Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau


Biolandhof Ellenberg

Carsten Ellenberg, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Carsten Ellenberg auf seinen Versuchsfeldern. Foto: BLE

Begründung der Jury

Der Biolandhof Ellenberg hat sich im Bereich Pflanzenbau, Pflanzenzüchtung beworben und wird von der Jury für den Förderpreis Ökologischer Landbau 2011, ebenfalls für den Platz 1, vorgeschlagen. Die Begründung der Jury beruht auf dem hervorragenden Engagement des Betriebsleiters um die regional angepasste Biokartoffelzüchtung nach ökologischen Kriterien und in bäuerlicher Hand und auf den Verdiensten des Erhalts der Biodiversität speziell im Kartoffelbereich. Hervorzuheben ist auch das überragende Engagement des Betriebsleiters in enger Zusammenarbeit mit anderen Ökokartoffelanbauern für die Erhaltung der beliebten Kartoffelsorte LINDA für Landwirtinnen und Landwirte und Verbraucherinnen und Verbraucher.



Kartoffelvielfalt, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Die Vielfalt der Kartoffeln wird nicht nur durch die Bepflanzung im Hof, sondern auch im Laden ersichtlich. Foto: BLE

Der Biolandhof Ellenberg, welcher seit dem 16. Jahrhundert in Familienbesitz ist, bewirtschaftet heute mit zehn Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen 96 Hektar am Uelzener Becken. Der elterliche Landwirtschaftsbetrieb wurde durch die heutige Betriebsleiterfamilie bereits 1990 auf die ökologische Wirtschaftsweise umgestellt. 1996 wurden von der Kartoffelgenbank Groß Lüsewitz, später auch aus Edinburgh/Schottland und Peru verschiedene alte Kartoffelsorten im Ökoanbau eingesetzt und über mehrere Jahre hinweg im Vergleich mit anderen Sorten geprüft. Es erfolgte im Betrieb selbst eine positive Selektion nach Geschmackseigenschaften. Die guten Sorten wurden weiter vermehrt. Da durch die Entwicklung eines eigenen Marktsegmentes die eigenen Kartoffelflächen nicht mehr ausreichten, wurden andere regionale Biobetriebe in den Anbau und die Vermarktung aktiv mit eingebunden. Pflanzgut besonderer Kartoffelsorten wird im Betrieb selbst angebaut. Der Biolandhof Ellenberg baut circa 100 Sorten an, von denen er den Kunden ein Sortiment von circa 35 Sorten anbietet. Mit dieser Agrobiodiversität der Kartoffeln aus dem Biolandbau kann eine hohe Wertschöpfung erwirtschaftet werden. Diese führt langfristig gesehen zu mehr Markt, einem höheren Einkommen, mehr Unabhängigkeit und zu mehr Arbeitsplätzen in der Region.

Gewächshaus, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Im Gewächshaus werden Kartoffelpflanzen gezüchtet. Foto: BLE

1997 wurden erste Kreuzungen biologisch erzeugter Kartoffelsorten entwickelt. Es wurden auf dem Betrieb alte Sorten und Wildkartoffelarten mit neuen Sorten durch Blütenbestäubung gekreuzt mit dem Ziel, Eigenschaften der modernen ertragreichen Kartoffelsorten mit den alten robusten und individuellen zu vereinigen. Dabei stand die Vielfältigkeit des Geschmacks an besonderer Stelle. Der erste Züchtungserfolg war der "rosarote Panther" welcher in der Genbank Groß Lüsewitz archiviert und in speziellen Ausstellungen präsentiert wird. Die erste betriebseigene vitale Ökosorte ist die EMMA, welche heute als Hofsorte angeboten wird. Diese zeichnet sich durch eine gute Krautfäuleverträglichkeit und einen sehr guten Geschmack aus. Aus weiteren Kreuzungen entstanden die Geschwister ROSEMARIE, VIOLETTA und rote EMMA(LIE), welche die erste in Deutschland gezüchtete rotfleischige Kartoffel ist. Weitere Sorten, wie zum Beispiel die Sorte Rosamunde oder Bamberger Hörnchen sind beim Bundessortenamt in Hannover für die neu entstandene Erhaltungssortenverordnung beantragt. In diesem Jahr stehen sie bereits in der Anerkennung als Pflanzgut auf den Betriebsäckern und können bei positivem Bescheid als Pflanzkartoffeln gehandelt werden.

Kornelie Blumenschein und Petra Ellenberg, Klick führt zu Großansicht im neuen Fenster
Kornelie Blumenschein (Jurymitglied) im Gespräch mit Petra Ellenberg. Foto: BLE

Über ein Projekt des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wurden viele Kartoffelsorten virusfrei im Julius Kühn Institut und auf dem Hof ökologisch angebaut und nach Bioanbauvorgaben getestet. Eine während der Projektzeit gegründete Tochtergesellschaft SOBA Ellenberg (seit 2010 Ellenberg's Kartoffelvielfalt GbR) erhält zur Zeit etwa 100 Kartoffelsorten steril als Pflänzchen in einer Genbank. Diese werden im angegliederten Gewächshaus zu Minitubers (erste Knollengeneration) herangezogen. Diese systematische Erhaltungszucht durch das Labor ist die Grundlage für die Neuzulassung von Kartoffelsorten und die Voraussetzung für eine hohe Biodiversität im Kartoffelbereich.

Die hervorragenden Leistungen des Betriebes um die biologische Züchtungsarbeit in Bauernhand, um die Vernetzungsmöglichkeiten  in der Region und um den Aufbau eines funktionierenden Marktnetzes zur Einkommensverbesserung der landwirtschaftlichen Betriebe in der Region gehören zu den herausragenden Leistungen des Betriebes Biolandhof Ellenberg. Die Erhaltung der Vielfalt von nur einer Kulturart zeigt, dass die Natur eine hohe Diversität in sich trägt und diese nutzbar gemacht werden kann. Diese Leistung steht  beispielgebend für eine nachhaltige zukunftsorientierte und moderne Landwirtschaft für Bäuerinnen und Bauern und Verbraucherinnen und Verbraucher.

Letzte Aktualisierung: 18.01.2011