Oekolandbau.de: Das heißt, Sie können auch Impulse in Richtung der verarbeitenden Betriebe setzen?
Johanna Zierl: Auf jeden Fall. Denn bei einer Wiesn mit zuletzt 6,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern geht es um relevante Nachfragemengen. Hier drehen sich in zwei Wochen mehr als 300.000 Hendl am Spieß. Das könnte natürlich die Bio-Szene nicht von einem Tag auf den anderen leisten. Aber Schritt für Schritt entstehen durch die Nachfrage der Wiesn-Wirten in den Verarbeitungsbetrieben neue Bio-Produkte, oft mit bayerischem Biosiegel.
So hat beispielsweise die Bäckerei Höflinger Müller heuer damit begonnen, ihre vor Ort frisch aufgebackenen Brezn jetzt auch aus weißblauen Bio-Rohstoffen herzustellen.
Oekolandbau.de: Was waren beziehungsweise sind die Erfolgsfaktoren dafür, solche Kooperationen aufzubauen?
Johanna Zierl: In erster Linie geht es darum, Vertrauen aufzubauen, sich gegenseitig zuzuhören und Verständnis für den anderen zu entwickeln. Bio mit erhobenem Zeigefinder zu propagieren, ist nicht zielführend. Für manche Dinge findet man im Gespräch schnell eine Lösung. Andere Dinge brauchen Zeit. Die sollte man sich dann auch nehmen. Denn was auf der Wiesn angeboten wird, muss vom ersten Tag an zu 100 Prozent funktionieren. Hier gibt es keine Schonzeit. Dafür braucht es logistische Bündler-Strukturen, die professionell liefern, was auf der Speisekarte steht. Das heißt nicht automatisch, dass kleinere Herstellungsbetriebe außen vor bleiben müssen. Sie können in solche Strukturen integriert werden.
Oekolandbau.de: Was können Sie aus Ihren Erfahrungen für andere Großveranstaltungen mitnehmen?
Johanna Zierl: Es hat sich bewährt, wenn sich Wirte und Wirtinnen aus eigenem Antrieb auf den Bio-Weg begeben – und wir sie dabei ganz praktisch unterstützen. Wenn das dann bei den Gästen ankommt, stärkt das ihre Motivation und sie gehen einen Schritt weiter – oder auch zwei. Aber bitte immer nur das machen, was auch funktioniert. Die Wiesn ist sozusagen ein knallharter Härtetest für die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten in der Event-Gastronomie…
Oekolandbau.de: Das heißt, Sie wollen auch Vorreiter sein für andere Events?
Johanna Zierl: Ich habe mal gehört, wenn die Wiesn etwas Neues macht, findet man das spätestens zehn Jahre danach auf anderen Volksfesten. Das heißt also: Wenn es gelingt, auf der Wiesn mehr Bio-Regionalität sichtbar zu machen, kann das auch Signalwirkung über München hinaus haben – für andere Veranstaltungen, für die Gastronomie, für Verbraucherinnen und Verbraucher. Wir möchten zeigen, dass Genuss, Tradition, Nachhaltigkeit und fröhliches Feiern Hand in Hand gehen können.
Interview und Text: Andreas Greiner, Ökonsult