Stuttgarter Bohnentag

Stuttgarter Bohnentag bringt Hülsenfrüchte auf die Teller und ins Gespräch

Wie bekommt man mehr Hülsenfrüchte in die Außer-Haus-Verpflegung? Mit dem Bohnentag hat der Ernährungsrat StadtRegion Stuttgart ein Aktionsformat entwickelt, das heimische Hülsenfrüchte bekannter bei Kantinen und Tischgästen macht. Wie funktioniert so eine Aktion und wie ist die Resonanz? Welche Erkenntnisse konnten daraus gewonnen werden?

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Hülsenfrüchten liegt in Deutschland bei etwa zwei bis zweieinhalb Kilogramm pro Jahr. Die Planetary Health Diet empfiehlt einen Pro-Kopf-Verbrauch von 27 Kilogramm pro Jahr. Die Außer-Haus-Verpflegung kann einen Beitrag dazu leisten, dass diese Lücke kleiner wird. Aber wie kann dies gelingen? Ein "ernährungswissenschaftlicher Zeigefinger" gegenüber den Tischgästen ist sicher nicht erfolgsversprechend. Der Ernährungsrat StadtRegion Stuttgart hat ein Aktionsformat für mehr Hülsenfrüchte auf den Speiseplänen entwickelt, das seit Sommer 2024 erfolgreich und mit interessanten Mehrwerten umgesetzt wird. Grund genug, diesen "Stuttgarter Bohnentag" einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ist das Ziel des Bohnentags?

Die Aktion soll unter Küchenleitungen und Tischgästen die Win-Win-Win-Story der heimischen Hülsenfrüchte bekannt machen – und damit auch für die Identifikation mit der Region werben. Denn Hülsenfrüchte sind wahre Alleskönner, das gilt in der Küche genauso wie in der Landwirtschaft. Bohne, Erbse & Co sind:

  • Gut für Klima und Böden
  • Gut für die regionale Erzeugung
  • Gut für eine ausgewogenen Ernährung

Hülsenfrüchte lassen sich nicht nur auf vielfältige Weise zubereiten, sondern bringen mit den Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Luftstickstoff in den Boden – ein kostenloser Dünger für die Pflanzen! Wenn es gelingt, heimische Hülsenfrüchte vermehrt auf die Teller der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie zu bringen, stärkt das bioregionale Wertschöpfungsketten und vernetzt Menschen vom Acker über die Küchen bis zu den Tischgästen. Auf diese Weise entstehen neue Beziehungen zwischen Stadt und Land.

Wie viele Stuttgarter Bohnentage haben bisher stattgefunden?

Seit der Kick-off-Veranstaltung im Sommer 2024 im Betriebsrestaurant der Landesbank Baden-Württemberg am Hauptbahnhof in Stuttgart haben bisher 15 Aktionstage in verschiedenen Großküchen stattgefunden (Stand: Januar 2026). Mitgemacht haben beispielsweise die Betriebsrestaurants der Firma Kärcher und der Allianz-Versicherung sowie Kantinen der Stadt Stuttgart. Auch städtische Kindertagesstätten und die Gastronomie des zoologisch-botanischen Gartens Wilhelma und verschiedene Lokale im Bohnenviertel am Rande der Stuttgarter Innenstadt waren mit dabei. In rund anderthalb Jahren konnten über 10.000 erwachsene Tischgäste und über die Kita-Aktionen 7.600 Kinder und deren Eltern sowie pädagogisches Personal erreicht werden.

Stuttgarter Bohnen-Story: WertSCHÄTZUNG vom Acker bis in die Küche

Das Video "Die Stuttgarter Bohnen-Story" zeigt in knapp sechs Minuten mit verschiedenen O-Tönen, wie regionale Wertschöpfungsketten aussehen können: Vom Acker bei Bioland-Gemüsebau-Meister Clemens Claus über den Stuttgarter Großhändler Staiger und das Kommissionier- und Servicezentrum für Essen der Landeshauptstadt landen grüne Bohnen auf den Tellern der städtischen Kindertagesstätten.

Wie funktioniert ein Bohnentag konkret?

Die Vorbereitung und Durchführung eines Stuttgarter Bohnentags folgt einem bewährten Muster:

  1. Der Ernährungsrat nimmt Kontakt auf mit Küchenleitungen, die aus bisherigen Projekten bzw. Netzwerkarbeit bekannt sind und für so eine Aktion in Frage kommen.
  2. Mit interessierten Küchen wird ein Termin vereinbart und sie erhalten im Vorfeld ein interaktives Kommunikations-Kit mit Aktionsmöglichkeiten für den Aktionstag: Schaugläser mit QR-Code zu verschiedenen Hülsenfrüchten, Tischaufsteller, Rezeptkarten, Kreuzworträtsel, Tischset mit QR-Code zur Foto-Story sowie ganz konkrete Tipps zum Einkauf bioregionaler Hülsenfrüchte – beim einschlägigen Großhandel, Erzeugergemeinschaften oder landwirtschaftlichen Betrieben.
  3. Am Aktionstag bringen die Kantinen leckere und kreative Gerichte mit Hülsenfrüchten auf den Teller. Die Tischgäste können sich an einem Info-Stand darüber informieren, von welchen Betrieben die Hülsenfrüchte stammen, warum sie gesund für Mensch und Umwelt sind und Rezepte zur Inspiration für die eigene Küche mitnehmen. Für Gespräche und Auskünfte ist eine Person vom Ernährungsrat mit vor Ort. Gerade diese persönliche Präsenz wird von den Tischgästen in aller Regel sehr gut angenommen.
  4. In einer Nachbesprechung mit den Küchenverantwortlichen wird nochmals Bilanz gezogen und eine mögliche Fortsetzung der Aktion mit neuen Themenschwerpunkten besprochen.

Wie kommen die Aktionen bei Küchen und Tischgästen an?

"Wir erhalten durchweg positive Feedbacks und teilweise richtig begeisterte Rückmeldungen - sowohl von den Personen in den Küchen wie auch von den Tischgästen und teilweise auch von Personen aus den Chefetagen der Einrichtungen", so Uli Ostarhild, Geschäftsführer des Ernährungsrates StadtRegion Stuttgart. Damit solche Aktionen nicht als Strohfeuer enden, arbeitet der Ernährungsrat daran, den Bohnentag dauerhaft zu etablieren. Beispielsweise wird angestrebt, dass die Küchen regelmäßig mit saisonalen Schwerpunkten solche Aktionen durchführen und auf Dauer den Anteil von Hülsenfrüchten im Speiseplan erhöhen. Die Erfahrungen in den letzten anderthalb Jahren zeigen immer mehr, dass es durch die Aktionen in den Küchen zu einer Verstetigung des Einsatzes von Hülsenfrüchten kommt. Die Küchenleitungen lernen neue Rezepturen und Produkte kennen und wo sie diese möglichst regional beziehen können. Entscheidend für den Erfolg ist dabei, dass zwischen den verschiedenen Stakeholdern Vertrauen entsteht. Damit dies gelingt, braucht es einen Akteur wie den Ernährungsrat zur Vernetzung. Diese Aufgabe könnten aber auch andere, wie beispielsweise Regionalmanagerinnen oder Wertschöpfungskettenmanager übernehmen.

Welche Erkenntnisse gibt es?

Aus den Erfahrungen mit dem Stuttgarter Bohnentag lassen sich einige allgemeine Empfehlungen ableiten.

  • Ein griffiger Begriff wie "Stuttgarter Bohnentag", einfache Argumente für den Nutzen sowie ein sympathischer und einladender Charakter der Aktion sind entscheidend für den Einstieg.
  • Wichtig ist es, einen starken und authentischen Lokalbezug herstellen. Das Story-Telling zum Stuttgarter Bohnentag zeigt anschaulich, wie das gelingen kann. (siehe Stuttgarter Bohnenstory oben)
  • Eine frühzeitige und enge Abstimmung mit den Küchenleitungen erleichtert die Umsetzung.
  • Zielgruppengerechte und interaktive Materialien (Rezepte, Infostand, Spiele und Website) erhöhen die Akzeptanz bei den Tischgästen.
  • Eine kleine, aber kreative und zielgenaue Aktionsform wie ein Bohnentag schafft eine relativ große Aufmerksamkeit – in den Einrichtungen, aber auch medial. Sie hat das Potenzial, den Einsatz von Hülsenfrüchten in den Küchen zu verstetigen.

Für wen sind solche Bohnentage interessant?

Grundsätzlich ist das Format für alle Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung und der Gastronomie interessant, die ihren Tischgästen regionale und nachhaltig produzierte Lebensmittel servieren möchten. Gleichzeitig bietet es eine Chance für landwirtschaftliche Betriebe, die Absatzwege für regionale Hülsenfrüchte suchen, neue Produkte bekannt machen möchten oder den bestehenden Anbau ausweiten wollen. Natürlich lässt sich der Stuttgarter Bohnentag nicht einfach 1:1 kopieren. Aber die Aktionsform eignet sich auf jeden Fall als Inspiration für andere Regionen.

Der Agraringenieur Uli Ostarhild empfiehlt deshalb:

Die Stuttgarter Bohnentage sind eine Formatvorlage, die man -authentisch angepasst und mit lokalen Akteuren - einfach einmal bei sich ausprobieren sollte.

Text: Andreas Greiner


Letzte Aktualisierung 06.03.2026

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