Typische Vorurteile gegen Bio

Was sind die typischen Vorurteile gegen Bio?

Bio-Produkte sind viel zu teuer, das Bio-Logo ist doch mehr Schein als Sein und der Ökolandbau kann eh nicht alle Menschen ernähren – das sind oft gehörte Vorurteile gegen die Bio-Branche. Doch stimmt das überhaupt? Das hat Oekolandbau.de fünf Expertinnen und Experten gefragt, die im Folgenden Stellung zu den gängigen Vorurteilen beziehen.

1. Vorurteil: Bio ist ja viel zu teuer!

"Laut dem Potsdamer Institut für Klimafolgenabschätzung stammen 23 Prozent der menschlichen Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft. Auch der übermäßige Einsatz von Düngemitteln und der Energiebedarf schädigen die Umwelt, ohne dass sich dies aktuell in den Lebensmittelpreisen niederschlägt. 

Wir haben in unserer Studie How much is the dish? eine Methodik entwickelt, mit der sich die negativen Umweltauswirkungen in Euro ausdrücken und auf die jetzigen Preise aufschlagen lassen. Danach schneiden Bio-Produkte besser ab als konventionelle. So müsste beispielsweise der Erzeugerpreis für Fleisch in der konventionellen Tierhaltung auf gut das Dreieinhalbfache steigen (plus 258 Prozent). 

Wenngleich auch Biofleisch deutlich teurer werden müsste (plus 107 Prozent), würde sich der Preisunterschied zwischen Bio und konventionell deutlich verringern. Weitere Forschungsarbeit ist nötig, um auch die Folgen von Pflanzenschutzmitteln, multiresistenten Keimen oder Bodenerosion einzubeziehen. Würde man dies tun, so gehen wir davon aus, dass mehrere Biolebensmittel in Wahrheit sogar billiger sind als ihre konventionellen Pendants."

2. Vorurteil: Bio – das kontrolliert doch keiner?!

"Jedes Bio-Unternehmen wird mindestens einmal jährlich umfassend kontrolliert – und zwar von Fachleuten. Agraringenieure nehmen landwirtschaftliche Betriebe unter die Lupe, prüfen Äcker, Ställe und Betriebsmittel. Ernährungswissenschaftler, Meister oder Techniker mit langjähriger Berufserfahrung kontrollieren Lebensmittelhersteller: von der Bäckerei bis zum Industriebetrieb. Dabei prüfen sie Lieferanten und Wareneingänge, kontrollieren, ob die Menge der Wareneingänge zu den Warenausgängen passt, und machen Tests zur Rückverfolgbarkeit. Wer Bio und konventionell produziert, muss getrennte Lager und Produktionsprozesse nachweisen. Natürlich passieren hin und wieder Fehler. Diese Schwachstellen muss der Betrieb innerhalb einer bestimmten Frist beheben. Die Umsetzung überwachen die Kontrollstellen.

Nur für Bio-Produkte gibt es diese systematische Prozesskontrolle. Die konventionelle Landwirtschaft und ihre Herstellungsbetriebe werden sehr viel weniger kontrolliert. Die staatlichen Kontrollbehörden sind personell deutlich schlechter ausgestattet als unsere Kontrollstellen und nehmen meistens nur Stichproben von Endprodukten. Diese Stichproben werden dann in den Landesuntersuchungsämtern auf Mängel in der Füllmenge und bei der Kennzeichnung oder auf Rückstände überprüft."

3. Vorurteil: Bio-Tiere leben auch nicht besser!

"Dieser Aussage möchte ich widersprechen. Ökologische Tierhalter legen viel Wert auf eine artgerechte Tierhaltung. Die Haltungsform soll die Grundbedürfnisse der jeweiligen Tierart befriedigen. Am besten können wir das an unseren Puten zeigen. Diese leben in einem geräumigen Stall mit Stroh und Sitzstangen. Zusätzlich können sie sich auf der Wiese frei bewegen und haben Schutzhütten und Bäume als Unterschlupf. Gerne fressen sie Gras oder picken mit ihren langen Schnäbeln – Schnabel kürzen ist in der Bio-Haltung verboten – nach Insekten oder Steinchen. Man sieht deutlich, wie die Puten diese Bewegung genießen. Wir füttern selbst angebautes ökologisches Getreide, Erbsen und Bio-Ergänzungsfuttermittel. Unser Futter ist frei von jeglichen Wachstumsförderern und Antibiotika. Unsere Puten wachsen langsam heran und bleiben bis zum Schluss fit. Damit auch die Schlachtung möglichst stressfrei verläuft, sind wir dabei.

Genauso artgerecht halten wir unsere Angusrinder. Kühe und Kälber leben neun Monate gemeinsam auf großen Weiden. Bei uns fressen die Kühe nur Gras, Kleegrassilage und Heu. Ihre Kälber bekommen ebenfalls kein Kraftfutter. Dadurch können wir als Zuchtbetrieb am Wachstum der Kälber unmittelbar die Milchleistung unserer Kühe bewerten. Unsere Kühe sollen auch ohne Soja oder Getreidefutter viel Milch und Fleisch liefern. Das Getreide sollten lieber wir Menschen essen." 

4. Vorurteil: Bio-Lebensmittel sind auch nicht gesünder!

"Ja, es stimmt: Es gibt Studien die zeigen, dass Bio-Obst und Bio-Gemüse wesentlich mehr gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzenstoffe haben als konventionelles Obst und Gemüse. Und es gibt Studien, die keine signifikanten Unterschiede feststellen. 

Ein Unterschied ist jedoch unumstritten: Konventionelles Obst und Gemüse ist 100-mal mehr mit chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, wie zum Beispiel Glyphosat, belastet. Glyphosat schadet nicht nur Bienen, sondern ist laut einer  Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich krebserregend. 

Nun ist der chemisch-synthetische Pflanzenschutz im Ökolandbau zwar verboten, aber die in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzten Pestizide sickern ins Grundwasser oder werden mit dem Wind auch auf Ökofelder geweht. Daher ist eine garantiert 100-prozentige Freiheit von Kontaminationen nicht immer möglich. Alle Bio-Lebensmittel durchlaufen aber zusätzlich die gesetzlich geregelte Prozesskontrolle durch Öko-Kontrollstellen. Bio-Lebensmittel, die es ausschließlich im Naturkostfachhandel gibt, werden zusätzlich durch das Monitoring des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. im Labor auf Pestizide untersucht. Durch diese engmaschigen Kontrollen können wir mehr gesunde Lebensmittel anbieten."

5. Vorurteil: Mit Ökolandbau können wir die Welt künftig nicht ernähren!

"Konventionelle Landwirtschaft ist zwar hoch produktiv, hat aber die Ernährungskrise nicht verhindern können. Sie schädigt die Ernährungsgrundlagen – Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Klima, Meeres-Ökosysteme – und übernutzt endliche Ressourcen  wie zum Beispiel Energie oder Phosphat. Die Entwicklung eines neuen Landwirtschaft- und Ernährungssystems ist deshalb unabdingbar. 

Der ökologische Landbau taugt dafür als Leitbild. Eine Berkeley-Studie offenbart, dass er gerade dort, wo Hunger herrscht, hoch produktiv ist. Praxisbeispiele belegen das ebenso wie die Gesamtumstellung von drei indischen Bundesstaaten auf agrarökologische Landwirtschaft. 

Wenn wir den Fleischverbrauch auf ein gesundheitsverträgliches Maß reduzieren, Lebensmittelverschwendung und Nachernteverluste vermindern und den Acker nicht als Treibstoffquelle missbrauchen, kann mit seiner Methode heute schon ausreichend Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung erzeugt werden. Dass für ihn bis jetzt nur minimale Anteile an Forschungsmitteln investiert wurden, zeigt wie viel Weiterentwicklung noch möglich ist!"


Letzte Aktualisierung 30.01.2020

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