitteln. Das kann generell kein anderes Einzelhandelssegment bieten. Hinzu kommt das Engagement in Sachen Verpackungsvermeidung, saisonale Angebote und die fundierte Beratung. Für viele Fachhändlerinnen und Fachhändler gilt auch, dass sie am Ort einen sozialen Bezugspunkt darstellen. Oft mit Café oder kleinem Bistro, zusätzlichen Angeboten, wie Abendveranstaltungen oder Kunden-Exkursionen zu regionalen Bio-Manufakturen. Ich kann nur empfehlen, es einmal auszuprobieren.

Wird Demeter im konventionellen Handel verramscht? – Drei Fragen an den Demeter-Vorstand

Demeter galt lange Zeit als das Biofachhandelsprodukt schlechthin. Dass die Marke immer öfter in den Regalen vom Lebensmitteleinzelhandel steht, verwundert manche Verbraucherinnen und Verbraucher und vor allem Fachhändler. Demeter Vorstand Alexander Gerber erklärt die Vertriebsstrategie des Verbands.

Oekolandbau.de: Warum drängt es Demeter in die Supermärkte?

Alexander Gerber: Nicht alle Produkte, die wir erzeugen, können wir über den Naturkostfachhandel vermarkten. Unsere Aufgabe ist es, zu ermöglichen, dass Demeter-Produkte auch als solche vermarktet werden. Nehmen Sie folgendes Beispiel: In einem Bio-Fachhandelsgeschäft werden von einer Frischmilchsorte in der Woche 40 bis 100 Liter Milch verkauft. Wenn eine Gemeinschaft von elf Milchbauern, die gerade auf Demeter umgestellt hat, ihre Jahresmenge von fünf Millionen Liter Milch vermarkten will, bräuchte sie dafür über 1.000 Bioläden. Da stößt man an strukturelle Grenzen des Fachhandels. Ein konventioneller Filialist nimmt nun nicht nur die Milch, sondern auch das Fleisch der männlichen Tiere ab.

Oekolandbau.de: Sind die Produkte im Lebensmitteleinzelhandel billiger als im Naturkostladen? Haben Sie keine Angst vorm Preisverfall?

Alexander Gerber: Bei Demeter haben wir da aktuell wenig Sorge. Die Handelshäuser runden ihr Biosortiment mit einem Premiumprodukt nach oben ab und wissen, dass unsere Erzeuger für diese besondere Qualität auch einen höheren Preis benötigen. Aber das bedarf kontinuierlicher Gespräche zwischen allen Handelspartnern. Mit Sorge sehen wir jedoch, zu welchen Preisen einige Produkte mit anderen Bio-Verbandslogos jetzt im Discount und in der Folge auch schon im Bio-Fachhandel vermarktet werden. Das kann nicht kostendeckend sein. Dadurch könnte das Preisniveau – vor allem im Milchprodukte-Bereich – insgesamt noch weiter nach unten gezogen werden. Davon müssen wir uns mit den Demeter-Produkten entkoppeln.

Oekolandbau.de: Geraten Fachhandel und kleinere Bioläden durch die Kooperation mit den großen Handelsketten nicht immer mehr unter Druck?

Alexander Gerber: Das ist viel zu kurz gegriffen und zudem ein Trugschluss. Ein exklusives Produkt im Regal rettet keinen einzigen Laden. Letztlich sind immer die Gestaltung des gesamten Sortiments und viele andere Faktoren für den Erfolg am Markt verantwortlich. Wir wachsen mit Demeter zurzeit im Biofachhandel stärker als der Biofachhandel selbst. Dieser kann sich mit Demeter gemeinsam weiterentwickeln und profilieren. Regionalität und eine transparente Wertschöpfungskette sind Konzepte, an denen die großen Handelshäuser scheitern. Hier haben kleine und mittlere Bioläden noch ein riesiges Potenzial. Angesichts 80 Prozent Umsatzanteil im Naturkostfachhandel ist das nach wie vor unser wichtigster Partner.

Teile des Interviews mit Alexander Gerber sind in der Zeitschrift Ökologie und Landbau 1/2019 (PDF-Dokument) erschienen.


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