Bio im Alltag


Labels für Grüne Mode im Vergleich

Waschen von Meterware. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Von der Faser zum fertigen Textil sind es viele Schritte. Foto: Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V., IVN – naturtextil.de

Laut Greenpeace werden weltweit jährlich 80 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Das verbraucht Unmengen an Ressourcen und schadet der Umwelt. Besonders beim Färben gelangen viele giftige Schwermetalle und Färbemittel mit dem Abwasser in die Flüsse. Was viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen: Selbst wenn der Rohstoff Biobaumwolle ist, kann das T-Shirt dennoch mit Schadstoffen belastet sein. Denn auch beim Färben und Bleichen können ungesunde Chemikalien in die Kleidung kommen. Die Textilindustrie setze nach wie vor bei der Herstellung von Jeans, Shirts und Co. massenhaft gesundheits- und umweltgefährdende Chemie ein, so Greenpeace. Allerdings haben viele große Modeunternehmen versprochen, bis zum Jahr 2020 ihre Textilproduktion zu entgiften.

Neues staatliches Textilsiegel: Der Grüne Knopf

Logo Grüner Knopf in Schrift und Bild. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Logo: BMZ

Seit September 2019 gibt es das neue staatliche Textilsiegel Grüner Knopf. Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) entwickelte Label zertifiziert insgesamt 46 soziale und ökologische Kriterien. Damit sollen Verbraucherinnen und Verbraucher schnell sehen können, welche Produkte sozial- und umweltverträglich hergestellt wurden. "Allerdings beziehen die Kriterien des Grünen Knopfes nicht alle Stufen der Textilproduktion ein. Für die Fasergewinnung, etwa den Baumwollanbau, gibt es keine Kriterien. Existenzsichernde Löhne, sind lediglich als Ziel beschrieben, werden aber nicht eingefordert", kritisiert der TransFair e.V.

Einschätzung des Labels "Grüner Knopf" durch TransFair e.V..

Graues Hemd mit Grünem Knopf. Klick führt zu neuem Fenster.
Bisher machen 27 Unternehmen beim Grünen Knopf mit. Foto: BMZ

So kann ein T-Shirt mit dem Grünen Knopf zwar aus Biobaumwolle bestehen – muss es aber nicht. Bis der Grüne Knopf sich also weiterentwickelt, müssen wir uns weiterhin durch den Labeldschungel kämpfen. Die bisher gebräuchlichen Siegel wie GOTS oder FairTrade-Textilstandard erfüllen alle aktuellen Kriterien des Grünen Knopfes und gehen punktuell darüber hinaus.

Mindestens GOTS sollten Textilien sein

Grünweißes Label von GOTS. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Logo: GOTS gGmbH

Das GOTS-Label ist nach Auffassung des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN) der Mindeststandard, den Ökomode erfüllen sollte. Textilien mit dem GOTS-Label enthalten höchstens 30 Prozent synthetische Fasern oder Viskose – der Großteil besteht aus ökologisch produzierter Naturfaser. Beim Anbau gibt es dabei zwei Label-Stufen: bei GOTS "made with" stammen mindestens 70 Prozent der Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT). Bei der Stufe GOTS "Organic" müssen es über 95 Prozent sein.

Für den GOTS gelten die von der International Labour Organization (ILO) festgelegten minimalen Sozialkriterien.

IVN-Best besteht zu 100 Prozent aus Biofasern

Blauweißes Logo des IVN. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
LOGO: IVN

Noch strenger ist das eigens von IVN vergebene Label Naturtextil "IVN zertifiziert BEST". Für BEST müssen Unternehmen sich bei der Produktion um ein umweltschonendes Chemikalienmanagement sowie den Arbeitsschutz kümmern. BEST-zertifizierte Textilien bestehen aus 100 Prozent kontrolliert biologischen Naturfasern (kbA oder kbT). Synthetisch verarbeitete Fasern sind nur in Ausnahmefällen erlaubt. Sowohl GOTS als auch IVN-BEST garantieren umweltfreundliche Standards in jedem Herstellungsschritt.

Im Vergleich zum GOTS-Standard fordert BEST bessere Arbeitsbedingungen: Flucht- und Rettungspläne sind für alle Arbeitnehmer sichtbar aufzuhängen, Feuerlöscher sind anzubringen, Fluchtwege und Sammelplätze sind auszuweisen.

Rundherum faire Mode

Schwarzgrünes Fairtradesiegel. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Foto: TransFair e.V.

TransFair möchte gerechte Bedingungen in der ganzen Textillieferkette schaffen: Seit 2016 gibt es den Fairtrade-Textilstandard, welcher existenzsichernde Löhne und die Einhaltung internationaler Kernarbeitsnormen in der ganzen Lieferkette einfordert. Dazu gibt es das unterstützende FairTrade-Textilprogramm.

Baumwollpflückerin in Indien. Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster.
Baumwollpflücken ist viel Handarbeit. Foto: TransFair e.V. / Suzanne Lee

Um zusätzlich die Situation der Bäuerinnen und Bauern zu verbessern, gibt es zertifizierte Fairtrade-Baumwolle. FairTrade-Baumwollbäuerinnen und -bauern müssen zwar keine Biobaumwolle anbauen, erhalten aber einen Biozuschlag. Etwa ein Viertel der FairTrade-Baumwolle stammt derzeit aus ökologischem Anbau.

Unabhängig davon haben sich einige Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen zur Fairwear Foundation zusammengeschlossen, um gemeinsam eine fairere Textilproduktion zu schaffen. 130 Textilunternehmen mit 186 Brands sind dabei.


Letzte Aktualisierung: 06.11.2019