Regionales Bio-Catering in norddeutschen Kitas

Regionales Bio-Catering in norddeutschen Kitas

Der Caterer Ratatouille kocht jeden Mittag rund 5.000 Essen für Kitas in der Region Weser-Ems. Die Zutaten sind komplett Bio und weitgehend regional. Statt Fleisch steht vor allem Gemüse auf dem Speiseplan. Um den jungen Gästen Lust auf gesunde Kost zu machen, wirbt das Unternehmen kreativ für Gemüse. Die Herausforderung: Die Mahlzeiten müssen bezahlbar bleiben.

Wir machen hundert Prozent Bio, weil es besser für Böden, Tiere und Umwelt ist, erklärt André Adden, Geschäftsführer von Ratatouille in Oldenburg.

Der gelernte Koch hatte immer schon ein Fable für gesundes, leckeres Essen. Seit 2014 hat er sich auf Bio-Catering für Kinder spezialisiert: mittlerweile kocht sein Team täglich 5.000 Mahlzeiten für Kitas im Weser-Ems-Gebiet. Hinzu kommen Rohkostboxen mit Obst und Gemüse.

Die Kitas können dabei immer verschiedene Gerichte auswählen. Zum Beispiel gibt es montags zwei verschiedene Suppen und ein Pastagericht. Dienstags eine Bunte Couscous-Gemüsepfanne, eine Kartoffel-Gemüsepfanne oder eine vegetarische Bratwurst. Die Kitas können donnerstags ihre Gerichte für die kommende Woche online bestellen. Jedes Gericht ist im Bestellsystem mit Rezepten hinterlegt, sodass der Caterer die passenden Zutatenmengen freitags bestellen kann.

Gute Praxis auf einen Blick

  • rund 5.000 Mittagessen pro Tag

  • für 160 Kitas

  • Bio-Anteil 100 Prozent

  • Bioland-Zertifiziert (Goldene Kochmütze), AHV-Logo-Gold angestrebt

  • Verpflegungskonzept cook & hold

  • Erfolgsfaktoren: Erfahrung, Netzwerken mit anderen Bio-Caterern

Lieferantinnen und Lieferanten aus dem Norden

Obst und Gemüse stammen fast ausschließlich von Betrieben aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein. André Adden setzt auf langfristige, partnerschaftliche Lieferbeziehungen.

"Wir treffen mit den Landwirtinnen und Landwirten eine schriftliche Vereinbarung, in guten und schlechten Zeiten, ihre Ware abzunehmen." Viele Absprachen liefen aber auch mündlich. Vertrauen gegen Vertrauen.

Lieferantinnen und Lieferanten

Produkte

Demeter-Hof Dolling, Landkreis Oldenburg

Obst und Gemüse, frisch

Gut Dauelsberg, Delmenhorst

Kartoffeln

Kornkraft, Landkreis Oldenburg

Trockenware, Gewürze

Hof Molkerei Butendiek

Joghurt, Quark, Frischkäse

Bio-Bäckerei Barkemeyer, Landkreis Oldenburg

Brot, Baguette

Bio-Bäckerei Butterfly, Landkreis Ammerland

Brot, Baguette

Biofino Agrargenossenschaft, Landkreis Cloppenburg

Geflügel

Lenes Backstube, Bremen

Brot, Brötchen

Westhof-Bio, Büsum

Obst & Gemüse, Tierkühlprodukte

Demeter-Felderzeugnisse

TK-Produkte

Milchhof Meinen, Landkreis Friesland

Joghurt, Milch, Quark

Elbtaler Uelzen

Kartoffeln, Kartoffelpuffer

Naturkost Elkershausen

Großhändler

Gut Rosenkrantz, Neumünster

Reis, Linsen, Hülsenfrüchte

Und wenn Lieferantinnen und Lieferanten fehlten, müssten eben neue Wertschöpfungsketten erschlossen werden. So hat Ratatouille eine Kooperation mit dem Gut Hof Dauelsberg bei Delmenhorst geschlossen. Die Zusammenarbeit hat dem gemeinnützigen Betrieb mit sozialer Landwirtschaft durch die harten Umstellungsjahre auf Bio geholfen. "Jetzt sind sie biozertifiziert und liefern uns tonnenweise bereits geschälte Bio-Kartoffeln", freut sich Adden.

Kartoffeln spielen im Norden immer noch eine Hauptrolle. Deshalb tüfteln Catering-Unternehmen und der Landwirt derzeit gemeinsam daran, eine Sorte zu finden, die auch nach der Lieferung noch genauso gut aussieht und schmeckt wie frisch gekocht.

Hygiene und Qualität als Dauerbrenner

Das Essen wird im Cook and Hold-Verfahren geliefert. Sprich: frisch gekocht und möglichst schnell geliefert. Für Cook und Chill haben die Kitas gar keine Ausstattung. Länger als eineinhalb bis zwei Stunden sollten zwischen dem Kochen und dem Verzehr nicht liegen. "Wir erhitzen das Essen auf 98 Grad, dann haben Keime keine Chance", erklärt die Hygienebeauftragte von Ratatouille, Sabine Bruns. In den Transportboxen bleibe das Essen deutlich über 70 Grad heiß. Die Temperatur lasse sich bei der Kommissionierung digital messen, übermitteln und dokumentieren.

Bio-Catering als gesundes Catering verkaufen

Mit Bio-Qualität lässt sich gerade im konservativen ländlichen Raum nicht überall punkten.

Wir werben nicht zuerst mit Bio, sondern mit gesunden, leckeren Lebensmitteln aus der Region, erklärt Adden.

Bio sei eher das Sahnehäubchen obendrauf. Schwer zu schlucken hätten manche Eltern damit, dass jede Woche nur einmal Fleisch oder Fisch auf dem Speiseplan stünden. Um die Gemüter zu beruhigen, gebe es dann manchmal noch ein Würstchen in der Suppe. Auch bei Preiserhöhungen hofften einige Eltern wieder auf einen höheren Fleischanteil. "Natürlich orientieren wir uns an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, fühlen uns aber nicht allein verantwortlich für die Ernährung der Kinder", erläutert Adden. Das seien immer noch die Eltern.

Die Kinder hätten dagegen keine Probleme mit der pflanzenbetonten Kost. Sie wachsen einfach in die nachhaltige Ernährung hinein. Um ihnen das Gemüse schmackhaft zu machen, hat eine Werbeagentur peppige Comic-Figuren entwickelt. Starke Typen wie Bob Brokkoli, Tom Tomate und Pippa Paprika werben auf bunten Karten und Plakaten für sich und ihresgleichen. Kita-Beschäftige lädt der Caterer hin und wieder zum Küchenklön in den Betrieb ein. Ein elektrischer Mini-Foodtruck, Mampfmobil genannt, veranstaltet ein bis zweimal pro Woche Kochaktionen in Kitas.

Rezeptidee

Kosten sparen beim Kindergarten Catering

Der Preis für ein Mittagessen liegt zwischen 3,80 und 3,90 Euro. Eigentlich nicht viel. Dafür gibt es heute kaum noch ein belegtes Brötchen beim Bäcker oder einen Fastfood-Burger. Trotzdem sorge der Preis immer wieder für Diskussionen. Manche Eltern hätten leider wenig Interesse an einer hochwertigen Ernährung ihrer Kinder. Um Kosten beim Einkauf zu sparen, kooperiert Ratatouille beim Einkauf mit gleichgesinnten Bio-Cateringunternehmen aus anderen Regionen. In großen Mengen lassen sich die Tomatenpulpe aus Italien oder Rapsöl viel günstiger einkaufen. Die Bio-Frosterei Westhof in Holstein liefert manchmal günstige Tiefkühlware.

Außerdem gelte es, so effizient wie möglich zu arbeiten: Moderne Maschinen und motiviertes Personal seien wichtige Erfolgsfaktoren. Die Mitarbeitenden tragen Bio voll mit und entwickeln mittlerweile eigene Ideen. Zum Beispiel machen sie den Ketchup lieber selbst, als ihn fertig zu kaufen.

Betrieb sichert Arbeitsplätze in der Region

Nachdem der Kartoffel-Lieferant bio-zertifiziert ist, beantragt Ratatouille gerade das staatliche AHV-Siegel in Gold. Für Salz in der Suppe sorgten lediglich die Ausschreibungen der Kommunen. "Die schreiben zwar feste Bio-Anteile rein, aber letztlich entscheidet dann doch vor allem der Preis pro Mahlzeit statt der Qualität und Regionalität", bedauert Adden, der sich ehrenamtlich im Oldenburger Ernährungsrat engagiert. Daher liefert Ratatouille vor allem an Kitas freier Träger.

Arbeitsplätze in der Region zu erhalten, sei doch auch ein großer Mehrwert. Allein Ratatouille ernährt 48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die landwirtschaftlichen Betriebe schätzen die Partnerschaft: Da das Gemüse weiterverarbeitet wird, zählen hier Frische und Geschmack mehr als Optik und Form wie beim Einzelhandel. Und die Radieschen für die Rohkostkiste müssen auch nicht immer gleich schmecken.

Eure Toleranz ist unsere Chance, mit dem Bio-Betrieb weiterzumachen, sagt Gemüsebauer Rene Dolling.

Text: Jutta Schneider-Rapp, Ökonsult


Mehr Infos im Web:

Letzte Aktualisierung 08.09.2025

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